Nahverkehr

Busse in Velbert werden dem neuen Bahn-Takt angepasst

Vernünftige Umsteige-Verbindungen und -Zeiten zwischen S-Bahn und Bussen machen den ÖPNV attraktiv.

Vernünftige Umsteige-Verbindungen und -Zeiten zwischen S-Bahn und Bussen machen den ÖPNV attraktiv.

Foto: Uwe Möller

Langenberg/Neviges.   Die S 9 fährt in Zukunft nur noch alle 30 Minuten. Neue Regionalbahn 49 hält nicht in Nierenhof und Rosenhügel. VGV schnürt Maßnahmen-Paket.

Es ist zwar noch ein ganzes Jahr hin, doch mit dem Fahrplanwechsel brechen auch auf der Strecke der S-Bahn-Linie 9 absehbar neue Zeiten an. So rollt die S 9 dann nur noch im Halb-Stunden-Takt statt wie bislang alle 20 Minuten. Ergänzen soll sie auf dem Abschnitt zwischen Essen und Wuppertal die neue Regionalbahnlinie (RE) 49, und zwar alle 60 Minuten. Beschlossen hat das der Verwaltungsrat des Verkehrs-Verbundes Rhein-Ruhr (VRR) bereits im Mai 2015. Und das hat weitere Folgen: Vor Ort wird aktuell das komplette Paket der hierdurch erforderlichen Anpassungen im hiesigen ÖPNV diskutiert und geschnürt. Das letzte Wort hat am 18. Dezember der Rat.

Taktung gilt an allen Tagen

Die beschriebene Taktung gilt werktags. Und was ist an Sonn- und Feiertagen? „Diese Regelung gilt nach unseren Informationen an allen Tagen“, sagt Arnd Sulimma. Er führt mit Stadtkämmerer Christoph Peitz die Geschäfte der Verkehrsgesellschaft der Stadt Velbert (VGV), die für den ÖPNV im Stadtgebiet zuständig ist. Ein weiterer Knackpunkt: Die Linie RE 49 stoppt ausschließlich an so genannten fahrgaststarken Haltepunkten. Als solche gelten Velbert-Langenberg und -Neviges; in Nierenhof und Rosenhügel rauschen die Züge durch. Sulimma: „Die Planung ergibt zwar künftig alle 20 Minuten eine Verbindung. Aber auch nur rein rechnerisch. Eigentlich heißt das lediglich, dass drei Mal in der Stunde ein Zug kommt.“

Abstimmung auf Züge am Bahnhof sind inbegriffen

Der Blick auf die Anpassungsmaßnahmen bei den Bussen zeigt, dass z. B. die Linie 647 (Wuppertal/Hattingen) statt des 20-/40-Minuten-Taktes einen „sauberen“, also regelmäßigen 30-Minuten-Takt bekommt. Eine Abstimmung auf die Züge am Bhf. Langenberg ist inbegriffen. „Das war immer schon eine Forderung“, sagt Arnd Sulimma, demzufolge die VGV ohnehin das Ziel verfolgt, quasi auf einen Streich mit den durch den VRR veranlassten Umstellungen auch rein lokal Verbesserungen hinzubekommen. Die Linie OV 6 (Bhf. Langenberg/Velbert ZOB) wechselt vom 20- auf einen 30-Minuten-Takt mit Anknüpfung an die RE 49 am Bhf. Langenberg. Die OV 7 (Bhf. Langenberg/Klinikum) wird vom 60- auf einen 30-Minuten-Takt verdichtet und am Bhf. Langenberg auf die S 9 abgestimmt. Nebeneffekt: Das Sportzentrum wird ebenfalls zwei Mal in der Stunde im regelmäßigen 30-Minuten-Takt angedient. Die OV 8 (ZOB/Nierenhof) behält ihren 60er Takt und wird am Haltepunkt Nierenhof auf die S 9 abgestimmt. Der Linienweg soll künftig über die Bahnhof-, Tal- und Bismarckstraße führen: „Damit werden beide Friedhöfe angebunden und die Wohngebiete längs der Bismarckstraße.“

Detailplanung für die 600er Linien

Eine besondere Aufgabe stellen die „600-er“ Linien dar. Hier steht die Detailplanung mit „WSW mobil“ und der Stadt Wuppertal noch aus. Die besondere Herausforderung: Laut Arnd Sulimma bleiben – natürlich mit Ausnahme der S 9 – alle S-Bahn-Linien, die Wuppertal tangieren, im 20er Takt. Nach jetzigem Stand bleibt der 627er im 60-Minuten-Takt, wird Einrichtungsverkehr durchs Wohngebiet „Auf den Pöthen“ in Richtung Neviges geprüft. „Dafür müssten aber ein paar Minuten Mehrfahrzeit an anderer Stelle rausgeholt werden.“ Der 637er soll seinen 60-Minuten-Takt behalten und für den 649er bleibt’s beim 20er Takt. „Eigentlich warten jetzt alle nur noch auf unsere Beschlüsse“, sagt der VGV-Chef. Im Frühjahr werde es ans Feintuning gehen.

VRR rechnet mit mehr Fahrgästen 

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 stellt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) den S-Bahn-Verkehr vom 20- auf „stärker nachfrageorientierten“ 15-/30-Minuten-Takt um. Zudem schafft er neue Direktverbindungen, verbessert Reiseketten im Schienenpersonennahverkehr und stärkt besonders die Nord-Süd-Verkehre. Der Fahrgast-Prognose eines Ingenieurbüros zufolge wird eine Taktumstellung vor allem im Ruhrgebiet zu einem erheblichen Anstieg der Fahrgastzahlen führen.

Vorteile überwiegen laut VRR die Nachteile

Das geänderte Betriebskonzept werde zwar punktuell „auch einige nachteilige Veränderungen im Netz“ mit sich bringen, nach Ansicht des VRR sei dies jedoch hinnehmbar, wenn man die Nachteile mit den zahlreichen Vorteilen und verkehrlichen Verbesserungen abwäge. Eine vertiefende Untersuchung komme zu dem Ergebnis, dass mit der Umstellung auf einen 15/30-Minuten-Takt und Veränderungen im kommunalen (ÖPNV) jährlich rund 4,8 Millionen zusätzliche Fahrten erzielt werden könnten. Das entspreche einem Plus von 4,6 Prozent. Ohne Anpassungen im kommunalen ÖPNV sei mit 3,7 Prozent zu rechnen.

Einmal in der Stunde fährt die S9 nach Recklinghausen

Vorgesehen ist, dass die S 9 einmal in der Stunde von Bottrop über Gladbeck-West und Herten bis Recklinghausen weiterfährt. Insgesamt sind drei neue Halte vorgesehen. Zwischen Essen und Wuppertal reduziert sich die Fahrzeit mit der neuen Linie RE 49 um neun Minuten, was einer Zeitersparnis von 19 Prozent entspricht. Außerdem wird die Umsteigeverbindung Mettmann – Essen (S 28/RE 49) um zwölf Minuten beschleunigt.

Die S 9 fährt künftig im 30-Minuten-Takt zwischen Gelsenkirchen-Buer Nord und Wuppertal-Unterbarmen. Die Linie RE 49 Wesel – Oberhausen – Essen – Wuppertal ergänzt die S 3 und S 9 in den Abschnitten Oberhausen – Essen bzw. Essen – Wuppertal und bedient nur nachfragestarke Stationen. Sie verkehrt montags bis freitags alle 60 Minuten (Quelle: „Die S-Bahn Rhein-Ruhr“/VRR).

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