Prozess

Sprockhöveler wollte mit Gaspistole Rocker abwehren

Bei einer Verkehrskontrolle kurz vor Weihnachten schnappte die Polizei einen 46-jährigen Sprockhöveler in Haßlinghausen, der eine Gaspistole ohne Waffenschein mit sich führte.

Bei einer Verkehrskontrolle kurz vor Weihnachten schnappte die Polizei einen 46-jährigen Sprockhöveler in Haßlinghausen, der eine Gaspistole ohne Waffenschein mit sich führte.

Foto: Daniela Wetzel

Sprockhövel.   46-jähriger Sprockhöveler wurde wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe verurteilt. Er fühlte sich bedroht.

Im Leben des 46-jährigen Sprockhövelers war sein am Montag vor dem Amtsgericht Hattingen verhandelter Verstoß gegen das Waffengesetz beileibe eher ein nachrangiger Aspekt. Kurz vor Weihnachten des letztes Jahres war der Angeklagte nachts einer Polizeistreife in Haßlinghausen ins Netz gegangen. In der Ablage der Fahrertür war von den Beamten eine Gaspistole gefunden worden, die dazugehörige Munition, neun Patronen, lieferte der Mann bereitwillig ab. Auch wenn es sich nur um eine Gaspistole handelte, mit der keine ernsthaften Verletzungen verursacht werden können und die eher der Abschreckung dient, sieht das Gesetz doch den Besitz eines Waffenscheins vor, den der Angeklagte nicht hat. Sein Pflichtverteidiger Steffen Becker lenkte aber vor Gericht die Aufmerksamkeit auf das Motiv des Waffenbesitzes, warb um Verständnis: „Mein Mandant hat sich unsicher gefühlt, meinte, sich verteidigen können zu müssen.“

Richter verhängt milde Geldstrafe

Der Hintergrund, der in den Akten steht, aber aus gutem Grund nicht näher erläutert wird: Der Angeklagte gehörte früher einer Rocker-Gang an. Als er im vergangenen Jahr aus dem kriminellen Milieu ausstieg, geriet er in Gefahr. „Im August wurde er von seinen Ex-Kollegen zusammengeschlagen“, berichtete Richter Johannes Kimmeskamp. Daraufhin wurde der 46-Jährige in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen, das staatliche Maßnahmen beinhaltet, um Personen wie den Sprockhöveler vor weiterer zu erwartender Rache aus dem Rockerumfeld zu schützen. Der Angeklagte, ein körperlich sehr kräftiger Mann, wirkte eher eingeschüchtert beim Verhandlungstermin. Zurzeit kann er nicht arbeiten, ist krank geschrieben. Dass das Verfahren wegen des illegalen Waffenbesitzes glimpflich verlaufen würde, war keineswegs ausgemacht, denn er befand sich zum Tatzeitpunkt in einem offenen Bewährungsverfahren. Richter Johannes Kimmeskamp verwies auf eine erhebliche Sammlung von Vorstrafen wie Steuerhinterziehung, Körperverletzung, Raub. Der Staatsanwalt mochte dem Argument des Verteidigers, hier wolle sich jemand mit einer Pistole allenfalls verteidigen und keine Straftat begehen, ein Stück weit folgen, plädierte für eine hohe Geldstrafe.

Verteidiger Steffen Becker setzte dagegen, aufgrund der angespannten Finanzsituation des Sprockhövelers im Urteil deutlich darunter zu bleiben. Der Richter unterbot auch diesen Ansatz und verurteilte den ehemaligen Rocker zu einer Geldstrafe in Höhe von 700 Euro.

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