Prozess

35-jähriger Drogenkurier aus Velbert soll ins Gefängnis

Nicht nur erhöhte die Landrichterin die Strafe für den Velberter – nein, sie rügte auch das Amtsgericht Velbert für die zu milde Strafe für den Angeklagten.

Nicht nur erhöhte die Landrichterin die Strafe für den Velberter – nein, sie rügte auch das Amtsgericht Velbert für die zu milde Strafe für den Angeklagten.

Foto: Michael Kleinrensing

Wuppertal.   Ein Velberter hat Marihuana transportiert. Das Amtsgericht verurteilte ihn dafür zu einer Geldstrafe. Das Landgericht hingegen erhöhte die Strafe

Klare Abfuhr für einen 35 Jahre alten Angeklagten aus Velbert in seinem Berufungsprozess. Das Landgericht in Wuppertal verurteilte den Facharbeiter und Familienvater wegen einer Drogen-Kurierfahrt für einen Marihuana-Händler. Zusammen mit früheren Verurteilungen kommt der Velberter auf zwei Jahre und drei Monate Gefängnis – Bewährung ausgeschlossen.

Deutliche Worte für das Amtsgericht Velbert

Deutliche Worte fanden die Richter zugleich für das Amtsgericht an der Nedderstraße. Das hatte den 35-Jährigen nur zu einer Geldstrafe verurteilt und angeführt: Er habe sich von den Drogen abgewandt und nehme seine Verantwortung als Vater ernst. Die Staatsanwaltschaft hatte das Urteil angegriffen. Landrichterin Andrea Vosteen stimmte zu und stellte fest: „Alles was da strafmildernd angeführt wurde darf man als neben der Sache bezeichnen. Das Amtsgericht hat sich offensichtlich täuschen lassen.“ Laut abgehörten Telefonaten habe der Angeklagte Zubehör für eine Marihuana-Plantage noch während eines laufenden Prozesses bei einem mutmaßlichen Komplizen versteckt.

200 Gramm Marihuana transportiert

Laut Urteil transportierte der 35-Jährige im Herbst 2015 eine Lieferung von 200 Gramm Marihuana aus Düsseldorf zu einem weiteren Komplizen im Ruhrgebiet. Dieser Mann verbüßt bereits mehr als fünf Jahre Haft und sitzt in einer Entziehungsanstalt. Bei der Polizei soll er schon 2016 umfangreiche Geschäfte gestanden haben.

Im Landgericht hingegen erklärte der Verurteilte: „Das ist jetzt mein 33. Zeugentermin. Ich kann mich nicht mehr erinnern.“ Den Velberter kenne er vom Angeln. Die vorsitzende Richterin fragte im trockenen Ton nach: „Gab es da nicht noch andere Berührungspunkte?“ Marihuana etwa.

Frühere Aussagen des Zeugen klangen anders

Bei früheren Aussagen soll der Zeuge erklärt haben, der Angeklagte habe sich hervorragend mit Plantagen ausgekannt und ihn beraten. Der Velberter habe auch den Kontakt zum Lieferanten in Düsseldorf vermittelt. Anwältin Heike Michaelis hinterfragte die Angaben: „Stimmt das, was der Zeuge sagt? Oder hat er das damals nur ins Blaue geschwätzt?“ Womöglich habe sich der Mann Vorteile verschaffen wollen: Kaffee und Zigaretten bei der Polizei etwa. Auch eine „Schmusepause“ mit der Freundin soll bei den Vernehmungen möglich gewesen sein.

Revision gegen das Urteil ist noch möglich

Richterin Vosteen widersprach: „In der umfangreichen Aussage des Zeugen war der Angeklagte nur eine Randfigur. Es liegt fern, dass er ihm damit eins auswischen oder sich auf fremde Kosten einen Kronzeugenrabatt verdienen wollte.“

Die Strafe für die Kurierfahrt des Velberters beträgt sechs Monate. Dazu kommen aus einem früheren Prozess Strafen für sechs Geschäfte mit jeweils einem Kilogramm Marihuana. Während das Gericht sein Urteil begründete, schaute der Angeklagte sichtlich betreten auf den Tisch vor sich. Er ist vorläufig in Freiheit. Gegen das Urteil kann er Revision eingelegen.

<<<GESTÄNDNIS BRINGT MILDERE STRAFE

Ein Geständnis bringt eine mildere Strafe, das gilt per Gesetz in allen Strafverfahren.

Bei Drogenverstößen können Beschuldigte sich als Kronzeuge betätigen. Je nach den Umständen können sie ihre Strafe dadurch um Jahre verkürzen.

Bedingung ist, dass Ermittler durch die Angaben von Beschuldigten weitere Taten anderer Personen aufklären können. Das Geständnis muss dafür vor dem Gerichtsprozess erfolgen.

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