Wirtschaft

Azubis lassen sich von Koch-Shows blenden

Schöne bunte Fernseh-Welt: TV-Koch Horst Lichter, die Schauspielerin Sonja Kirchberger, Rennfahrer Hans Joachim Stuck und TV-Koch Johann Lafer brutzeln und köcheln für Zuschauer.

Schöne bunte Fernseh-Welt: TV-Koch Horst Lichter, die Schauspielerin Sonja Kirchberger, Rennfahrer Hans Joachim Stuck und TV-Koch Johann Lafer brutzeln und köcheln für Zuschauer.

Foto: imago stock&people

Neviges.   Im Gastronomie-Bereich brechen mehr Auszubildende ihre Lehre ab als in anderen Berufen. Die Branche vermutet: Koch-Shows blenden Neulinge.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Egal auf welchem Sender, zu welcher Uhrzeit: Wer sich durch das Fernsehprogramm zappt, landet irgendwann unweigerlich in einer Koch-Show. Da brutzeln Schauspieler mit- oder im Wettbewerb auch mal gegeneinander, zaubern Sterneköche im Handumdrehen die tollsten Gerichte. Und gaukeln eine Welt vor, die es so nicht gibt. Im Bereich Gastronomie brechen mehr Auszubildende ihre Lehrzeit ab als in anderen Berufen. Was unter anderem, so die Experten, an jenen Shows liegt.

„Viele Leute bekommen eine falsche Vorstellung“

„Viele Leute bekommen da eine falsche Vorstellung. Ob Wochenende, Feiertage, wir sind immer für die Gäste da“, sagt Walter Stemberg, Senior-Chef des gleichnamigen Sterne-Restaurants und seit 40 Jahren im Prüfungsausschuss der IHK für den Bereich Gastronomieberufe. „Wir hatten noch keinen Abbrecher. Aber wir nehmen auch niemanden, der bei uns kein Praktikum gemacht hat.“ Sein Kollege Frank Wiehoff, Inhaber der „Kleinen Schweiz“ ist seit 1989 im Prüfungsausschuss der IHK und bestätigt: „Die Leute haben manchmal falsche Erwartungen.“

Abbrecher-Quote höher als in anderen Gewerken

Im Kammerbezirk der IHK Düsseldorf, zu dem neben der Landeshauptstadt auch der Kreis Mettmann zählt, haben 251 von 1161 Auszubildenden in der Gastronomie das Handtuch geworfen, das sind 21,6 Prozent. Und damit deutlich mehr als in anderen Gewerken. Insgesamt beträgt die Abbrecherquote, was alle Ausbildungszweige betrifft, 12,6 Prozent.

Der Stress in der Küche wird unterschätzt

„Im Gaststättenbereich gab es schon immer eine etwas höhere Abbrecher-Quote. Man darf nicht vergessen, gerade in der Küche ist es stressig. Es soll alles von hoher Qualität sein, alles gleichzeitig auf den Tisch kommen. Da herrscht in der Küche schon mal ein härterer Ton“, sagt Clemens Urbanek, Geschäftsführer Berufsbildung und Prüfungen bei der IHK Düsseldorf.

Zahl der Interessenten stieg mit dem Start der Shows

Auch er bestätigt: „Die Zahl der Interessenten ist angestiegen mit den Koch-Shows, da gibt es schon eine zeitliche Koexidenz. Viele denken, das ist hip, das will ich machen. Und scheitern dann an der Realität.“ Das „KAoK“ Prinzip, „Kein Abschluss ohne Anschluss“ soll Abbrüche vermeiden. Dazu gehören diverse Praktika nach der achten und vor allem neunten Klasse.

Gewerkschaft sieht auch Ausbilder in der Pflicht

Torsten Gebehart, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Region Düsseldorf-Wuppertal, sieht auch die Ausbilder in der Pflicht.

„Es gibt leider noch immer einige wenige schwarze Schafe, die Ausbildung mit Ausbeutung verwechseln.“ So sei im Ausbilderrahmenplan eine Arbeitszeit von acht Stunden und nicht mehr vorgeschrieben. Es gäbe aber nach wie vor Betriebe, die einen 12 bis 14-Stunden Einsatz forderten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben