Klassik-Konzert

Bürgerhausorchester spielt Wiener Klassik

Entführte sein Publikum in die Zeit der Wiener Klassik: das Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert.

Foto: Uwe Möller

Entführte sein Publikum in die Zeit der Wiener Klassik: das Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert. Foto: Uwe Möller

Langenberg.   Das Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert begeisterte mit Mozart, Haydn und Kozeluch – und einem Konzert bar jeder Effekthascherei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein zahlreiches Publikum und das schöne Ambiente des Bürgerhaussaales mit seiner einzigartigen, von der Orgel bestimmten Bühnenkulisse gibt ohne Zweifel den angenehmsten Rahmen für jedes Orchester ab und dürfte wohl auch inspirierend auf jeden Künstler einwirken. Für das Bürgerhausorchester Collegium musicum Velbert (Leitung: Claus Tinnes) war es gewissermaßen ein Heimspiel, über das sich sagen lässt, dass alle Mitwirkenden diese Gelegenheit auf das Schönste genutzt und mit ihrem Konzert am Sonntag viel Freude bereitet haben.

Im Mittelpunkt stand Kozeluchs Klarinettenkonzert

Der Abend stand ganz im Zeichen einer frühklassischen Werkschau, wartete mit Größen wie Mozart und Haydn auf, deren Arbeiten wir doch so gut zu kennen meinen und die doch noch immer voller Überraschungen daherkommen. Im Mittelpunkt stand allerdings das zwar unbekannte, aber für den Solisten so dankbare Klarinettenkonzert in Es-Dur von Leopold Kozeluch in der Interpretation des Ausnahmekünstlers Vitalii Nekhoroshev. Schlackenrein in den sauber ausgespielten virtuosen Passagen, von denen es reichlich gab, stets in präziser Korrespondenz mit dem Orchester (Duette mit den Hörnern!), zelebrierte der Solist eine oft sehr an die Thematik der Jagd anklingende Musik.

Welch große Bandbreite an Expression ihm zur Verfügung stand, wurde durch weit ausschwingende Melodielinien im langsamen Satz deutlich, die er bis in die zarteste Ausdrucksweise vorantrieb. Auch in der virtuosen Kadenz überzeugte ein Klarinettenspiel, wie man es lange nicht mehr gehört hatte.

Orchster verstärkte sich mit Oboen, Trompeten und Hörnern

Die erweiterte Mitgliederzahl des Orchesters durch Oboen, Trompeten und Hörner war den Besetzungsforderungen der beiden Sinfonien des Programms geschuldet. Claus Tinnes hatte mit seiner Werkauswahl einen Aufbruch in die Wiener Klassik geplant. Was er mit seinem Orchester (Konzertmeisterin Cornelia Bühne) musikalisch bot, stellte sich als klug durchdachter Versuch heraus, dieses Unternehmen frei von aller Effekthascherei erfolgreich umzusetzen. Mozarts Frühwerk, die Sinfonie D-Dur KV 48 kommt in pompöser Manier daher, gleichwohl legte Tinnes feine Strukturen frei, aus denen die Begabung des Frühvollendeten klar ans Licht trat. Nicht in zweittypischen, formelhaften Wendungen verblieb das „Andante“, sondern es war von Leben erfüllt.

„Wenn ich eine gute Musik hören will, gehe ich nach Eszterázá“, soll einst Kaiserin Maria Theresia gesagt haben. Ob sie allerdings die Sinfonie Nr. 48, das Schlusswerk des Abends von Joseph Haydn, im fürstlichen Schloss gehört hat, ist fraglich. Den Titel „Maria Theresia“ erhielt das Werk nachweislich erst sehr viel später. Doch passt der Name zum festlichen, repräsentativen Charakter der Musik. Tinnes konnte sich hier voll auf die prächtig intonierende Bläsergruppe verlassen, für die Hornisten manchmal eine Gratwanderung, für die Streicher eine technisch wie musikalisch gut gemeisterte Herausforderung. Vielleicht war mit dem „Adagio“ sogar der künstlerische Gipfel des Abends erreicht, entwickelten doch hier die gedämpften Streicher einen zauberhaften Gesang elegischer Melodien – ein wirklich großer Augenblick. Die Sinfonie ein „typischer“ Haydn, voller Witz, Heiterkeit und Turbulenz und große Kunst allemal.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik