Prozess

Audio-Mitschnitt der Aussage des Opfers abgespielt

Der 22-jährige Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Wuppertal verantworten.

Der 22-jährige Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Wuppertal verantworten.

Foto: Oliver Berg / dpa

Velbert/ Hattingen/ Wuppertal.  Im Prozess um die mutmaßliche Entführung eines Zehnjährigen haben die Richter Mitschnitte der Aussage des Opfers abgespielt.

Die Vorstellung von dem möglichen Geschehen ist unglaublich, dem 22 Jahre alten Angeklagten seien die Anklagepunkte nicht zuzutrauen. So äußerten sich Zeugen im Prozess um die mutmaßliche Entführung eines damals zehn Jahre alten Schülers aus Langenberg am 22. Februar 2019.

Vor dem Landgericht Wuppertal muss sich ein angehender Student aus der Innenstadt verantworten: Er soll vorgehabt haben, das Kind sexuell zu missbrauchen. Was danach hätte geschehen sollen, lässt die Staatsanwaltschaft offen. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Aussage des Jungen mit leiser Stimme

Am Donnerstag (7. November 2019) spielten die Richter den Mitschnitt einer Aussage des Jungen vor der Polizei öffentlich vor. Er gab den Beamten mit leiser Stimme Auskunft über die Fahrt mit dem fremden Mann in dessen Auto. Fast wortlos sei das alles abgelaufen. Mehrfach verzeichnet das schriftliche Protokoll der Ermittler nur ein stummes Kopfschütteln oder Nicken als Antwort.

Laut Anklage war der 22-Jährige am Tattag, einem Freitag, mit einem geliehenen Kleinwagen unterwegs. Er habe den völlig fremden Schüler gegen 7.30 Uhr an der Hauptstraße in Langenberg gesehen und angehalten. Der Zehnjährige war im Dunkeln mit einem Roller auf dem Schulweg. Der Mann habe sich mit falschem Vornamen vorgestellt und den Zehnjährigen aufgefordert, einzusteigen – was der auch tat. Fazit des vorsitzenden Richters: „Es ist der Albtraum aller Eltern.“

Ermittler werteten Handy und Computer aus

Auf die schweren Vorwürfe kamen die Ermittler, nachdem sie Handy und Computer des Mannes untersucht hatten: Er soll über Wochen und Monate nach Berichten über Verbrechen gesucht haben. Die Sucheingaben: „Kind entführt“, „Kind in Wald entführt“, „Kindesmissbrauch“, „Kind getötet“. Dem Angeklagten zufolge fragte er bei seiner Fahrt nach dem Weg, weil er sich in der Schule um ein Praktikum bewerben wollte und den Weg nur grob kannte. Der Junge habe ihm helfen wollen.

Die Fahrt endete weit ab von der Schule des Zehnjährigen, am Wodantal, nach einem leichten Verkehrsunfall: Der 22-Jährige soll in eine Böschung gefahren sein. Er ließ den Jungen laufen und der gelangte zu seiner Schule. Der Angeklagte sagt, er habe sich verfahren gehabt.

Angeklagter wollte nach Venlo fahren

Laut Zeugen hatte der Mann vor, an dem Tag mit zwei Freunden nach Venlo zu fahren. Einen holte er in Langenberg ab. Der Andere habe in der Innenstadt auf einem Parkplatz gewartet. Als der Angeklagte dort erschien, habe er angegeben, einen Unfall gehabt zu haben: „Er hat gesagt: Es war glatt und er sei in ein Gebüsch gefahren.“

Dass während dessen ein fremdes Kind in seinem Auto war – kein Wort dazu. Die drei Männer sollen einen ruhigen Tag in Holland verlebt haben. Das Auto ging am Abend an den Vermieter am Rand der Innenstadt zurück. Der 22-Jährige hatte dort seine vollen Personalien angegeben. „Es ist unglaublich“, sagt einer der Freunde. Alle drei sollen wenige Tage später sogar noch mit einem Auto längere Zeit auf dem Parkplatz am S-Bahnhof in Langenberg verbracht haben. Der 22-Jährige sei sehr verlässlich und „immer gut drauf“.

Das Gericht will am 25. November weiter verhandeln und voraussichtlich am selben Tag sein Urteil sprechen.

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