Straßenverkehr

Blinkmuffel und Handy-Benutzer bereiten der Polizei Sorgen

Blinkmuffel: Untersuchungen zufolge, betätigt mindestens jeder dritte Autofahrer den Blinker nicht genug. Das kann nur ärgerlich, kann aber auch irreführend sein und sogar gefährlich werden.

Blinkmuffel: Untersuchungen zufolge, betätigt mindestens jeder dritte Autofahrer den Blinker nicht genug. Das kann nur ärgerlich, kann aber auch irreführend sein und sogar gefährlich werden.

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Kreis Mettmann.  Unaufmerksamkeit führt zu Fahrlässigkeit, und die ist der Hauptauslöser für Unfälle im Kreis Mettmann. Die Polizei versucht dagegen zu halten.

Schusseligkeit, Bequemlichkeit und Ignorantentum sind, zumal wenn sie in Kombination auftreten, im Straßenverkehr ein echtes Problem. Und das beschäftigt die Kreispolizeibehörde Mettmann, nimmt sie entsprechend ernst. „Der weitaus größte Teil der Verkehrsunfälle, der durch Fahrlässigkeit verursacht wird, basiert auf Unaufmerksamkeit“, sagt Ingmar Herding. So seien etwa Vorfahrt-Verstöße, führt der Mann von der Führungsstelle Direktion Verkehr aus, nur äußerst selten vorsätzlich.

Unsitten und Fehlverhalten nehmen zu

Sein Kollege Ulrich Laaser erlebt auch als Privatmann häufig Blinkmuffel, die beispielsweise in einen Kreisverkehr hinein und zumeist auch wieder raus fahren, ohne den Blinker zu setzen – derweil die anderen Autofahrer gezwungenermaßen warten und raten dürfen, wie’s wohl weitergeht. Oder auch Abbieger, die jäh die Kurve kratzen, ohne das blinkend anzukündigen. Das gilt übrigens oft auch für überraschende Fahrspurwechsel. „Mein Eindruck ist, so etwas nimmt zu“, meint der Chef des Verkehrsdienstes und nennt noch schnell die Unsitte, bei Orange noch fix in die Kreuzung reinzufahren.

Mehr Verkehr auf den Straßen

Herding ist bemüht, zwischen Eindrücken, Empfindungen und Erlebnissen einerseits sowie objektiv mess- und belegbaren Fakten andererseits zu differenzieren. Tatsache sei, dass aufgrund steigender Zulassungszahlen in erster Linie der Verkehr zunehme und damit einhergehend eben auch die Unfallzahlen. „Ich hatte schon immer den Eindruck“, fügt der Polizei-Hauptkommissar hinzu, „dass es viel Unachtsamkeit gibt.“

Den Blick allenfalls ganz kurz abwenden

Ein wichtiges Thema ist Laaser zufolge das der Ablenkung. Und dabei spricht der Erste Polizei-Hauptkommissar nicht etwa als erstes von Handy und Co., sondern von der zunehmend und rasant Einzug haltenden menugeführten Bedienung im Auto. Hier seien Navi-Systeme in der Tat ein großes Problem. Was viele hierzu nicht wüssten: Das Gesetz sei mittlerweile viel weiter als zuvor gefasst und habe den Faktor „Blickabwendung“ stärker im Fokus. „Das ist der Fall, wenn man in der Liste der angebotenen Ziele nicht nur wirklich lediglich kurz das passende antippt. Oder wenn man bei einer fest eingebauten Anlage eine komplette Telefonnummer eingibt.“

SMS lesen und zig Meter im Blindflug weiterfahren

Wenn zum Beispiel eine Streife einen Wagen sieht, der in Schlangenlinien fährt, der die Spur nicht einhält und/oder immer langsamer wird, schöpfen die Beamten Verdacht und liegen fast immer richtig: „Völlig unverständlich ist, warum ein Smartphone einen derart hohen Stellenwert einnimmt, so dass es im Straßenverkehr über das eigene und das Leben des anderen gestellt wird“, wettert Ingmar Herding. Schließlich lege man allein durch einen kurzen Sekunden-Blick auf das Smartphone bei Tempo 50 im Nu 15 Meter im Blindflug zurück. „Eine SMS gelesen, und schon sind es schnell 60 Meter.“ Übrigens ist der gesetzeswidrige Gebrauch von Handys bei Radfahrern ebenfalls Usus.

Schritttempo ist richtig laaaaangsam

Sauer stoßen den Beamten auch Bequemlichkeit und Ignoranz auf. Sehr gerne werde einfach durch Anliegerstraßen gefahren, benutzten Radler die falsche Fahrbahnseite – wo ein Autofahrer, der gerade mit seinem Pkw aus einer Grundstücksausfahrt zurück- und auf die Fahrbahn heraussetze, mit ihnen aus der Richtung nun wirklich nicht rechnen könne. Zudem gebe es viel Unwissen. Aktuell erwäge der Kreis gezielte Tempo-Überwachungen in verkehrsberuhigten Bereichen, auch Spielstraßen genannt, berichtet der Leiter des Verkehrsdienstes. „Viele ertappte Fahrer beteuern, dass sie doch nicht schneller als 30 gefahren seien. Zulässig ist aber wirklich nur Schritttempo, und das ist echt nicht viel.“

Versicherer kennen kein Pardon

Aber was tun? Was hilft gegen Schusseligkeit, Bequemlichkeit und Ignorantentum? „Wir machen sehr viel mit verschiedensten Mitteln über die Öffentlichkeitsarbeit, hinzu kommen Schwerpunkt-Aktionen“, sagt Ingmar Herding. Man versuche, das Verhalten und die Gefahren bewusst zu machen, wiederhole das immer wieder, wolle sensibilisieren und die nötige Einsicht wecken. „Aber das erreicht nicht jeden“, dann bleibe noch die Repression. Nicht zu vergessen: Bei grob fahrlässigem Verhalten winkt manche Versicherung ab; bei Vorsatz ist der Versicherungsschutz ohnehin flöten.

Einfach mehr Respekt an den Tag legen

„Nicht nur aus polizeilicher Sicht“, bringt Herding das Anliegen auf den Punkt, „würde ich mir ganz einfach mehr Respekt gegenüber dem Leben anderer wünschen!“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben