Wirtschaft

Corona-Pandemie bremst die Automeile in Velbert aus

Björn Borreck, Verkaufsleiter im Autohaus Gottfried Schultz, ist selbst gespannt, wie der ID.3 einschlägt. Das erste Komplett-Elektro-Auto von VW ist seit fünf Wochen im Handel.

Björn Borreck, Verkaufsleiter im Autohaus Gottfried Schultz, ist selbst gespannt, wie der ID.3 einschlägt. Das erste Komplett-Elektro-Auto von VW ist seit fünf Wochen im Handel.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Neviges.  Die Corona-Krise macht den Autohäusern auf der Automeile in Velbert zu schaffen. Es gibt jedoch Kunden, die gerade jetzt bestimmte Modelle kaufen.

Nicht nur kleine Jungs bekommen hier schon mal glänzende Augen. Rechts und links der Nevigeser Straße liegt in Tönisheide die Velberter Automeile. Wie geht es der Branche in Zeiten der Corona-Pandemie? Haben die Leute überhaupt Lust, sich umzuschauen, zu planen, sich auf einen neuen Wagen zu freuen? Die WAZ schaute sich um in der Niederlassung Gottfried Schultz und dem Autohaus Velbert, exemplarisch ein großer und ein kleiner Betrieb auf der Automeile. Eine Gemeinsamkeit sei schon mal verraten: Der Sonntags-Ausflug einiger Velberter bei schlechtem Wetter, also von einem schicken Schlitten zum nächsten zu schlendern, sich auch mal herein zu setzen – das fällt bei beiden erst mal flach. Sonntags bleiben die Ausstellungsräume vorerst geschlossen.

Viele Kunden sind verunsichert

Björn Borreck, Verkaufsleiter im Autohaus Gottfried Schultz, hat von seinem Büro aus einen guten Blick auf neue Vier- und Zweitürer, Cabrios, SUV’s. Nein, so richtig Grund zu klagen habe er nicht. „Wir werden das überstehen, aber es ist kein gutes Jahr“, bringt es der 37-Jährige auf den Punkt. Auf dem großen Gelände an der Nevigeser Straße stehen zurzeit 130 Gebrauchtwagen und 80 Neuwagen u. a. der Marken VW, VW Nutzwagen, Audi und Seat. „Wir hatten wie alle ja im Frühjahr drei Monate komplett zu, seit Mai sind die Verkaufsräume wieder geöffnet.“ Seitdem laufe der Kauf schon zurückhaltender. „Die Leute sind verunsichert, ist ja auch alles kein Wunder, einige hatten oder haben Kurzarbeit“, so Björn Borreck, der aber auch folgende Beobachtung macht. „Es gibt auch Leute, die in diesen Wochen sagen: Jetzt kann mich Corona mal.“ Da sei dann „ein Wille, sich gerade jetzt etwas zu gönnen“.

Familienauto statt Flugreise

Man habe schon auch das ein oder andere Luxus-Auto im Sommer verkauft. „Wer sich die Fernreise verkneifen musste, der erfüllt sich dann einen anderen Traum.“ A propos Reisen. Im Moment verzeichne das Autohaus eine vermehrte Nachfrage bei mittelgroßen Vans oder auch preislich erschwinglichen Gebrauchtwagen, in denen die ganze Familie Platz findet, so hat Björm Borreck beobachtet: „Ich habe den Eindruck, man stellt sich darauf ein, wieder mehr mit dem Auto in Urlaub zu fahren statt zu fliegen. Und viele haben gerade jetzt Deutschland als Urlaubsland entdeckt.“ Er persönlich empfinde die Zeit momentan als sehr aufregend, ganz unabhängig von der Corona-Krise: „Die ganze Branche ist im Umbruch, das erste Voll-Elektro-Auto ist wirklich ein komplett neues Auto. Es tut sich viel. Und da dabei zu sein, das ist schon spannend.“

Mit Mut den Betrieb gegründet

80 Mitarbeiter sind in der Gottfried-Schultz-Niederlassung angestellt. Auf der anderen Straßenseite, ein bisschen zurück in zweiter Reihe, sind im Autohaus Velbert sieben Mitarbeiter beschäftigt. „Wir müssen kämpfen, das Interesse an Neuwagen ist stark eingebrochen“, sagt Geschäftsführer Fotios Ioannidis. Noch immer hängt der 52-Jährige mit dem gleichen Herzblut an seinem Betrieb wie vor elf Jahren. „In einem Jahr, in dem viele Autohäuser insolvent gingen, da habe ich eines gegründet. Das war schon verrückt und mutig von mir. Ich bekam nirgendwo Kredite, musste einen Batzen Bargeld hin legen. Aber ich war von dem Konzept überzeugt.“ Die Marke Suzuki als Allrad-Spezialist, so Fotios Ioannidis, habe gerade in dieser Region Anhänger: „Der Wagen ist gut fürs Land, wir haben auch einige Jäger. Teilweise reparieren die Leute ihre Wagen inzwischen auch selbst.“

Die Werkstatt ist ein Segen

Seine Werkstatt, in der alle möglichen Marken wieder flott gemacht werden, sei mittlerweile ein ganz wichtiges Standbein: „Die Leute kaufen im Moment einfach weniger Autos, die fragen sich schon: Brauche ich das jetzt wirklich?“ 20 Neuwagen der Marke Suzuki und 30 Gebrauchtwagen verschiedener Modelle stehen auf seinem Hof. „Es kommen nun auch neue Kleinwagen in Hybrid-Form oder auch Elektro-Autos“, blickt auch der gebürtige Grieche, der mit sechs Jahren nach Deutschland kam, mit Spannung auf die Entwicklung in der Branche. Aber jetzt gehe es erst einmal darum, den Kopf über Wasser zu halten. „Die ganze Bürokratie ist während der Corona-Krise auch nicht einfacher geworden. Bei der Kfz-Zulassungsstelle gibt es jetzt eine Vorlaufzeit von bis zu drei Wochen, mit Termin, versteht sich. Früher ist man da mal eben vorbei gefahren und war in ein paar Stunden fertig.“

Eine Leidenschaft für Autos

Ja, er hoffe, mit seinem Autohaus, mit dem Verkauf und auch der Reparatur einigermaßen durch die Krise zu kommen. Schließlich soll Sohn Dimitros (20), der jetzt schon hier mitarbeitet, mal einen kerngesunden Betrieb übernehmen. „Ich habe das hier aufgebaut, ich hänge daran“, sagt der 52-Jährige, der einst Feinzerspanungsmechaniker gelernt hat und vor 20 Jahren seine erste Tankstelle samt Werkstatt aufgemacht hat. „Ich kann auch alles selbst reparieren, ich hab einfach eine Leidenschaft für Autos.“

Teil eines großen Unternehmens

Das verbindet ihn mit Verkaufsleiter Björn Borreck, der bei Gottfried Schultz vor 17 Jahren als Kfz-Mechaniker sein Handwerk ebenfalls von der Pike auf gelernt hat. „Da ist man Teil eines Unternehmens, das ist schon schön“; sagt der zweifache Familienvater, der mit Ehefrau und zwei kleinen Söhnen in Tönisheide wohnt. An seinem Beruf mag er vor allem den persönlichen Kontakt, den auch die Kunden schätzten, so Borreck: „Autos, das ist wie Fußball, eine emotionale Sache. Da redet man halt gern drüber.“

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