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Umzug des Stadtarchivs Sprockhövel beschlossen

Archivleiterin Karin Hockamp genießt in der Stadt eine beachtliche Wertschätzung für ihre Arbeit. Nächstes Jahr geht sie in den Ruhestand.

Foto: Fischer, Archiv

Archivleiterin Karin Hockamp genießt in der Stadt eine beachtliche Wertschätzung für ihre Arbeit. Nächstes Jahr geht sie in den Ruhestand. Foto: Fischer, Archiv

Im Rat von Sprockhövel gab es eine kontroverse Diskussion: Einige SPD-Mitglieder argwöhnen „Kulturtransfer“ und stimmten gegen die Verlagerung 2018.

Der Sprockhöveler Stadtrat hat jetzt mit einigen Gegenstimmen aus der SPD und von der Linken den Umzug des Stadtarchivs nach Hattingen beschlossen. Die Entscheidung markiert den Endpunkt einer über Jahre dauernden Kontroverse, in der darum gerungen wurde, einen dauerhaften Standort für die Archivalien Sprockhövels zu finden.

Vor fünf Jahren war bereits die Verlagerung nach Hattingen diskutiert, aber einhellig von der Politik abgelehnt worden. Möglicherweise wäre das Archiv noch weitere Jahre in den Containern bei der Mathilde-Anneke-Schule geblieben, wenn die Leiterin Karin Hockamp nicht auf die zu kleinen Räume und ihre bevorstehende Pensionierung hingewiesen hätte (wir berichteten). Nach dem einstimmigen Votum im Haupt- und Finanzausschuss, das auch durch ein überzeugendes Plädoyer des Hattinger Archivleiters Thomas Weiß befördert wurde, gab es in der Ratssitzung kein einheitliches Abstimmungsbild. SPD-Ratsherr Udo Unterieser sprach für einige Parteikollegen: „Ein Stadtarchiv gehört in die Stadt, nicht in die Nachbarstadt.“ Er vertrat die Meinung, der Verbleib in Sprockhövel sei nicht engagiert angepackt worden. „Ich bin sicher, dass nicht genügend nach Alternativen zum jetzigen Standort gesucht worden ist“, so Unterieser. Ein Umzug des Archivs nach Hattingen – das bedeutet für den Glaskünstler „Kulturtransfer“. Angeli Bülow, Personalchefin der Stadt, versicherte den Kritikern, alle Kulturgüter blieben Sprockhövel erhalten, „auch wenn sie in die Räume der ehemaligen Grundschule in Winz-Baak verlagert werden.“

Umzug kostet 30000 Euro

Die scheidende Leiterin brachte Verständnis für die Umzugsgegner auf. Doch lägen die Vorteile auf der Hand: „Wir haben in Hattingen Zugang zu teuren Geräten, die dann gemeinsam genutzt werden können.“ Wichtig seien für sie auch benutzerfreundliche Räume und die Tatsache, dass Archivleiter Weiß zugesagt habe, selbst den Nachwuchs einer Archivfachkraft für Sprockhövel ausbilden zu wollen. Grünen-Frakionschef Thomas Schmitz gab zu Protokoll, die „Sachzwänge“ zu akzeptieren, er forderte jedoch zum Anlass des Archivumzugs eine Bestandsaufnahme aller Sprockhöveler Kunstgegenstände. Bülow kündigte an, in der sitzungsfreien Zeit eine Fahrt für interessierte Politiker nach Hattingen zu organisieren, um Vorbehalte auszuräumen.

Der Umzug ins die ehemalige Grundschule Rauendahl wird rund 30000 Euro kosten. Mit der Stadt Hattingen wird jetzt ein Mietvertrag über eine Dauer von zehn Jahren geschlossen. Sprockhövel hat dabei die Option, den Vertrag jeweils um drei Jahre zu verlängern. Karin Hockamp erfreut sich einer Wertschätzung in der Stadt, wie sie selten in dieser Intensität zum Ende eines Berufslebens geäußert wird. Doch merkte sie in der Debatte auch an, dass die Arbeitsbedingungen in Sprockhövel für sie nicht optimal waren, „zumal hier eine Person für alle Arbeitsbereiche und den Publikumsverkehr zuständig ist.“ Stundenweise wird sie für die Sprockhöveler Archivarbeit noch über drei Jahre zur Verfügung stehen.

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