Corona

Corona: Diese Bücher lohnen sich jetzt ganz besonders

Jetzt könnte doch mal Zeit sein, ein Buch zu lesen. Wir haben Tipps, was gegen Corona-Langeweile helfen könnte.

Jetzt könnte doch mal Zeit sein, ein Buch zu lesen. Wir haben Tipps, was gegen Corona-Langeweile helfen könnte.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Velbert.  Kontaktverbot und Einschränkungen zwingen auch die Velberter dazu, zu Hause zu bleiben. Wir haben Buchtipps gegen die Langeweile gesammelt.

WAZ-Mitarbeiter Jascha Winking studiert Literaturwissenschaften und empfiehlt hier Bücher aus verschiedenen Genres, die er in letzter Zeit gelesen hat und die – seiner Meinung nach – helfen können, die Langeweile der nächsten Zeit zu vertreiben.

Aus fernen Ländern
Stella Deetjen, „Unberührbar“: Die damals 24-jährige Deetjen macht in Indiens spiritueller Hauptstadt Varanasi zufällig die Bekanntschaft von Lepra-Kranken. Sie entschließt sich spontan, bei ihnen zu bleiben und ihnen alle Hilfe zukommen zu lassen, die sie auftreiben kann. So baut sie eine erfolgreiche Hilfsorganisation auf, die sie im Laufe der Jahre bis zum Papst bringt. Ein Sachbuch über eine beeindruckende Lebensgeschichte, das sich fast wie ein Roman liest. Bewegend.

Karina Sainz Borgo, „Nacht in Caracas”: Ein aufwühlender zeitgenössischer Roman über eine Frau, die im krisengeplagten Venezuela eine ungeahnte Chance bekommt, dem Elend zu entfliehen – und dabei immer wieder an moralische und körperliche Grenzen stößt. Ein Buch über Schönheit und Elend des Alltags, die wohl nirgendwo so eng beieinanderliegen wie in Südamerika. Übersetzt in mehr als zwanzig Sprachen. Auf dem Weg zum modernen Klassiker.

Sachbuch

Lesley M. M. Blume, „Und alle benehmen sich daneben – Wie Hemingway seine Legende erschuf“: Trinker, Jäger, selbst ernanntes Idealbild der Männlichkeit und absolute Ikone. Zu Hemingways Ruhm trug seine selbst angeschobene Image-Bildung nicht wenig bei. Eine faszinierende Analyse über seine Jahre in Paris und darüber, wie er durch viel eigenes Zutun zu dem wurde, was er ist: eine Legende.

Souad Mekhennet, „Nur wenn du allein kommst“: Müsste ich nur ein einziges Buch empfehlen, wäre es wohl dieses. Eine Journalistin mitten im Dschihad, dem so genannten „heiligen Krieg“. Ein Krimi-Autor wäre stolz auf dieses Werk, doch Mekhennets Reportagen sind Realität. Ohne Atempause beschreibt sie Treffen mit Terror-Chefs mitten in der jordanischen Wüste oder das Enttarnen des so genannten „Jihadi John“. Ein journalistisches Meisterwerk.

Local Heros
Henri Schmidt, „Revolution in Velbert“: Unter Zuhilfenahme vieler historischer Fotos hat der Velberter Historiker Schmidt ein bemerkenswertes Stück Zeitgeschichte niedergeschrieben: über die Tätigkeiten des Arbeiter- und Soldatenrates in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Wer mehr über das revolutionäre Velbert wissen möchte, dem wird hier geholfen. Interessant.

Eva-Maria Bast, Mike Durlacher, Maira Schröer, „Velberter Geheimnisse“: Wissen Sie alles über Ihre Stadt? Ja? Ich bin mir nicht sicher. Wo etwa findet sich eine Inschrift, die an die ersten Tage des Ersten Weltkriegs erinnert? Wissen Sie nicht? Dann hilft Ihnen dieses Buch. Wissen Sie doch? Dann hilft es Ihnen vielleicht auch – denn Sie kennen die anderen 49 Geheimnisse nicht.

Sport

Novak Đoković, „Siegernahrung“: Heute ist Đoković einer der besten Tennisspieler der Geschichte, vor einigen Jahren aber wurde er von Atemnot, Müdigkeit und Antriebslosigkeit gequält – bis er herausfand, dass er kein Gluten verträgt. Hier erzählt er ein wenig von seinem Leben und von der Entdeckung, die es veränderte. Zudem gibt er ganz konkrete Hinweise dazu, wie auch wir auf das Klebeeiweiß verzichten können. Ein in jeglicher Hinsicht außergewöhnlicher Mensch.

Eduardo Galeano, „Der Ball ist rund“: Der in Deutschland dank Sepp Herberger etwas abgenutzte Titel sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es wohl niemanden gibt, der so literarisch über den Volkssport Fußball schreibt wie der leider kürzlich verstorbene uruguayische Intellektuelle Eduardo Galeano. Ein Beispiel gefällig? „Diego Armando Maradona wurde bewundert, weil er der menschlichste aller Götter ist.“ Wunderbar.

Poesie
Rupi Kaur, „Die Blüten der Sonne“: An ihrer Lyrik scheiden sich die Geister: Einige halten sie für simpel und affektiert, andere lieben die schlichte, jugendliche, beinahe an Volkspoesie erinnernde Sprache. Die 27-jährige Kaur hat keine Scheu, sich mit den großen menschlichen Themen zu beschäftigen: Sexualität, Identität, Tod. Ihr Werk wurde schon jetzt in 40 Sprachen übersetzt und ihr Erstling ist der meistverkaufte Gedichtband aller Zeiten. Besser übrigens noch im englischen Original. Einzigartig.

Federico García Lorca, „Zigeunerromanzen“: Einer der wenigen Welterfolge der Poesie. García Lorca drückt in dieser Gedichtsammlung seine Bewunderung für die heute „Sinti und Roma“ genannten Bewohner seiner andalusischen Heimat aus. Es wird gemunkelt, dass eines der Gedichte – in dem die spanische Polizei ein Roma-Dorf zerstört – dem weltoffenen und toleranten Poeten im Spanischen Bürgerkrieg das Leben gekostet hat. Ein Werk voller Schönheit und Kummer.

Kunst

Marina Abramović, „Durch Mauern gehen“: Die Serbin ist eine absolute Institution der Performance-Kunst und auch, wenn einige Sequenzen dieser Biographie etwas zu fantasievoll erscheinen, erzählt sie doch eindrücklich und bewegend von ihrem Leben, das ein ganz und gar außergewöhnliches ist. Kunst, wie sie selbst sagt, als das Leben selbst.

David Foenkinos, „Charlotte“: Das traurigste Werk auf dieser Liste. Der Roman erzählt – ziemlich faktengetreu – das Leben der Malerin Charlotte Salomon, die von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde – nachdem sie in nur 26 Jahren Lebenszeit ein gewaltiges künstlerisches und menschliches Erbe hinterlassen hat. Ein tragisches, hochaktuelles Buch über eine außergewöhnliche Künstlerin.

Klassiker
Ernest Hemingway, „Schnee auf dem Kilimandscharo“: Hems Kurzgeschichten-Sammlung: Sie ist weder „Fiesta“, der Roman, der der „Lost Generation“ eine Stimme gab, noch „Der alte Mann und das Meer“, der ihm den Nobelpreis einbrachte. Sie ist aber trotzdem anschauliches Material, um zu verstehen, warum Hemingway so in seinen Bann zieht: exotische Themen, nackte, beinahe simple und doch wahnsinnig präzise Sprache, dazu noch außergewöhnliche Charaktere. Ein epochaler Schriftsteller.

Gabriel García Márquez, „Chronik eines angekündigten Todes“: Ein nicht weniger epochaler Schriftsteller als sein amerikanischer Kollege Hemingway ist der kolumbianische Nobelpreisträger García Márquez. Von ihm sind vor allem „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ und „Hundert Jahre Einsamkeit“ (zwei wunderbare Bücher) bekannt, „Chronik eines angekündigten Todes“ fliegt eher unter dem Radar – zu Unrecht. Der Autor nimmt uns mit an die schwüle kolumbianische Karibikküste, wo ein Mord geschieht, von dem jeder vorher wusste – außer dem Opfer. García Márquez’ so genannter „Magischer Realismus“ macht seiner Bezeichnung alle Ehre. Fantastisch.

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