Velbert. Die Velberter Firma stellt im Frühjahr ihren Betrieb ein. Was die Gewerkschaft den Gesellschaftern vorwirft und wie der Betriebsrat reagiert.

Schlechter Start ins neue Jahr für die Velberter Wirtschaft: Nachdem bei Powercast Orthmann in Velbert bereits im November Entlassungen vorgenommen wurden, soll nun die Zinkdruckgussgießerei Power-Cast Drumeta komplett geschlossen werden. Die Firma stellt Ende April endgültig ihre Produktion ein. Knapp 140 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz.

Velberter Unternehmen wurde 2016 aufgekauft

2016 wurde das Traditionsunternehmen Drumeta von der Power-Cast Gruppe gekauft. Die Kopf Holding ist alleiniger Gesellschafter der Power-Cast Drumeta. Die IG Metall macht dem Gesellschafter schwere Vorwürfe: „Seitdem die finanziell starke Kopf-Gruppe die Drumeta übernommen hat, wurde kaum in das Unternehmen strategisch investiert. Der Zinkdruckgussmarkt ist stark wettbewerblich organisiert. Wer überleben will, muss kontinuierlich investieren. Das ist viel zu wenig geschehen. Aufgrund dieser unternehmerischen Verantwortungslosigkeit verlieren nun 140 Familien ihre Existenzgrundlage. Dieses Ende war absolut vermeidbar“, sagt der Geschäftsführer der IG Metall Velbert Hakan Civelek. „Die hohen Energiepreise, die Inflation und das schwierige Marktumfeld haben das Unternehmen sicherlich geschwächt. Ein gesundes und modernes Unternehmen hätte diese Krise allerdings überstanden. Auch jetzt gäbe es Alternativen zur Schließung, die sich betriebswirtschaftlich rechnen würden“, sagt Civelek.

Lange Verhandlungen gingen voraus

Seit Oktober verhandeln Arbeitgeber, Betriebsrat und IG Metall nach Darstellung der Gewerkschaft über die Zukunft des Standortes. Gewerkschaft und Betriebsrat hätten ein Wirtschaftsberatungsunternehmen beauftragt, Alternativen zur Schließung zu prüfen. Die Kopf-Gruppe hat in Velbert mit Power-Cast Orthmann und Drumeta zwei Unternehmen in unmittelbarer Nähe, die sehr Ähnliches produzieren, bisher aber organisatorisch streng voneinander getrennt sind. Das Ergebnis der Überprüfung ist, dass durch eine enge Kooperation beider Unternehmen Synergien genutzt werden können, um anschließend wieder profitabel wirtschaften zu können.

Mitarbeiter sind bestürzt: „Wir verlieren unsere Existenzgrundlage“.
Mitarbeiter sind bestürzt: „Wir verlieren unsere Existenzgrundlage“. © FUNKE Foto Services | Christof Köpsel

Gewerkschaft: Gewinne wären möglich gewesen

„Beide Unternehmen sind für sich genommen zu klein, um auch weiterhin anspruchsvolle Zinkdruckgussteile wettbewerbsfähig produzieren zu können. Wir haben eine ganze Reihe umsetzungsreifer Maßnahmen vorgelegt. Allein die kurzfristigen, direkt wirkenden Maßnahmen hätten das Ergebnis der Power-Cast Drumeta um knapp 3,9 Millionen pro Jahr verbessert. Nach unseren Vorschlägen könnte das Unternehmen je nach Maßnahmenpaket zwischen 4,9 Prozent und 6,7 Prozent Gewinn erwirtschaften“, sagt der zuständige Gewerkschaftssekretär Daniel Ullsperger. „Der Arbeitgeber hat unsere Vorschläge ohne inhaltliche Begründung abgelehnt. Die Kopf-Gruppe verschenkt insgesamt sicher einen zweistelligen Millionenbetrag und handelt wirtschaftlich irrational. Die Schließung ist Unsinn“, sagt Ullsperger.

Die Beschäftigten sind fassungslos

Auch der Betriebsrat und die Beschäftigten sind fassungslos. „Es ist einfach unglaublich. Wir haben tragfähige Lösungen entwickelt und der Arbeitgeber hört uns nicht einmal richtig zu. Es gibt keinen vernünftigen Grund, unsere Vorschläge abzulehnen. Jetzt sollen wohl Teile unserer Aufträge in Tschechien produziert werden – das wird aber sicher schiefgehen. Aber wir verlieren unsere Existenzgrundlage. Die Kopf-Gruppe handelt absolut unsozial“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Regina Berndt.

Das Unternehmen bezog auf WAZ-Nachfrage bis zum Redaktionsschluss keine Stellung.