Tarifstreit

Belegschaft von Fliether Velbert will einen Haustarif

Protest vor dem Werkstor: IG Metall und Betriebsrat wollen weiter verhandeln.

Protest vor dem Werkstor: IG Metall und Betriebsrat wollen weiter verhandeln.

Foto: Sascha Döring

Velbert-Mitte.   Das Unternehmen ist Ende 2017 aus den Tarifverträgen ausgestiegen. Betriebsrat und Gewerkschaft fordern nun mindestens einen Haustarif.

Eine erste kleine Aktion nennt Boris Wensing das, was sich am Donnerstagnachmittag vor den Werkstoren von KFV abspielte. Der politische Gewerkschaftssekretär der IG Metall Velbert zählte gut 85 Mitarbeiter des Traditionsunternehmens, die sich dort versammelt hatten, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. „Wir wollen einen Haustarif und auf lange Sicht zumindest finanziell wieder auf das Niveau des Flächentarifvertrags zurück“, sagt Wensing.

Weitere Gespräche geplant

Hintergrund: Ende des Jahres 2017 ist die Siegenia Aubi Gruppe – zu der KFV gehört – aus der Tarifbindung der Metall- und Elektroverträge ausgestiegen. Seit Jahresbeginn führe die Arbeitgeberseite aber Verhandlungen mit der IG Metall, teilte das Unternehmen auf WAZ-Nachfrage mit. Der Forderung der IG Metall nach Rückkehr auf die Flächentarifverträge könne die Geschäftsführung der KFV jedoch nicht entsprechen: „Wir hatten schließlich gute Gründe für unseren Austritt aus der Tarifbindung“, so der geschäftsführende Inhaber der Siegenia Gruppe, Wieland Frank. „Unsere Wettbewerbssituation lässt Tarifsteigerungen wie in diesem Jahr von 4,3 Prozent bei einem schon wirklich hohen Gehaltsniveau sowie einer 35 Stundenwoche nicht zu, wenn wir auch weiterhin in Deutschland produzieren wollen.“ Die Verhandlungen zu einer KFV-Lösung seien konstruktiv gewesen, aber Ende April seitens der Gewerkschaften abgebrochen worden, „da die Gewerkschaft nicht von der Forderung auf eine Rückkehr zum Flächentarifvertrag abrücken wollte“, heißt es in der Mitteilung.

In Rheinland-Pfalz wurde eine Einigung erzielt

Am rheinland-pfälzischen Standort der Siegenia Gruppe wurde mit der IG Metall bereits ein Ergebnis erzielt, über das Anfang Juni abschließend abgestimmt wird. Die Einigung hat eine Laufzeit von drei Jahren mit einer „moderaten Gehaltssteigerung“ sowie einer Regelung über ergebnisabhängige Einmalzahlungen. Somit sei die Arbeitgeberseite zuversichtlich, „auch in Velbert bei der KFV einen guten Kompromiss mit der IG Metall zu finden.“

Betriebsrat und Gewerkschaft wollen verhandeln

Betriebsrat und Velberter Gewerkschaft wollen auch gerne an den Verhandlungstisch zurück, sagen Boris Wensing und die Betriebsratsvorsitzende Silke Wild. „Aber wir wollen ein Signal, dass der Arbeitgeber unser Angebot in Erwägung zieht.“ Dieses Angebot sieht vor, dass es auf lange Sicht – „wir reden von 2030 oder mehr“ – wieder Richtung Flächentarifvertrag geht. „Wir wollen dem Unternehmen ja Luft geben, um den Standort in Velbert zu sichern“, sagt Silke Wild. „Wir wollen verhandeln und wir wollen sehen, dass wir nächste Woche erneut das Gespräch suchen.“ Vom Ergebnis dieser Runde, ergänzt Boris Wensing, „machen wir dann abhängig, wie es weiter geht. Die nächsten Schritte sind schon vorbereitet.“

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