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Bröckelnder Bunker in Neviges wird im Sommer saniert

Schön sieht er nicht gerade aus: Vom Bunker auf der Wilhelmstraße lösten sich Steine. Eine Gefahr geht von dem Gebäude aber nicht mehr aus: Die locker sitzenden Brocken wurden entfernt.

Foto: Uwe Möller

Schön sieht er nicht gerade aus: Vom Bunker auf der Wilhelmstraße lösten sich Steine. Eine Gefahr geht von dem Gebäude aber nicht mehr aus: Die locker sitzenden Brocken wurden entfernt. Foto: Uwe Möller

Neviges.   Aus der Fassade des Bunkers an der Wilhelmstraße lösten sich Steine. Der Bunkerbesitzer sorgte für Sicherheit und will die Wand bald sanieren.

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Marc Döring hatte sich gerade in der neu eröffneten Eisdiele „San Remo“ ein Eis gegönnt, als er auf dem Rückweg auf der Wilhelmstraße in Höhe des Bunkers mitten auf dem Gehweg ein paar Handteller große Gesteinsbrocken entdeckte. „Ich hab dann mal an die Mauer gefasst, da waren ein paar Steine lose.“ Der von der WAZ alarmierte Bunkerbesitzer Hans Niggemeier fiel daraufhin aus allen Wolken. „Ich fahr sofort runter, schau mir das an.“

Keine Gefahr mehr durch herabstürzende Steine

Eine Gefahr geht von seinem Bunker nicht mehr aus, versicherte der Chef der gleichnamigen Elektroanlagen-Firma einen Tag später: „Meine Männer haben die aufgeplatzten Stellen entfernt.“ Besonders das aufgemalte Giraffendekor hatte gelitten, aber der „Zoo“ auf der Wilhelmstraße gehört bald sowieso der Vergangenheit an, wie Hans Niggemeier ankündigt: „Im Sommer wird die Wand saniert.“

Bunker-Besitzer will Stadthallen-Schriftzug retten

Wie auch immer der neue Bunker dann aussehen mag, einen großen Wunsch hat der Nevigeser Niggemeier schon jetzt: „Die Stadthalle wird ja abgerissen. Ich würde gern, wenn es soweit ist, den Schriftzug Stadthalle Neviges retten.“ Und ihn dann an seinen Bunker montieren. So könnte, das ist Hans Niggemeiers Wunsch, ein kleines Stückchen dieses Ortes lebendig bleiben, mit dem so viele Nevigeser schöne Erinnerungen verbinden.

Erinnerungen bewahren und lebendig halten

Erinnerungen bewahren und lebendig behalten – das ist dem Geschäftsmann einfach wichtig. Deshalb hatte er sich auch so gefreut, beim Verkauf des Bunkers vor vier Jahren die Nase vorn zu haben. „Ich bin Ur-Nevigeser. Ich dachte mir einfach, der muss hier bleiben. Da sollte kein Fremder ran und den abreißen“, sagte Hans Niggemeier in einem früheren Gespräch.

Nevigeser erfüllte sich mit Bunkerkauf Herzenswunsch

Ja, als er 2014 den Bunker kaufte, da habe er sich einen Herzenswunsch erfüllt: „Das Gebäude hat mich immer angezogen. Vielleicht auch, weil mein Vater im Krieg war und viel aus dieser Zeit erzählte.“ Außerdem soll der Bunker ihm und seiner Familie im Fall eines erneuten Krieges Schutz bieten. Der Erfüllung seines Herzenswunsches ging eine spannende Story voraus. Als die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2010 den Koloss zum Verkauf anbot, musste Hans Niggemeier bei der Versteigerung im Hotel Hilton in Köln mitansehen, wie ihm ein steinreicher Mitbieter seinen Bunker vor der Nase wegschnappte.

Osteuropäer hatte hier einst ein Bordell geplant

Jener Osteuropäer aus Norddeutschland, so Hans Niggemeier, habe ein Rotlicht-Etablissement an der Wilhelmstraße aufziehen wollen. Aus einem Bordell im Wallfahrtsörtchen wurde bekanntlich nichts, dafür klingelte bei Niggemeier im Dezember 2013 das Telefon: Der Osteuropäer wollte, nachdem seine Pläne gescheitert waren, den Klotz am Bein loswerden und erinnerte sich an seinen Mitbieter.

Wieviel Hans Niggemeier vor vier Jahren für seinen Bunker bezahlte? Der Gentleman genießt und schweigt. Seine Töchter haben jedenfalls einmal mehr erfahren: Papa bekommt meistens, was er will. Vielleicht ja jetzt auch das Emblem der Stadthalle.

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