Glyphosat

Bauern im Kreis Mettmann gehen sparsam mit Glyphosat um

Glyphosat kommt in der Regel als Nacherntebehandlung bzw. vor der Aussaat zum Einsatz. Das Pestizid dient zur Unkrautbekämpfung.

Foto: dpa/Steven Lüdtke

Glyphosat kommt in der Regel als Nacherntebehandlung bzw. vor der Aussaat zum Einsatz. Das Pestizid dient zur Unkrautbekämpfung. Foto: dpa/Steven Lüdtke

Kreis Mettmann.   Landwirte werden im Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel geschult, so die Kreisbauernschaft. Velberter Gut Hixholz ist seit Jahren Glyphosat-frei.

In der zurzeit sehr emotional geführten Diskussion um das vermutlich krebserregende Pflanzenschutzmittel Glyphosat wird vor allem eine Berufsgruppe gerne an den Pranger gestellt: die Landwirte. Darüber kann Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, nur den Kopf schütteln: „Kein Landwirt hat Interesse daran, sein eigenes Land zu verseuchen. Wir brauchen das Bodenleben, und wir brauchen die Insekten!“

Hobbygärtner bekommen Glyphosat im Baumarkt

Schon aus eigenem Interesse würden die Landwirte vorsichtig mit Pflanzenschutzmitteln umgehen. „Wir werden speziell für den Umgang damit geschult und müssen den entsprechenden Sachkundenachweis alle drei Jahre erneuern.“ Anders sei es beim Hobby- oder Kleingärtner, der Pflanzenschutzmittel im Baumarkt erwerbe: „Der muss lediglich dort vom Personal über das Produkt informiert werden.“

Bis zu sechs Fruchtfolgen im Jahr

Die Menge an Pflanzenschutzmitteln, die von den Landwirten im Kreis versprüht würde, sei gering: „Wir haben hier eine sehr vielfältige Landwirtschaft mit teilweise fünf bis sechs Fruchtfolgen im Jahr.“ So müsse auch kein Spaziergänger oder Jogger Angst haben: „Es ist völlig unbedenklich, an einer behandelten Fläche vorbeizugehen.“

Anders als beispielsweise in den USA werde nur im Frühjahr und im Herbst gesprüht: „Die Amerikaner spritzen sogar direkt vor der Ernte – das ist in Europa verboten.“ Für Dahlmann steht fest: „Unsere Landwirtschaft ist eine der nachhaltigsten Tätigkeiten überhaupt, weil die Äcker für die nächste Generation erhalten bleiben müssen.“

Seit fünf Jahren kein Glyphosat mehr benutzt

Michael Greshake vom Gut Hixholz würde diesen Satz sicherlich unterschreiben – und er geht mit gutem Beispiel voran: „Glyphosat benutze ich schon seit einigen Jahr überhaupt nicht mehr.“ Stattdessen habe er wieder den Pflug aus der Scheune geholt, mit dem man den Unkrautbesatz auf den Feldern auch deutlich senken könne. „Außerdem habe ich eine stark differenzierende Fruchtfolge mit häufigem Wechsel – deshalb komme ich auch ohne Glyphosat aus.“ Allerdings sei es deutlich aufwändiger zu pflügen als Pflanzenschutzmittel zu spritzen, so dass mancher Kollege auch aus wirtschaftlichen Erwägungen zur Spritze greife. „Glyphosat ist eigentlich viel zu preiswert und man schafft damit einfach mehr. Aber ich glaube, längerfristig bringt uns das nicht nach vorne.“

Technische Betriebe verzichten ebenfalls

Die Technischen Betriebe Velbert (TBV) nutzen Glyphosat ebenfalls nicht. „In der Grünflächenpflege haben wir es noch nie eingesetzt, sondern nur bei gefährlichen Pflanzen wie etwa dem Bärenklau“, erläutert der Geschäftsbereichsleiter Grün, Tobias Schiffer. Letzteren habe man aber schon vor vielen Jahren aus der Stadt vertrieben. „Ich bin jetzt seit zwölf Jahren hier – und in diesem Zeitraum haben wir das Mittel nicht einmal eingesetzt.“

<<< „WAHRSCHEINLICH KREBSERREGEND“

Der Unkrautvernichter Glyphosat wurde von der Weltgesundheitsagentur als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte im November im Alleingang seine Zustimmung zur Lizenzverlängerung für den Unkrautvernichter Glyphosat auf EU-Ebene gegeben und damit viel Kritik geerntet. Die EU hat die Entscheidung über eine weitere Zulassung vertagt.

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