Lokalgeschichte(n)

Demontage brachte die Industrie in Velbert nach vorne

Autor Henri Schmidt berichtet in seinem neuesten, sechsten Buch über die Demontagen im sozialen Spannungsfeld der ersten Nachkriegsjahre.

Autor Henri Schmidt berichtet in seinem neuesten, sechsten Buch über die Demontagen im sozialen Spannungsfeld der ersten Nachkriegsjahre.

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Velbert.  Henri Schmidt hat über Demontagen in Velbert nach dem Krieg geforscht und geschrieben. Die Maßnahmen der Briten hatten teils erstaunliche Folgen.

Auf einen Krieg folgt in der Regel die Vergeltung, Und dazu zählten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auch die Demontage-Maßnahmen der Alliierten. Deren Ablauf und Folgen in der damaligen britischen Besatzungszone hat – selbstverständlich mit einem ganz speziellen Blick auf das Geschehen in Velbert – Henri Schmidt untersucht, recherchiert und beschreibt sie nun in seinem neuen Buch „Demontagen in Velbert. Kriegsende und Neubeginn – Velbert in der Zeit von 1945 bis 1950“.

Im Unruhestand ein Studium aufgenommen

Der ehemalige langjährige Polizeichef, der im Unruhestand Geschichte und Politikwissenschaft studierte, kommt zu einem auf den ersten Blick überraschenden Befund. So mancher Fabrikant, durch die Demontage zum Handeln gezwungen, habe für Ersatz sorgen müssen und sei durch die Erneuerung an einen „ganz effizienten und viel moderneren Maschinenpark“ gekommen.

Scala-Profis helfen dem Autoren

Schmidt (80) gibt das 124 Seiten umfassende Buch mit zunächst nur 100 Exemplaren im Eigenverlag heraus. Die Profis vom Scala-Verlag haben auch ihm u. a. beim Konzept, Aufbau und Drucken zur Seite gestanden. Mehr als 50 Zuhörer seien jetzt zu dem vom Bergischen Geschichtsverein (BGV, Abteilung Neviges-Hardenberg) organisierten Vortrag Henri Schmidts zum Thema gekommen, erzählt die Scala-Chefin und zugleich BGV-Vereinsvorsitzende, Jutta Scheidsteger. Ulrich Hülsbeck sei ebenfalls unter den Zuhörern gewesen, er habe an dem Abend von Firma und Familie zu damaliger Zeit erzählt.

Stadtarchivar gab den Anstoß

Der Autor hat sich zuletzt die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg vorgeknöpft, hat mit lokalem Fokus über die Ruhrbesetzung durch die Franzosen und die Tätigkeit des Arbeiter- und Soldatenrates

gearbeitet und geschrieben. Den Impuls, sich nunmehr mehr als zwei Jahre mit den Demontagen auseinander zu setzen, habe Stadtarchivar Christoph Schotten gegeben. „Ich habe das dankbar angenommen.“

Schlossfabriken werden zu Kriegsfabriken

Velbert sei das Spiegelbild der Gesamtpolitik gewesen, wenn auch in kleinerem Maßstab: „Was in ganz Deutschland passierte, passierte auch in Velbert.“ Zunächst seien hier „aus Schlossfabriken Kriegsfabriken“ geworden, hätten diese zum Beispiel Panzerketten, MG-Lafetten, Munition und Teile für Fernwaffen hergestellt. Belege über Stückzahlen gebe es nicht, aber es habe „enorme Gütertransporte“ gegeben. 12.000 Zwangsarbeiter mussten damals hier schuften. „Es war vorhersehbar, dass Velbert auch ein Ort der Demontagen werden würde.“ Für vier Firmen habe das vollständig gegolten, darunter auch ein Werk der Bergisch-Märkischen Eisenwerke. Die Maßnahmen wurden offiziell 1950 beendet, als bereits in vielen Betrieben neue Maschinen anstelle der veralteten Technik im Einsatz waren.

In der Findungsphase für das nächste Thema

Und was folgt auf Henri Schmidts sechste Veröffentlichung? „Ich wollte eigentlich eine Pause machen“, antwortet er. Weitere Anregungen hätten ihn jedoch schon gleich nach dem jüngsten BGV-Vortrag erreicht: „Ich bin noch in der Findungsphase.“ Aber man darf wohl sicher sein, dass der engagierte Lokalhistoriker weiter dagegen angehen wird, dass Geschichte ein flüchtiger Stoff ist. Und er damit gegen das Vergessen recherchiert und schreibt.

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