Serie: Am Büdchen

Ausflug von Thomas Brügger aus Neviges in Selbstständigkeit

Mina, Mia und Lisa haben sich was am Büdchen gekauft. Im Kiosk am Busbahnhof in Neviges verkauft heute Silke Küsters.

Foto: Funke Foto Services

Mina, Mia und Lisa haben sich was am Büdchen gekauft. Im Kiosk am Busbahnhof in Neviges verkauft heute Silke Küsters. Foto: Funke Foto Services

Neviges.   Thomas Brügger fand eine berufliche Herausforderung als Betreiber eines Kiosk. Doch die erwarteten Umsätze blieben letztlich aus.

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Es ist 17 Uhr, Thomas Brügger kommt gerade von der Arbeit und betritt den Kiosk am Nevigeser Busbahnhof durch den Seiteneingang. Er wird nun den Rest des Tages hinter der Kiosktheke stehen. Brügger ist Dachdecker und seit Ende letzten Jahres auch Inhaber des Kiosks. „Der Kiosk hier sollte mein zweites Standbein werden“, erklärt er seinen Schritt in die Selbstständigkeit.

Grundlegend renoviert

Knapp 15 Jahre wurde der Kiosk von seinem Vorgänger betrieben, stand dann drei Monate leer, bis Thomas Brügger ihn vollständig renovierte: „ Wir haben hier alles neu gemacht: Leitungen verlegt, alles renoviert und neue Regale eingebaut.“ Neue Ware sollte möglichst viel neue Kundschaft locken. Nach einiger Zeit muss Brügger feststellen: „Meine Erwartungen erfüllen sich nicht. Der Laden läuft nicht so locker nebenher wie ich dachte“.

Nach einer Acht-Stunden-Schicht als Dachdecker noch den Abend mit Verkauf, Bestellungen und Buchhaltung zu verbringen, sei anstrengend und lohne außerdem kaum: „Das sind ja alles nur Pfennigbeträge, die hier über die Theke gehen.“

Außerdem sei die Steuerlast für ihn als Selbstständiger zu hoch. Nach Meinung von Thomas Brügger sollte der Staat mehr Freiraum lassen und gerade jene steuerlich entlasten, die Arbeitsplätze schaffen. Im März dieses Jahres entschied Thomas Brügger sich schließlich dazu, den Kiosk wieder aufzugeben. Hierzu schaltete er eine Anzeige bei einem Online-Marktplatz. Daraufhin meldete sich zwar kein ernstzunehmender Interessent, dafür aber eine Boulevard-Zeitung. „Die fanden das witzig, dass ein Dachdecker einen Kiosk im Internet verkaufen möchte“, sagt Brügger. Das Blatt berichtete über Brüggers Versuch als Kleinunternehmer. In der Folge wurde der kleine Kiosk zwar bekannt, aber einen Nachfolger für Thomas Brügger gibt es immer noch nicht.

Sein Mietvertrag läuft zum 1. Juni aus, dann wird der Kiosk vorerst geschlossen sein. Silke Küsters wird bis dahin weiterhin meist vormittags hier arbeiten. Sie kennt alle treuen Stammkunden aus der umliegenden Nachbarschaft: „ Die gehören hier zum Inventar“ sagt sie. Dass die Bude bald geschlossen sein wird, finden vor allem die täglich auflaufenden Gäste schade. „Wir haben uns alle gefreut, dass hier wieder eröffnet wurde und es einen Treffpunkt gab“, berichtet Sonja. Hier sei es immer lustig – ohne Bude sehe man sich seltener. „Und meine Schokolade muss ich auch woanders kaufen“, klagt sie. Michael Amende bezeichnet die Schließung kurzerhand als „Driss“ und Verlust für Neviges: „Als ich vor 33 Jahren hergezogen bin, da gab es den Kiosk schon ein paar Jahre, der gehört hier hin.“ Trotzdem wird Thomas Brügger zum 1. Juni den Kiosk aufgeben. „Und alles, was wir bis dahin an Süßigkeiten nicht verkauft haben, essen wir selbst auf“, sagt er grinsend.

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