Serie „Am Büdchen“

Auf einen Kaffee bei Mehmet Uzer in seinem Velberter Kiosk

Süßigkeiten in gemischten Tüten werden nicht nur von Kindern gekauft, sondern laut Mehmet Uzers auch oft von erwachsenen Kunden gewünscht.

Foto: Funke Foto Services

Süßigkeiten in gemischten Tüten werden nicht nur von Kindern gekauft, sondern laut Mehmet Uzers auch oft von erwachsenen Kunden gewünscht. Foto: Funke Foto Services

Velbert.   Ob vor der Arbeit, zum Feierabend oder am Wochenende: Das Büdchen an der Berliner Straße ist durch die Gemeinschaft der Anwohner geprägt.

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Das Telefon klingelt, eine Nachbarin fragt, ob ihr Paket angekommen sei. Sie kommt „eben runter“, um es abzuholen. „Eine Postfiliale vor der Haustür“, bringt sie es auf den Punkt. Auch internationale Geldtransfers kann man bei Mehmet Uzer abwickeln lassen. Er betreibt den Kiosk an der Berliner Straße seit zehn Jahren. Obwohl er einen Mitarbeiter hat, steht er täglich zehn bis elf Stunden selbst hinter der Theke.

Uzer hat das Gefühl, seine Kunden kommen gern zu ihm, auch deshalb mag er seine Arbeit. Er ist gern unter Menschen, vor allem unter vertrauten. Der Großteil seiner Kundschaft besteht aus Anwohnern, er selbst wohnt auch hier. Die meisten Stammkunden kennt er „in- und auswendig“. Wenn aber doch einmal neue Geschichten und Anekdoten preisgegeben werden, stellt er sich gern dazu. So erfährt er auch Tagesaktuelles schon morgens von den Kaffeetrinkern an seiner Bude. Einer von ihnen ist Bülent Kaya: „Wenn ich hier morgens meinen Kaffee trinke, stehe ich hier eigentlich nie allein, ich treffe immer einen Freund.“ Die meisten kenne man eh aus der Nachbarschaft. Auch viele Hundebesitzer kommen auf ihrem Spaziergang vorbei, für sie hat der Kioskbesitzer einen Wassernapf und sogar Leckerchen da.

Früher kamen viele Alkoholiker. Das war Uzer gar nicht recht und er beschloss, vormittags kein Bier mehr auszuschenken. „Sie reden zu viel Müll. Und sie belästigen meine Gäste, die in Ruhe Feierabend haben möchten.“ Dazur bietet sich im angeschlossenen separaten Raum Gelegenheit. Uzer hat eine Schankerlaubnis, so wird der separate Raum nicht nur nach Feierabend zum Nachbarschaftstreffen, sondern vor allem am Wochenenden zur Kneipe um die Ecke.

Steigender Tabakkonsum

Sein Hauptgeschäft macht der Büdchen-Betreiber aber mit dem Zigarettenverkauf. Er habe das Gefühl, dass der Tabakkonsum zu- anstatt abnimmt. Viele kommen jeden Tag, um eine Packung zu kaufen, „würden sie Schachteln auf Vorrat kaufen, würden sie mehr rauchen.“. Außerdem können sie hier immer ein paar Worte wechseln. „So viele leben in Deutschland allein, die freuen sich, wenn sie hier jemanden treffen, um sich auszutauschen“ so Uzer.

Aus seiner Heimat, der Türkei, kennt er Kioske nicht. Aber in seiner Kindheit in Deutschland ist er oft nach der Schule zum Büdchen gegangen, um eine gemischte Tüte zu kaufen. Auch Elias (neun Jahre) kommt gerade vorbei und schaut durch die Scheiben, ob er Lust auf etwas Süßes hat. Aber nicht nur Kinder schielen nach den Weingummi- und Bonbonschalen, stellt Uzer klar: „Das kaufen mindestens genauso viele Erwachsene.“

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