Coronavirus

Corona: Physiotherapeutenpraxen sehen ihre Existenz bedroht

Aus Angst vor Infektion mit dem Coronavirus haben viele Patienten ihre Termine bei Physiotherapeuten abgesagt.

Aus Angst vor Infektion mit dem Coronavirus haben viele Patienten ihre Termine bei Physiotherapeuten abgesagt.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Velbert.  Aus Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus meiden viele Patienten die Praxen. Es werden Umsatzrückgänge von 60 bis 90 Prozent verzeichnet.

Die Lage ist für die Physiotherapeutenpraxen aufgrund der Coronakrise mehr als dramatisch. Obwohl sie zur systemrelevanten Infrastruktur gehören, haben sie mit einem Umsatzrückgang von 60 bis 90 Prozent zu kämpfen, berichtet Uta Leyener. Die 35-jährige Velberterin ist Beiratsmitglied im Landesverband des Deutschen Verbands für Physiotherapie (ZVK e.V.) und arbeitet als Physiotherapeutin im Uniklinikum in Essen.

Die Praxen führen medizinisch notwendige Behandlungen durch und haben ihre Türen nach wie vor geöffnet. „Patienten sollten Behandlungstermine nicht aus Angst vor einer möglichen Infektion mit dem neuen Corona-Virus absagen“, so Leyener. Sie können davon ausgehen, dass genauestens auf die Hygiene geachtet wird, um ein Infektionsrisiko sowohl für die Therapeuten, als auch für die Patienten zu minimieren.

Patienten werden intensiv informiert

In der Praxis „Physioplus Langenberg“ von Oliver Emmerich wird versucht durch intensive Kommunikation vor Ort, über die Homepage, via Facebook und am Telefon, die Kunden über dieses Thema detailliert zu informieren und ihnen die Angst zu nehmen. Bereits begonnene Therapien sollten nach Möglichkeit nicht unterbrochen, sondern fortgesetzt werden, sofern dies der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten erlaubt. Denn auch in diesem Bereich ist ein Stillstand häufig mit einem Rückschritt verbunden. Uta Leyener weist darauf hin, dass jeder, der eine Behandlung ärztlich verordnet bekommen hat, diese auch zeitnah in Anspruch nehmen sollte.

Panische Reaktionen

In der Praxis von Oliver Emmerich war die letzte Woche katastrophal. „Wir haben gemerkt, dass die Personen panisch reagieren“, so Emmerich. Seine Umsätze brachen um 50 Prozent ein. Mittlerweile kommen auch wieder neue Patienten mit neuen Verordnungen in seine Praxis. Dennoch hat Emmerich für seine drei festangestellten Mitarbeiter ab April Kurzarbeit beantragen müssen. „Ohne die Kurzarbeit könnten wir maximal zwei bis drei Monate unter diesen Umständen weitermachen“, sagt Emmerich.

Kein Geld für 450-Euro-Kräfte

Für seine 450-Euro-Kräfte kann Emmerich kein Kurzarbeitergeld beantragen. „Dies geht leider nur für sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse“, so Emmerich. Wie es mit ihnen weitergeht, ist leider noch nicht absehbar. In Zeiten der Corona-Krise ist es für die Physiotherapeuten von existenzieller Bedeutung, dass die verordneten Anwendungen unmittelbar durchgeführt werden. Sollten die Rezepte nicht zeitnah eingelöst werden, kann es sein, dass die Praxen in die Insolvenz getrieben werden. Somit könnte es zu Versorgungsengpässen nach der Krise kommen.

Neue Wege werden beschritten

Der ZVK fordert daher die Krankenkassen auf, ihren Beitrag zu leisten und den Praxen unbürokratisch zu helfen. Viele Physiotherapiepraxen machen aus der Not eine Tugend und gehen neue Wege. Sie bieten Physiotherapie per Videokonferenz an. Die Patienten werden durch die Therapeuten angeleitet, Übungen in den eigenen vier Wänden durchzuführen. Die Physiotherapeuten beobachten jede Bewegungsphase genau und korrigieren die Patienten gegebenenfalls sofort. „Es ist wichtig, dass der Kontakt zwischen den Therapeuten und den Patienten auch in diesen schwierigen Zeiten nicht abreißt“, so Uta Leyener.

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