Freizeit

Trödelmarkt in Haßlinghausen ist mehr als Liebe zum Plunder

Wieder viel los auf dem Trödelmarkt in Haßlinghausen, der am Sonntagfrüh geöffnet wurde und bis zum späten Nachmittag dauerte.

Wieder viel los auf dem Trödelmarkt in Haßlinghausen, der am Sonntagfrüh geöffnet wurde und bis zum späten Nachmittag dauerte.

Foto: Bastian Haumann

Sprockhövel.   Der Werbering Haßlinghausen hat einmal mehr seinen Frühjahrsflohmarkt organisiert. Die Haßlinghauser räumen dafür ihre Keller leer.

Für Bernd Hunold hat sich der Besuch des Trödelmarkt in Haßlinghausen bereits nach fünf Minuten gelohnt. „Finde ich doch unter dem Tisch eines älteren Herrn ein Lehrbuch zur Pathologie“, freut er sich. Zwei Euro wollte er haben – „im Laden hätte ich dafür fast fünfzig hinblättern müssen.

12 Euro für einen Meter Verkaufstisch

Am späten Vormittag füllte sich der südliche Stadtteil von Sprockhövel zusehends, Tausende Menschen aller Generationen zogen über die dicht an dicht mit Trödeltischen überzogenen Bürgersteige entlang der Mittelstraße. Etwas gemütlicher und ruhiger war die Situation am Rathaus. Senta Hollweg war froh, hier ihre Enkelin ein paar Minuten aufs Karussell setzen und durchatmen zu können. „Seit fast drei Stunden haben wir uns Spielsachen, Kleidchen, Bilderbücher und Puppen angeschaut“, stöhnt die Gevelsbergerin. „Unter der knallenden Sonne wird einem irgendwann regelrecht schummrig.“

Sortiert ist auf dem Trödelmarkt natürlich nichts, jeder Tisch ist eine Herausforderung für wahre Flohmarktfans. Die Mischung im Angebot ist manchmal abenteuerlich. „Auf der Tischplatte schön geschliffene Teller und Schalen aus Glas, darunter die Vinylschallplatten und Computerspiele, die mein Sohn ausgemustert hat“, sagt Verena Berg und muss lachen. Wer etwa eine Obstschale für 20 Euro kauft, bekäme den Plunder aus der tieferen Abteilung als Draufgabe umsonst dazu.

Gute Laune herrscht auch am Stand von Familie Weinmann. Die Eheleute Peter und Monika sind bereits um 6 Uhr hier gewesen, um ihren Tisch aufzubauen. „Dann stehen auch schon die ersten Schnäppchenjäger hier und taxieren das Angebot“, berichtet Peter Weinmann. „Die ersten eineinhalb Stunden machen wir das beste Geschäft“, verrät seine Frau. Aber beide winken ab, zum Geldverdienen kommt man nicht hier zum Trödelmarkt. „Wir sind froh, wenn wir die Standmiete am Ende des Tages wieder herausbekommen. Das ist unser Ziel – und dass wir nicht zuviel von der Ware wieder mit nach Hause nehmen müssen.“ 12 Euro Gebühr kostet der laufende Meter, Weinmanns haben zusammen mit ihrer Freundin Sandra Cramer zwei Meter Verkaufsfläche aufgebaut. „Wir sind zum zweiten Mal hier, und wenn wir über den Tag einige unserer Freunde hier treffen, hat es sich doch gelohnt.“

Der Trödelmarkt, zweimal im Jahr organisiert vom Werbering Haßlinghausen, ist ein Spielfeld für Normalbürger, und die ihre Keller ausräumen. Die Räume zwischen den Tischen sind für die jüngere Generation reserviert, die keine Standmiete bezahlen muss. So wie Jessica und Anina, die quasi unter dem Bürofenster des Bürgermeisters eine Decke ausgebreitet hatten. Auch sie waren seit 8 Uhr in der Frühe da. „Wir haben unsere Regale leergeräumt, für die Kinderbücher sind wir sowieso zu alt“, sagt Jessica. Interessierte bezahlen für jedes Exemplar einen runden Euro, „für die dickeren dann auch zwei“, so Anina.

Hundert Meter weiter rummst es plötzlich. Der kleine Sven hat Gefallen an einem Fußball gewonnen und ihn versuchsweise in den Nachbarstand geschossen. Das saß, drei Vasen sind zertrümmert und Svens Mutter Martina zückt mit zerknirschtem Gesicht ihre Geldbörse.

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