Mindestlohn

Auch in Velbert kämpfen die Friseure ums Überleben

Friseurmeister Jörg Marwinske bei der Arbeit. Doch der Mindestlohn sei nur ein Grund, warum Friseure kämpfen müssten. Auch hohe Sicherheitsauflagen bringen eine Menge Kosten mit sich.

Friseurmeister Jörg Marwinske bei der Arbeit. Doch der Mindestlohn sei nur ein Grund, warum Friseure kämpfen müssten. Auch hohe Sicherheitsauflagen bringen eine Menge Kosten mit sich.

Foto: WAZ FotoPool

Velbert.   Seit dem 1. August 2013 gilt für Friseure ein Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde, der bis 2015 Schritt für Schritt auf 8,50 Euro angehoben wird. Für viele kleine Salons ist das ein Problem, müssen auch noch andere Auflagen erfüllt werden. Daher setzen die Friseure in Velbert auf Qualität und ein vielfältiges Angebot.

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Wer in Velbert auf der Suche nach einem Friseur ist, muss nicht lange suchen. Beinahe an jeder Ecke finden sich Haarschneide-Geschäfte. Der hohen Ladendichte geschuldet liefern sie sich oft schon auf ihren Werbetafeln erbitterte Preiskämpfe um die Kundschaft. Angebote wie „Herrenhaarschnitt: 10 Euro“ oder „Foliensträhnchen ab 25 Euro“ sollen die Kundschaft ins Geschäft locken. Leidtragende dieser schwierigen Situation sind nicht nur die Inhaber, sonder oft genug auch die Mitarbeiter. Seit dem 1. August 2013 gilt für sie (seit 1. November 2013 auch allgemeinverbindlich) ein Mindestlohntarifvertrag, der den Friseuren seit dem 1. August 2013 7,50 Euro, ein Jahr später 8 Euro und ab dem 1. August 2015 8,50 Euro zusichert. Für die ohne Frage hart arbeitenden Mitarbeiter ist das positiv, für viele Inhaber ein weiterer Rückschritt im Kampf um ihre Existenz. „Das können sich eigentlich nur richtig gut gehenden Läden oder Ketten leisten“, glaubt beispielsweise Sevgi Ünsal. Nicht ohne Grund steht die Inhaberin von Merilay während der gesamten Öffnungszeit selbst in ihrem Geschäft. „Man muss versuchen, über die Menge zu gehen, wenn man wirtschaftlich bleiben will“, weiß sie. Genauso wichtig für den Erfolg hält sie aber Faktoren wie Qualität und Kundenfreundlichkeit. „Es läuft viel über Mundpropaganda.“

Entscheidend ist oft der Preis

Natürlich sei aber auch der Preis entscheidend: „Zumindest in Velbert ist es wichtig, günstig zu sein.“ Auch versucht sie, über verschiedene Zusatzangebote mehr zu erwirtschaften: „Wir machen Hochsteckfrisuren, bieten Nagelmodellage an und verkaufen seit neuestem auch modische Accessoires wie Handtaschen.“

Dass die Geschäfte schwerer werden, merkt auch Jörg Marwinske, den es ärgert, dass jetzt alle nur auf die 8,50 Euro schielen: „Es gibt viele Frisörangestellte, die keine Mittagspause kriegen, rechnen sie das mal zusammen. So wird das wieder reingeholt“, so der Inhaber von „Art4Hair“. Eine Rolle spielten aber auch die hohen Sicherheitsauflagen, die das Gewerbe erfüllen müsse. Allein die Qualität, die der Fußboden im Nassbereich haben muss, sei sehr teuer. „Ich kenne Kollegen, die mittlerweile jede zweite Röhre in ihrem Geschäft rausdrehen, um zu sparen.“ Sein Konzept setzt dagegen auf Qualität. „Viele Lehrlinge lernen heute gar nicht mehr mit Kamm und Schere zu schneiden, sondern nur schnell mit der Maschine.“ Seine Mitarbeiter, samt der zwei Lehrlinge, „bleiben am Ball“, besuchen Weiterbildungen und lernen auch das Hochstecken von Haaren. Darüber hinaus setzt er auf Vielfalt: „Zum Haarefärben bieten wir eine große Farbpalette an.“

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