Stadtbücherei

Bücherei zieht in Velbert mit einem Kilometer Regale um

Martina Saint-Martin packt Bücher für den Umzug zusammen und stellt sie ins Regal. Hier hat sie gerade Romane für junge Erwachsene beim Wickel.

Martina Saint-Martin packt Bücher für den Umzug zusammen und stellt sie ins Regal. Hier hat sie gerade Romane für junge Erwachsene beim Wickel.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Die Zentralbibliothek der Stadtbücherei Velbert hat jetzt ihre Hauptumzugstage. Die Regale kommen auf eine Länge von mehr als einem Kilometer.

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Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Umbau des Forum Niederberg zum Velberter Bürgerforum kommt das Umzugskarussell zunehmend in Schwung. Das betrifft nicht nur das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum, das in direkter Nähe ein neues Domizil zusammen mit der Villa Herminghaus bekommt, sondern auch die Zentralbibliothek. Sie hat Mitte dieser Woche ihre beiden Hauptumzugstage.

Hoffnung auf eine stressfreie Aktion

Es geht rüber zu dem frisch hergerichteten Interimsstandort in die Fußgängerzone Friedrichstraße 115 - 117 (früher C & A). Dafür rückt ein nach Auskunft von Ulrike Motte auf Büchereien und Archive spezialisiertes Umzugsunternehmen aus Münster namens „Stressfrei“ an. „Darauf bauen wir, dass es wirklich so wird“, sagt die Bibliotheksleiterin; man hoffe, dass sich der Spruch „Nomen est omen“ auch in diesem Fall bewahrheite.

Planungen schon im Sommer begonnen

Die Planungen laufen bereits seit Sommer. Als erstes werden die Wandregale leergeräumt und demontiert. Die Medien, zu etwa 70 Prozent Bücher, wandern vorübergehend in Regalkisten. „Große Kunst“, kommentiert Motte, „die Ordnung soll ja nicht verloren gehen.“ Ihre Kollegin Martina Saint-Martin – die Bibliothekarin ist für die Kinderbücherei zuständig – sortiert im Untergeschoss gerade Romane für junge Erwachsene und macht sie umzugsklar. Der Großteil der Regale sind frei stehende auf Rollen mit jeweils zehn Metern Stellfläche auf mehreren Etagen. Die werden foliert, also ähnlich wie Fluggepäck rundum in Folie gewickelt, dann in den Umzug-Lkw gerollt und anschließend rübergefahren.

Statt gewohnter Systematik neues Nummernsystem

Die Hauptarbeit wuppt das zumeist achtköpfige Bücherei-Team. „Eine sehr gute Leistung, es läuft super“, lobt Motte, so stehe mittlerweile schon alles jeweils auf dem richtigen Regal. Vor allem aber habe alles zunächst mit einem von der Spezialfirma vorgegebenen Nummernsystem versehen werden müssen. „Unsere eigene Systematik interessiert überhaupt nicht.“ Ohne die Möbel für so genannte Nonbooks – CDs, DVDs, Gesellschaftsspiele, Games – ziehen insgesamt 1170 Regalmeter um, wobei ein Regalmeter 90 Zentimetern entspricht.

Eröffnung erfolgt im Laufe des Januars

Seit dem 2. Dezember ist die Bücherei im Forum fürs Publikum geschlossen; der Eröffnungstag an der Fußgängerzone steht noch nicht fest, „auf jeden Fall im Laufe des Januars“. Zu der Abschiedsparty unter

dem Motto „Bis bald altes Haus“ haben sich am letzten Novembersamstag mehr als 600 Besucher eingefunden. „Oben konnten Sie gar nicht mehr treten“, erzählt Motte, die Open Stage u. a. mit Vorlesepaten, Bora, Madita Badura und dem Duo „Black Swan“ sei dicht umlagert gewesen. Das Aufkommen der Kuchenspenden sei nicht nur einfach erfreulich gewesen, meint die Büchereichefin, sie wertet es auch als Indiz für die Identifikation vieler Bürger mit ihrer Stadtbücherei.

Übergangslösung ist mit Abstrichen verbunden

Das Ausweichdomizil bietet bei weitem nicht die Zahl der gewohnten 40 Arbeitsplätze, es fehlen die gut frequentierte Außenrückgabe und ein Veranstaltungsraum etwa für Bilderbuchkino und Vorlesepaten; die schon umgezogenen Büros mussten zum Teil in einem Rathaus-Trakt unterkommen. Zudem sind an der Fußgängerzone alle Zielgruppen auf einer Ebene. Das erfordert Verständnis und Rücksichtnahme.

Moderne Zeiten im Bürgerforum

„Wir verabschieden uns mit einem weinenden Auge“, erklärt Ulrike Motte denn auch, „weil wir uns ja kleiner setzen.“ Das Ladenlokal biete 15 Prozent weniger Publikumsfläche als bislang im Forum, hingegen werde die Zentralbücherei von morgen im Bürgerforum drei Mal so groß: rund 2100 Quadratmeter. Erst dann könne man wirklich moderne Bibliotheksarbeit leisten. Aber das Team sehe die Interimslösung „ein bisschen auch als Labor“ an und werde konzeptionell was Neues ausprobieren: „Wir bleiben weiter innovativ, auch wenn die Bedingungen schwieriger werden.“

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