Prozess

Attacken auf Nevigeser Straßen: Angeklagter gibt alles zu

Der 30-jährige Mann muss sich für seine Taten vorm dem Wuppertaler Landgericht verantworten.

Der 30-jährige Mann muss sich für seine Taten vorm dem Wuppertaler Landgericht verantworten.

Foto: David Ebener / dpa

Velbert-Neviges.  Die Opfer des 30-Jährigen erlitten zum Teil schwere Verletzungen und mussten operiert werden. Der Mann leidet an einer psychischen Krankheit.

Die Serie schwerer Angriffe auf offener Straße hatte Neviges erschüttert. Für die Opfer sollen die Attacken völlig unerwartet gekommen sein. Für die Taten vom Winter 2019 steht seit Montag (21. Oktober) ein 30 Jahre alter Mann aus Neviges vor dem Landgericht Wuppertal. Laut vorläufigem Gutachten eines Psychiaters ist der Mann krank und war während der Übergriffe schuldunfähig.

Der gelernte Facharbeiter zeigte sich im Gericht betroffen: „Es tut mir alles schrecklich Leid. Ich will nicht, dass ich jemanden verletze.“ Die Richter müssen das Geschehen aufklären und über eine mögliche, dauerhafte Einweisung in eine geschlossene Klinik entscheiden.

Eine völlig unbekannte Frau angegriffen

Laut Staatsanwaltschaft griff der Mann am 24. Februar 2019 eine ihm völlig unbekannte Frau (52) an, die gegen 21 Uhr die Nevigeser Fußgängerzone durchquerte. Er habe auf einer Bank gesessen und einen kleinen Hund bei sich gehabt. Die Frau habe das Tier streicheln wollen. Der Mann habe die Frau zu Fall gebracht. Dann habe er ihr gegen den Kopf getreten. Sie soll kurz bewusstlos auf dem Boden gelegen haben. Der 30-Jährige floh.

Den Richtern erklärte er: „Ich war im Wahn. Ich habe sie für den Tod gehalten.“ Er habe nach der Tat sogar gedacht, dass nun niemand mehr sterben müsse, weil er sie besiegt habe.

Das Profil des Wanderschuhs vor Augen

Die 52-Jährige Verletzte ließ sich von ihrem Anwalt in den Zeugenstand begleiten und berichtete, sie wisse gar nicht mehr, was der 30-Jährige gesagt habe: „Auf einmal hatte ich das Profil von seinem Wanderschuh und den Dreck vor Augen. Das werde ich nie vergessen.“ Die Frau hatte sich nach der Attacke zunächst nicht ins Krankenhaus bringen lassen.

Am Folgetag meldete sie sich doch in einer Notaufnahme. Die Ärzte stellten einen Kieferhöhlenbruch fest und diverse schwere Verletzungen, zusätzlich zu einem völlig zugeschwollenen Auge. Die 52-Jährige sagte aus, Schmerzen und Angst seien noch nicht überwunden. Ihr stünden voraussichtlich noch Operationen bevor.

Faustschlag gegen älteren Mann

Drei Tage nach dem ersten Überfall soll es am Schloss Hardenberg zu weiteren Attacken des 30-Jährigen gekommen sein. Ein Besucher habe einen Faustschlag erhalten. Die Angaben des Beschuldigten dazu: „Ich habe gedacht: Da ist ein älterer Mann, das ist bestimmt ein Pädophiler.“ Vor dem Schlag habe er noch „telepathisch“ Kontakt zu seinem Opfer aufgenommen. Allerdings verhinderte es die Tat nicht. Auch hier floh der 30-Jährige.

Apothekerin attackiert

Grade mal eine halbe Stunde später traf er erneut auf zwei Personen - eine davon eine Apothekerin, deren Kunde er gewesen sei, die er aber nicht erkannt habe. Diese Frau soll durch einen Ellenbogenstoß einen Jochbeinbruch erlitten haben. Anfang April nahmen die Behörden den 30-Jährigen fest und brachten ihn vorläufig in eine Klinik. Der Mann bestätigte den Richtern: „Das war im wesentlichen so.“

Die Medikamente abgesetzt

Medikamente für seine Erkrankung habe er ein halbes Jahr vor den Taten abgesetzt, wegen der Nebenwirkungen: „Ich war die ganze Zeit im Wahn. Meine Familie hat ein Martyrium durchgemacht.“ Erst jetzt in der Klinik, unter zwangsweiser Medikation, habe er seine Krankheit eingesehen. Das Gericht will Mittwoch (23. Oktober 2019) weiter verhandeln.

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