Jubiläum

Bürgerverein Nordstadt feiert 90-jähriges Jubiläum

So sah es am Moltkeplatz in den 1960er Jahren aus.   

Foto: Bürgerverein Nordstadt

So sah es am Moltkeplatz in den 1960er Jahren aus.    Foto: Bürgerverein Nordstadt

Velbert-Mitte.   Seit 1927 ist der Bürgerverein für die Anwohner rund um den Moltkeplatz da. Über die Jahrzehnte hat der Verein viele Projekte initiiert.

Mit Rewe und Quelle werden zwei deutsche Traditionsunternehmen gegründet, Charles Lindbergh fliegt nonstop von New York nach Paris – und der Nordstädtische Bürgerverein wird gegründet. Am 28. Mai 1927 übernimmt Albert Stein das Amt des ersten Vorsitzenden, seit dem – seit 90 Jahren – ist der Verein rund um den Moltkeplatz Ansprechpartner für die Bürger. Gefeiert wird an diesem Wochenende gleich drei Tage lang – inklusive Ehrengäste.

Gebiet wurde einst landwirtschaftlich genutzt

Ein Blick zurück zeigt, dass die heutige Nordstadt zunächst landwirtschaftlich genutzt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind im Plan der Bürgermeisterei Velbert einige Höfe verzeichnet – deren Namen teilweise heute noch lebendig sind: Birkefeld, auf’m Friedfeld oder Wildenburg seien als Beispiele genannt. Erst einhundert Jahre später nimmt die Entwicklung Fahrt auf, die Eisenbahntrasse bringt den Aufschwung. Der erste Güterzug fährt im Februar 1924, der erste Personenzug gut ein Jahr später durch die Nordstadt.

Pause bis 1949

Die Anfänge des Bürgervereins nachzuzeichnen, so ist in der Festbroschüre zu lesen, ist nicht einfach: „Die Denkungsart der Menschen in den turbulenten Jahren der Weimarer Zeit und im Kaiserreich der Jahrhundertwende sind mit heutigen Maßstäben nicht zu messen. Überzeugt aber darf man davon ausgehen, dass zu den Vereinsgründungen sowohl des Moltkevereins als auch des Bürgervereins zutiefst lokalpatriotische, ja früher auch vaterländische Motive ausschlaggebend waren.“

Am Gründungstag versammeln sich die Bürger in der Gaststätte „Zur Sonne“ an der Ecke Hefeler-/Talstraße, den ersten Vorstand bilden Albert Stein, Gustav Striebeck, Wilhelm Erdelen, Rudolf Ross, Hugo Leckebusch. Beisitzer sind Hermann Talkenberg, Paul Wanischeck, Georg Klanke und Emil Engelbrecht. Nach der Eingemeindung im Jahre 1928 wird die Stadtgemeinde Velbert größer, auch der Einflussbereich des Bürgervereins wächst. Nach 1933, so heißt es in der Festbroschüre, „war die Vereinstätigkeit stark behindert worden. Die Vereinsabende hatten nur noch geselligen Charakter.“

Wechselnde Vereinslokale

So wird nach Kriegsbeginn 1939 beschlossen, die Vereinstätigkeit ruhen zu lassen. Erst 1949 nimmt der Verein die Arbeit wieder auf.

In der Folge setzt sich der Verein intensiv für Verbesserungen ein – etwa den Wiederaufbau des Moltkeplatzes, die Ansiedlung eines Arztes und die Einrichtung einer öffentlichen Telefonzelle. 1960 erfolgt die Anbindung ans städtische Busnetz. Immer wieder Thema ist der Verkehr: Es geht um Sanierungen und den Bau der B 224, heute die A 535. 1971 organisiert der Verein einen Rosenmontagszug – der erste nach einer langen Zeit. 5000 Besucher kommen – ein Riesenerfolg. Aber es gab nicht nur Arbeit, die Nordstädter feiern auch gerne. Vor allem das Oktoberfest ist ein Renner, zieht die Besucher massenhaft an.

Rückschläge prägen die 1970er

In den 1970ern gibt es Rückschläge zu verkraften: Verschiedene Geschäfte schließen, die Firma Beer rüstet erst nach intensiven Gesprächen eine Entstaubungsanlage nach und der Bau der B 224 sorgt für Lärm, Dreck und Hausabbrüche. Dafür wird aber auch die Grundschule „Am Schwanefeld“ endlich gebaut.

Hochhäuser verschwinden

In den Achtzigerjahren pendelt sich die Mitgliederzahl des Vereins auf etwa 310 ein, was eine stetig weitere Erhöhung des Durchschnittsalters bedeutet, erst Anfang der 1990er Jahre kommen wieder jüngere Mitglieder hinzu. Ende 1996 endet eine Tradition: Die Wirtsleute Becker schließen die „Hohenzollernstube“, in der der Verein 34 Jahre getagt hat. Neues Vereinsheim ist nun die Gaststätte „Zum Bären“, später dann die „Schmiede“ und das „Frankys“. Nach der Jahrtausendwende kommt der „langersehnte Supermarkt für die Nahversorgung“, die Hochhäuser am Nordpark verschwinden nach und nach, und der Freizeitpark Höferstraße entsteht.

Für die Zukunft ist der Bürgerverein gut aufgestellt, mit Marc Ratajczak ist mittlerweile ein Vertreter der „jüngeren Generation“ am Ruder.

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