Vereine in Langenberg

Bücherstadt-Verein wollte Leerstände in Langenberg vermeiden

Isolde Marx – Vorsitzende des Bücherstadt-Vereins – im Dante-Zimmer, hier mit Bert Gruber von den Stadtwerken Velbert, die regelmäßig die Büchermärkte unterstützen.

Isolde Marx – Vorsitzende des Bücherstadt-Vereins – im Dante-Zimmer, hier mit Bert Gruber von den Stadtwerken Velbert, die regelmäßig die Büchermärkte unterstützen.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Anfangs sollten die Buchläden ein Ladenlokal belegen, bis sich ein Nachfolger gefunden hätte. Inzwischen setzt der Verein andere Schwerpunkte.

Wäre Anfang der 2000er Jahre alles so gelaufen, wie es sich die Stadt Velbert vorgestellt hatte, dann würde es den Bücherstadt-Verein heute gar nicht geben. „Ursprünglich war die Idee nämlich bei der Stadt anhängig“, sagt Isolde Marx rückblickend.

„Doch irgendwie hat das mit der Bücherstadt nicht so ganz geklappt damals“, erzählt die aktuelle Vorsitzende des Vereins. „Die Idee war aber zu gut, um sie nicht umzusetzen.“ Letztlich sei es der Initiative von Waldemar Murjahn zu verdanken, dass schließlich 2001 der Bücherstadt-Verein entstand.

Leerstände für weitere Nutzung „warmhalten“

Sinn und Zweck der Gründung sei es gewesen, Leerstand in der Altstadt zu vermeiden, „und die Ladenlokale sozusagen warmzuhalten, bis jemand mit einer Geschäftsidee kommt“, sagt Isolde Marx. Danach, so der Plan, zieht die Bücherstadt ins nächste leere Ladenlokal um.

„Wir sind dann von Eigentümer zu Eigentümer gegangen“, erinnert sich die Vorsitzende an die Anfänge vor fast 20 Jahren. „Wir haben dann gesagt: Du kannst die Räume leer stehen lassen oder Du stellst uns Platz zur Verfügung. Wir können zwar keine hohe Miete zahlen, aber wir halten alles ordentlich.“

Das Internet hat vieles verändert

Am Anfang funktionierte das auch: So sei ein ehemaliger Leerstand nach dem Bezug durch die Bücherstadt nun ein Atelier, in ein anderes Ladenlokal sei ein Tonstudio eingezogen, berichtet Isolde Marx. Doch dann kam das Internet und mit ihm der digitale Kaufrausch.

„Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es die Leute irgendwann leid sind, alles vom Sofa aus zu bestellen“, ist sich Isolde Marx sicher. „Die Menschen möchten sich umschauen, hinsetzen, lesen. Und bei uns gibt es auch immer Kaffee.“

Büchermarkt ist weithin bekannt

In gewisser Weise hat Isolde Marx auch Recht behalten: Den Bücherstadt-Verein gibt es immer noch und der Verein ist auch immer noch aktiv: Zwei Mal im Jahr richtet er in der Altstadt den Büchermarkt aus, eine Veranstaltung, die mittlerweile weit über die Velberter Stadtgrenzen hinaus bekannt ist.

Nur in diesem Jahr gibt es die Märkte nicht – klar, Corona macht auch vor dem Bücherstadt-Verein nicht halt. Dafür ist im „Honnes“, wo der Verein seinen Sitz hat, regelmäßig geöffnet. Neben alten Büchern, Spielen und solchen Sachen gibt es hier noch zwei Besonderheiten, sagt Isolde Marx.

Goethe, Ginkgo und ein eigenes Zimmer

Da ist zum einen das Zimmermuseum. „Goethe und Ginkgo“ könnte hier über der Tür stehen, denn genau darum geht es: Ein Vereinsmitglied hat allerlei Skurriles über den großen deutschen Dichter gesammelt und hier zusammengetragen.

Und da Goethe sich unter anderem auch mit Ginkgo beschäftigt hat und zudem im Park der Villa Au ein großer Ginkgo-Baum steht – „der genauso groß ist wie der, den Goethe in Weimar gepflanzt hatte“, sagt Isolde Marx –, passe das ganz gut zusammen.

Originalwerke von Dante

Schließlich wäre da noch das Dante-Zimmer: Schön hergerichtet mit dem wohl wichtigsten Ausstellungsstück mitten auf dem Tisch – dem 1491 gedruckten Originaltext der „Divina Commedia“. Das und zahlreiche andere Werke des Dichters hatte der Verein gestiftet bekommen – „von Dr. Michael Voßkämper“, sagt Isolde Marx.

Um das alles kümmert sich der Bücherstadt-Verein, ebenso um das Buchlager und – unter anderem – die Bücherquelle. Wer Lesestoff los werden will, wendet sich an den Verein; die Mitglieder sammeln die Bücher ein und lagern sie an der Donnerstraße. Von dort aus werden dann die Läden bestückt.

Mitarbeiten ist wichtiger als Beitrag

Finanziert wird das alles vor allem über Zuschüsse der Stadt Velbert, „wir kämpfen um jeden Cent“, sagt Isolde Marx. Mit den städtischen Mitteln begleiche der Verein zum Beispiel die Miete. Der Beitrag für die Mitglieder betrage 25 Euro im Jahr, „wichtiger ist aber, dass die Leute mitarbeiten“, sagt Isolde Marx.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben