Langenberg

Bürgerhaus-Orgel bleibt eine Dauerbaustelle

Außen hui – innen pfui: Für Rund 160 000 Euro soll die Bürgerhaus-Orgel abgebaut, gereinigt, repariert und wieder aufgebaut worden sein. Die Verschleißteile wurden jedoch nicht ersetzt – was sich heute rächt.

Foto: Hans-Joachim Musall

Außen hui – innen pfui: Für Rund 160 000 Euro soll die Bürgerhaus-Orgel abgebaut, gereinigt, repariert und wieder aufgebaut worden sein. Die Verschleißteile wurden jedoch nicht ersetzt – was sich heute rächt. Foto: Hans-Joachim Musall

Langenberg.   Weil beim Restaurieren gespart wurde, häufen sich die Defekte an der Bürgerhaus-Orgel. Orgelpate Peter Nowitzki denkt an Rücktritt vom Ehrenamt.

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Zum 100. Mal jährt sich in 2017 der Jahrestag ihrer Einsegnung – doch auch zu diesem Anlass bleibt sie stumm: Nur einmal, am 29. Januar, hat die Bürgerhaus-Orgel den großen Saal mit seinem barocken Klangideal erfüllt. Seitdem hüllen sich ihre Pfeifen in Schweigen. Und das nicht etwa aus vornehmer Zurückhaltung oder mangels interessierter Organisten. Nein: „Immer wieder sind in den vergangenen Monaten einzelne Teile der Orgel kaputtgegangen“, berichtet Peter Nowitzki. Und inzwischen denkt der Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Langenberg schon darüber nach, seine im vergangenen Jahr für die Bürgerhaus-Orgel übernommene ehrenamtliche Patenschaft niederzulegen.

Wiederaufbau der Faust-Orgel soll lange in Frage gestanden haben

Für mehr als 20 Millionen Euro wurde Langenbergs Bürgerhaus in zehnjähriger Schließungsphase saniert – doch beim Revidieren der alten Faust-Orgel hatte die Stadt offenbar den sprichwörtlichen „Igel in der Tasche“. Sparsamkeit, die heute allerdings teuer bezahlt werden muss, wie Nowitzki erläutert.

„Lange Zeit war ja gar nicht klar, ob die Orgel überhaupt wieder eingebaut werden sollte“, bestätigt der Orgel-Pate, was schon zu Beginn der Bürgerhaus-Sanierung von einigen geargwöhnt wurde. Als dann jedoch – auch auf Grund massiver Nachfragen – der Wiedereinbau der Orgel doch beschlossen wurde, sei ein entscheidender Fehler gemacht worden.

„Drei Optionen standen damals zur Wahl: Der Rückbau auf den Stand von 2003, also die Orgel so wieder einzubauen, wie sie vor den Sanierungsarbeiten ausgebaut worden war. Oder eine komplette Überholung der Orgel mit Austausch aller Verschleißteile. Oder der Rückbau auf den Stand, in dem die Orgel 1917 eingebaut worden war. Leider hat man sich für Variante 1 entschieden – die billigste“, erläutert Nowitzki.

Im vergangenen Jahrhundert war die Orgel „neobarockisiert“ worden

Und so wurde die komplett zerlegte Orgel nur gereinigt, defekte Stücke ersetzt und dann wieder im alten Zustand zusammengebaut. Dabei wäre es damals ein Leichtes gewesen, das wertvolle Instrument mit dem ausnehmend schönen Prospekt dauerhaft wieder bespielbar zu machen. „Man hätte damals alles Verschleißteile ersetzen sollen – die waren ohnehin Jahrzehnte alt, weil die Orgel 50 Jahre vorher neobarockisiert worden war“, sagt der Organist. Und er erklärt: „In den 1960er Jahren wollte man die Orgel nicht mehr das ursprüngliche, das romantische Klangideal, das an ein Orchester erinnert, sondern man wollte einen barocken Klang – spitze, klare Tönen. Deswegen war auch die Bürgerhaus-Orgel damals umgebaut worden.“

Orgel wurde komplett zerlegt – aber Verschleißteile wurden nicht erneuert

Doch um 60- oder 70 000 Euro zu sparen, die der Austausch der Verschleißteile mehr gekostet hätte, wurden Windladen und Bälge der rein pneumatisch betriebenen Orgel genau so verschlissen wieder eingebaut, wie sie 2003 ausgebaut worden waren. Die direkt in die Orgel geleitete, 13 Grad kalte, trockene Luft aus der Klimaanlage tat ein Übriges: Das Holz verzog sich, das ausgetrocknete Leder riss. „Da waren schon mehrere Reparaturen fällig – die letzte hat etwa 2000 Euro gekostet“, so Nowitzki.

Dem derzeit nicht viel mehr bleibt, als die Instrumente abzulesen, die überall in der Orgel verteilt Auskunft über die Luftfeuchtigkeit geben, die in dem Instrument herrscht. Jede Woche oder alle 14 Tage schaut er nach der Orgel. „Aber spielen kann ich nur, wenn auch der Spieltisch auf der Bühne steht – der ist aber meistens im Raum unter der Bühne verstaut“, berichtet der Organist.

Orgelpate Nowitzki beklagt mangelhafte Kommunikation

Worüber er als Orgel-Pate sehr enttäuscht ist: „Ich wünschte mir mehr Kommunikation mit der Leitung des Bürgerhauses in dieser Sache. Was soll meine Patenschaft sonst für einen Sinn machen?“, berichtet er von mehreren vergeblichen Versuchen, über die Probleme mit dem Bürgerhaus-Betreiber KVV ins Gespräch zu kommen.

Und noch etwas stimmt Peter Nowitzki traurig: „Dass es im 100. Jahr ihrer Einweihung nicht ein einziges Jubiläumskonzert auf der Bürgerhaus-Orgel gibt.“

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