Arbeitswelt

Auch in Velberter Firmen werden Leiharbeiter abgezockt

Zu Hakan Civelek von der IG Metall kommen immer wieder Leiharbeiter, die sich über ihre Arbeitsbedingungen beklagen.

Zu Hakan Civelek von der IG Metall kommen immer wieder Leiharbeiter, die sich über ihre Arbeitsbedingungen beklagen.

Foto: Thomas Range

Velbert.   Für Hakan Civelek, Geschäftsführer der IG Metall Velbert, gibt es unter den Leiharbeitsfirmen viele schwarze Schafe. Das ZDF hat bei ihm gedreht.

„Es gibt nicht nur schwarze Schafe, es sind ganze Schafherden.“ Hakan Civelek spricht von Leiharbeitsunternehmen, die die Rechte ihrer Arbeitnehmer mit Füßen treten. Fast alle Firmen in Velbert beschäftigten Leiharbeiter, sagt der Geschäftsführer der IG Metall Velbert: „In vielen Fällen werden die Arbeitnehmer abgezockt.“ Das ZDF widmet der Leiharbeit jetzt eine Dokumentation, Hakan Civelek berichtet dort über seine Erfahrungen im Niederbergischen mit der Leiharbeit.

Leiharbeit ist kein Randphänomen in der Arbeitswelt. In ganz Deutschland gebe es rund eine Millionen Zeitarbeiter und allein im Bezirk der IHK Düsseldorf seien rund 200 Zeitarbeitsunternehmen registriert, sagt Hakan Civelek. Sie verleihen Arbeitnehmer an andere Firmen. Ursprünglich war Leiharbeit ein Instrument, um die Produktion in Zeiten von Auftragsspitzen bewältigen zu können. „Heute dient sie eher dem Lohndumping“, so der Gewerkschaftsmann. Statt die Produktion ins Ausland zu verlagern, versuche man nun vor Ort zu Dumpinglöhnen zu produzieren.

Mindestlohn gilt auch für Leiharbeiter

Natürlich gebe es klare Regeln und Gesetze für die Leiharbeit. Doch es hapere mit der Überwachung. So gibt es bundesweit nur 85 Planstellen bei der Bundesagentur für Arbeit für die Kontrolle der Firmen, hat das ZDF in seinem Beitrag herausgefunden. Auf einen Prüfer entfielen 615 Firmen. Aber auch die Unternehmen sind kreativ, wenn es darum geht, Regeln zu umgehen. So gilt natürlich auch für Leiharbeiter der Mindestlohn von 9,19 Euro – damit ist der Leiharbeiter deutlich billiger als ein Tarifbeschäftigter in der Metall- und Elektroindustrie.

„Doch dann behauptet der Unternehmer beispielsweise, dass die Beschäftigten zuviel Ausschuss produziert haben und deshalb die Schicht um zwei Stunden verlängern müssen, ohne dafür Geld zu bekommen“, berichtet Hakan Civelek. Dann sinkt natürlich der Stundenlohn.

Civelek: Sicherheitsbestimmungen werden missachtet

Es würde auch an Sicherheitsbestimmungen gespart. „Bei uns waren Schleifer, die in einem Kellerraum ohne Abzug arbeiten mussten, ohne Handschuhe und Mundschutz. Das war dem Unternehmer zu teuer“, sagt der Gewerkschaftsfunktionär. Oft würde der Lohn auch einfach nicht im vollen Umfang ausgezahlt. „Wenn man dagegen klagt, muss der Leiharbeitgeber zwar mit vier Prozent Jahreszinsen das ausstehende Geld zahlen. Aber eine Strafe bekommt er nicht, selbst dann nicht, wenn er diese Masche mehrfach durchzieht“, so Hakan Civelek.

Mehrjährige Probezeit für Arbeitnehmer

Aufzumucken wagten die Arbeiter nicht, denn dann würden sie von dem Unternehmen, das sie bei der Leihfirma „gebucht“ habe, vor die Tür gesetzt. Viele Arbeitnehmer hofften darauf, dass sie von dem Unternehmen dauerhaft eingestellt würden. Das klappe auch, aber vielfach würden die Leiharbeiter auch deutlich länger als die erlaubten 18 Monate bei ein und derselben Firma beschäftigt. Wenn sie schließlich wirklich eingestellt würden, dann oft auch nur befristet auf ein Jahr. „So haben diese Arbeitnehmer quasi eine mehrjährige Probezeit, in der sie in der Hoffnung auf Festanstellung einiges zu ertragen bereit sind“, so der Gewerkschaftsfunktionär.

Viele Betriebe in der Region sind ohne Betriebsrat

Ein Ausweg für ihn sind mehr Kontrollen. Und die könnten am besten Betriebsräte leisten, sie sorgten dafür, dass die Gesetze und Vorschriften in ihren Betrieben eingehalten würden. Hier aber hapere es. Im Zuständigkeitsbereich der IG Metall Velbert haben von rund 600 Betrieben 500 keinen Betriebsrat. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz haben in Deutschland Arbeitnehmer eines privaten Betriebs mit mindestens fünf Beschäftigten grundsätzlich das Recht, einen Betriebsrat zu gründen. „Wer das behindert, sollte stärker bestraft werden“, fordert der Gewerkschafter.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Leiharbeiter zurückgegangen. „Dies lag aber allein an der guten Konjunktur, da hatten die Leihfirmen Probleme an Personal zu kommen. Da wurden sogar Prämien für neue Mitarbeiter gezahlt, berichtet der IG Metaller.

>>SENDUNG WIRD NÄCHSTE WOCHE GEZEIGT

  • Das ZDF zeigt den Beitrag „Die dunkle Seite der Zeitarbeit“ am kommenden Mittwoch um 22.45 Uhr in der Reihe ZDFZoom. Autor ist unter anderem Bernd Weisener, ein ehemaliger Velberter und WAZ-Autor.

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