Gesellschaft

Corona-Pandemie treibt viele Velberter in die Schulden

Die Schuldnerberater müssen sich bei den Ratsuchenden oftmals durch Stapel von Rechnungen wühlen.

Die Schuldnerberater müssen sich bei den Ratsuchenden oftmals durch Stapel von Rechnungen wühlen.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Die Schuldnerberatung der Bergischen Diakonie in Velbert registriert deutlich mehr Ratsuchende. Und im Winter könnten es noch viel mehr werden.

Die Corona-Pandemie geht vielen Menschen an die Existenz. Und das nicht nur in gesundheitlicher, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn wenn viele Selbstständige ohne Beschäftigung sind und Unternehmen Kurzarbeit fahren, dann haben die Schuldnerberater richtig viel zu tun. So auch die Beratungsstelle in Velbert, die von der Bergischen Diakonie betrieben wird. In den ersten neun Monates dieses Jahres hatten die drei Berater so viele neue Ratsuchende wie im gesamten vergangenen Jahr.

Das finanzielle Konstrukt bricht zusammen

„Vor allem Kurzarbeiter und Solo-Selbstständige drücken die Schulden durch de Corona-Pandemie“, berichtet Ralf Schwarzbach von der Velberter Schuldnerberatung. Schon vor Corona sei es bei diesen Menschen finanziell knapp gewesen, doch man habe seine Schulden gerade eben so im Griff gehabt und seine Raten zahlen können. Doch mit Corona sei das vorbei gewesen, dann kamen Lockdown und Kurzarbeit. „Da ist dann in einigen Fällen der 450-Euro-Job der Ehefrau weggefallen und das gesamte finanzielle Konstrukt ist zusammengebrochen“, sagt Schwarzbach.

Soloselbstständige sind stark betroffen

In anderen Fällen wiederum sei es die Kurzarbeit, die Menschen in die Überschuldung trieben. Und auch Solo-Selbstständige, die schon in normalen Zeiten, kaum über die Runden kämen, seien stark betroffen. Allein schon durch die fälligen Krankenkassenbeiträge türmten sich da in manchen Einmannfirmen die Schulden auf. Für den Herbst und den Winter rechnen die Schuldnerberater mit einem weiteren Anstieg der Zahlen. „Und schon jetzt haben wir rund zehn Anrufe von Hilfesuchenden pro Tag“, führt Schwarzbach weiter aus. Etwa 18 Prozent der Velberter seien überschuldet, das ist beinahe jeder Fünfte. Gründe für Schulden, so Schwarzbach weiter, seien ansonsten meistens Arbeitslosigkeit oder Trennung und Scheidung. Viele alleinerziehende Mütter rutschten in die Schuldenfalle. Oft hätten sie gemeinsam mit dem damaligen Ehemann Schulden aufgenommen, die sie nun abbezahlen müssten.

Privatinsolvenz als letzter Ausweg

Oft ist der Weg in die Privatinsolvenz der letzte Ausweg. Bis Juli verzeichnete die Schuldnerberatung in Velbert – sie ist eine von zehn Schuldnerberatungen im Kreis Mettmann – einen Anstieg der Verbraucherinsolvenzen um 20 Prozent. Und im Winter könnten es noch deutlich mehr werden. Denn das Gesetz wurde geändert. Wenn es etwa Ende November oder Anfang Dezember in Kraft tritt, dauert das Insolvenzverfahren nur noch drei statt derzeit sechs Jahre. Viele Ratsuchende haben den Antrag auf das Verfahren daher verschoben, aber im Winter kommen sie dann geballt.

Zunahme der Firmeninsolvenzen

Mit einer Zunahme der Firmeninsolvenzen rechnet der Schuldnerberater im neuen Jahr. Denn die Insolvenzantragspflicht ist bis zum 31. Dezember wegen Corona ausgesetzt worden. Das könnte zur Folge haben, dass weitere Menschen ihre Arbeit verlieren und so ihre Schulden nicht mehr bedienen könnten. „Für Herbst und Winter rechnen wir mit einem großen Ansturm von Ratsuchenden“, so auch Christian Heine-Göttelmann, vom Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland Westfalen Lippe.

In die Schuldenfalle geraten

Nach Angaben der Diakonie konnten schon vor der Corona-Pandemie nur 15 Prozent der überschuldeten Menschen beraten werden, deshalb fordert sie den Ausbau der kostenfreien sozialen Schuldnerberatung. Um den Menschen während und auch nach der Corona-Krise eine Perspektive zu eröffnen, ist es nach Ansicht der Diakonie Rheinland Westfalen Lippe notwendig, dass der Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle überschuldeten und von Überschuldung bedrohten Menschen auf Bundesebene gesetzlich verankert wird. „Wir dürfen Menschen, die durch die Corona-Krise in die Schuldenfalle geraten sind, nicht alleine lassen. Sie brauchen dringend Unterstützung, um aus ihrer finanziellen Notlage herauszukommen.“ Weitere Berichte aus Velbert lesen Sie hier.

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