Einzelhandel

Viel Kaufkraft von Sprockhövel fließt in die Nachbarstädte

Von der Umgehungsstraße, deren Bau jetzt beginnt, erhoffen sich die Fachleute eine Belebung der Niedersprockhöveler Innenstadt und mehr Frequenz auf der Hauptstraße, hier zu sehen auf Höhe der Sparkasse.

Von der Umgehungsstraße, deren Bau jetzt beginnt, erhoffen sich die Fachleute eine Belebung der Niedersprockhöveler Innenstadt und mehr Frequenz auf der Hauptstraße, hier zu sehen auf Höhe der Sparkasse.

Foto: Blossey, Archiv

Sprockhövel.   Die Einwohner haben mehr Geld in der Tasche als die meisten EN-Bürger, berichtet die SIHK. Doch der Einzelhandel profitiert davon nur wenig.

Nach Herdecke haben die Einwohner von Sprockhövel die höchste Kaufkraft in jenen Städten des Ennepe-Ruhr-Kreises, die zum Kammerbezirk Hagen der Industrie- und Handelskammer gehören. 7874 Euro standen jedem Sprockhöveler im vergangenen Jahr durchschnittlich zur Verfügung. Andererseits liegt der Umsatz des lokalen Einzelhandels mit jeweils 4501 Euro, die die Einwohner 2018 im Ort ausgegeben haben, deutlich niedriger als in den meisten Nachbarkommunen, obwohl deren Bürger weniger Geld zur Verfügung haben.

Das Problem der zwei Zentren

Wie ist diese Diskrepanz zu erklären? Die SIHK Hagen hat in den vergangenen Jahren immer wieder Studien erstellen lassen, die unter dem Titel „Vitale Innenstädte“ die wirtschaftliche Situation in den Zentren großer wie kleiner Kommunen untersucht haben. „Scheinbar ist das ein Widerspruch“, sagt Stephanie Erben von der SIHK. „Eine Besonderheit ist jedoch, dass die Kleinstadt Sprockhövel mit Haßlinghausen und Niedersprockhövel zwei Einkaufsstandorte hat, in den Nachbarstädten dagegen konzentriert sich die Kaufkraft auf ein Zentrum“, so Erben. Ein weiterer Malus für Sprockhövel ist, dass die Stadt in ein Ballungsgebiet von Groß- und Kleinstädten eingebettet ist, die Kaufkraft absaugen. „Gleich vor den Toren von Haßlinghausen ist das Großzentrum Wuppertal, seit einigen

Jahren zudem mit dem Magneten Ikea. Das ist eine Herausforderung für eine kleine Stadt“, urteilt die SIHK-Fachfrau. So wundert es nicht, dass 88 Prozent aller Einkäufe in Sprockhövel von den eigenen Bürgern und nur zwölf Prozent von auswärtigen Besuchern gemacht werden. In Vergleichsstädten ist dieses Verhältnis fast ausgeglichen. „In den vergangenen Jahren ist in Sprockhövel auch im Hinblick auf die Einzelhandelsentwicklung nichts Wesentliches passiert, dass der Reiz für auswärtige Besucher gewachsen wäre, zum Einkaufen nach Sprockhövel zu kommen.“

Das Problem der Angebotslücken

Eine weitere Erklärung für die Abwanderung von Kaufkraft der Sprockhöveler liegt in den Angebotslücken. Die Niedersprockhöveler und mehr noch die Haßlinghauser geben in ihren Stadtteilen überdurchschnittlich viel für Lebensmittel aus, aber letztere entbehren Drogerie- und Kosmetikartikel, in Niedersprockhövel fehlt es an Bekleidungs- und Schuhgeschäften.

Haßlinghausen ist bei Büchern und Schreibwaren unterversorgt, Niedersprockhövel bei Waren für Sport und Freizeit. „Eine zusätzliche Belastung für den Einkaufsstandort Haßlinghausen stellen die vielen Baustellen dar“, führt Erben aus. Da verspüre man noch weniger Lust, zum Einkaufen in die Innenstadt zu kommen.

Hoffen auf Effekte durch die Umgehungsstraße

Sprockhövel müsse zusehen, diese Sortimentslücken zu schließen, befindet Erben. Dann bliebe mehr Kaufkraft in der Stadt. Ausdrücklich begrüßt die SIHK die geplante Umgehungsstraße L 70n, da entstehe Gestaltungspotenzial zum Verweilen in der Innenstadt.

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