Feuerwehreinsatz

Sprockhövelerin alarmiert Feuerwehr und muss 600 Euro zahlen

Barbara Behr mit der Rechnung über 600 Euro auf ihrem Balkon in Haßlinghausen. Gegenüber, so sagt sie, soll es gebrannt haben

Barbara Behr mit der Rechnung über 600 Euro auf ihrem Balkon in Haßlinghausen. Gegenüber, so sagt sie, soll es gebrannt haben

Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Sprockhövel.  Barbara Behr aus Sprockhövel rief zweimal die Feuerwehr wegen Rauchs vor einem Wohnhaus. Dafür erhielt sie eine hohe Rechnung von der Stadt.

Als Barbara Behr vor einem Monat von ihrem Balkon aus Rauch vor dem Haus gegenüber aufsteigen sieht, ruft sie die Feuerwehr – und ein zweites Mal, als sich nach einer Viertelstunde nichts tut. Dafür hat ihr die Stadt Sprockhövel nun einen Kostenbescheid über 600 Euro ausgestellt. Und die Haßlinghauserin gibt an, die Welt nicht mehr zu verstehen.

Zwei Nachbarinnen bestätigen die Angaben

Ganz allein steht Barbara Behr mit ihren Beobachtungen am späten Samstagnachmittag des 31. August übrigens nicht: Zwei Nachbarinnen im Mehrfamilienhaus Steinklippe 86 verständigten sich unabhängig von ihr gegen 17 Uhr über Kurznachrichtdienst: Es brennt an der Gevelsberger Straße, schrieb die eine, die andere gab später an, danach ebenfalls bedrohlich viel Rauch zwischen den Wohnhäusern an der Steinklippe und der Gevelsberger Straße gesehen zu haben.

Behr will keine Fremden einlassen

Über den Ablauf der Geschehnisse gibt es indes zwei auseinandergehende Schilderungen. Behr gibt an, nach ihrem ersten Anruf um 17.04 Uhr habe sie keine Aktivität der lediglich wenige Hundert Meter entfernten Feuerwache Haßlinghausen feststellen können: „Fahrzeuge mit Blaulicht kamen nicht, die hätte ich doch von der Gevelsberger Straße her hören müssen.“ Ebenso hätte sie doch auf der Rasenfläche zwischen ihrem und dem von Rauchschwaden umwehten Haus gegenüber Einsatzkräfte sehen müssen. Stattdessen berichtet die 53-Jährige, wie erstaunt sie war, als nach ihrem Erinnerungsanruf gute 15 Minuten später der Einsatzleiter und ein Kollege der Feuerwehr bei ihr klingelten. „Die wollten mit mir auf den Balkon gehen, um von da aus nach dem ,angeblichen’ Brandherd zu schauen“, berichtet sie. Das habe sie unter Hinweis darauf abgelehnt, dass sie alleine zu Hause war. „Ich lasse nicht einfach fremde Personen in meine Wohnung.“

Stadt stützt Version des Einsatzleiters

Weitgehend anders ist die Sicht auf die Dinge von der Stadt Sprockhövel. Der Erste Beigeordnete Volker Hoven zitiert den Bericht der Freiwilligen Feuerwehr, in dem geschildert wird, dass es sich bei dem Rauch um Emissionen eines „ordnungsgemäß betriebenen Grills“ auf der Grünfläche zwischen den beiden Häusern gehandelt habe. Es habe nach dem zweiten Einsatz der Feuerwehr an der Haustür Behrs auch ein Gespräch gegeben, in dem sich Behr über eine Stunde Grillbetrieb und Kindergeschrei beschwerte. „So etwas bezeichnen wir als böswillige Alarmierung, da gilt null Toleranz“, betont Hoven, der keinen Zweifel an der korrekten Darstellung der Feuerwehr hat und die langjährige Erfahrung des Einsatzleiters herausstellt. „In diesem Fall hört der Spaß auf, zumal unsere freiwilligen Kräfte unsinnig gebunden werden, während andernorts vielleicht ein wichtiger Einsatz nötig wird.“

Barbara Behr ist empört

Barbara Behr hat sich mit ihrem Anwalt beraten, es steht der Klageweg vor dem Verwaltungsgericht offen. „Das ist aber nicht durch meine Rechtsschutzversicherung abgedeckt“, sagt sie, daher wird sie wohl die 600 Euro bezahlen. Doch ihre Empörung bleibt: „Welcher Bürger ist denn nach so einer Geschichte bereit, einen Brand zu melden, wenn er später vielleicht für den Feuerwehreinsatz bezahlen muss?“

KOMMENTAR

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Barbara Behr eine Ruhestörung vor ihrem Haus mit Hilfe der Feuerwehr nachdrücklich beenden wollte. Geklärt wird das nicht. Es ist aber auch nicht der springende Punkt bei dieser Geschichte.

Feuerwehr und Stadt müssen sich im Klaren sein, dass die Sicherheitspartnerschaft von Bürgern und Rettungsdiensten nur funktioniert, wenn Bürger ohne Befürchtung, die Kosten zu tragen, alarmieren. Das hat der Beigeordnete erkannt, wenn er beteuert: Lieber einmal zu viel 112 anrufen als einmal zu wenig.

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