Sprockhövel

Sprockhöveler Verwaltung arbeitete mit gefälschten Lizenzen

Einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung ließen die Prüfer freiwillig in ihre E-Mails und Besprechungsprotokolle schauen.

Foto: Thomas Gödde

Einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung ließen die Prüfer freiwillig in ihre E-Mails und Besprechungsprotokolle schauen. Foto: Thomas Gödde

Sprockhövel.   Vorsatz oder Fahrlässigkeit? In der Verwaltung von Sprockhövel liefen viele PCs ohne die Orginal-Software von Microsoft. Es geht um 63 000 Euro.

Ein elfseitiges Prüfungsprotokoll bringt die Stadtverwaltung von Sprockhövel in Erklärungsnot. Demnach wurden Rechner im Rathaus ohne Lizenzen für die Programme von Microsoft betrieben. Aufgefallen war der Verwaltung der Missstand vor einem halben Jahr, der Rat hatte daraufhin ein externes Unternehmen aus Hamburg beauftragt, die Sache zu untersuchen.

Die prüfte im Laufe des September alle im Rathaus eingesetzten Rechner. Das Ergebnis ist erschreckend: 80 Lizenzen vom Softwareanbieter Microsoft sind gefälscht, weitere fehlen völlig. Bislang nicht geprüft wurden die Computer in den Außenstallen, den städtischen Kindertagesstätten und Schulen; im Prüfbericht wird nahegelegt, das nachzuholen.

Es handelt sich um Fälschungen

Eine Aufstellung des EDV-Leiters vom Anfang des Jahres ermittelt von Microsoft 80 Windows-Arbeitsplatzlizenzen, 80 Office-Lizenzen und acht Server-Lizenzen. Weitere 80 Lizenzen waren von der Stadt am 25. Juli 2013 bei der Firma PC Fritz für 19,90 Euro pro Lizenz gekauft worden – die Angebote hierfür lagen damals zwischen 25 und 30 Euro.

Die EDV-Prüfung schaute nun, ob es sich bei den von PC Fritz seinerzeit gelieferten 80 Lizenzen Windows 7 Professional um Orginal Recovery-DVD’s und entsprechende OEM-Lizenzen von PC-Herstellern wie Dell oder ob es sich um Fälschungen handelt. Dafür schickten die Prüfer eine der bei PC Fritz gekauften Lizenzen zur Prüfung an Microsoft. Das Ergebnis liegt seit 6. November vor: Das Produkt ist gefälscht, in dem Bericht kommen die Externen zum Schluss, dass alle von PC Fritz gekauften 80 Lizenzen gefälscht sind.

Nach Aktenlage und Gesprächsprotokollen wurde der damalige Kämmerer über die fehlenden Lizenzen informiert. Für die Prüf-Firma ist heute sicher, dass der Kämmerer in einer Besprechung am 26. Juni 2015 auf Vorschlag der EDV entschied, dass die Serverlizenzen erst nach Erscheinen der Windowsserver 2016 beschafft werden sollten.

Vorsatz oder Fahrlässigkeit?

„Das Risiko, von Microsoft überprüft zu werden, wurde als gering und eingehbar eingestuft“, steht im Prüfbericht. „In Kenntnis der damaligen Unterlizensierung sind trotzdem ohne Vorliegen ausreichender Lizenzen weitere PC-Arbeitsplätze eingerichtet worden.“ Ob es rechtlich um Vorsatz oder Fahrlässigkeit handele, können die Prüfer nicht sagen.

Ende Oktober hat die Stadt mit Microsoft eine Vereinbarung geschlossen, die insbesondere die fehlenden Lizenzen umfasst – für Server, Windows 10 und Microsoft Office. Für 2017 zahlt die Stadt dafür rund 63 000 Euro, in den nächsten beiden Jahren voraussichtlich jeweils noch einmal dieselbe Summe. Die Lizenzen sind bereitgestellt und sollen bis Anfang 2018 installiert sein. Sprockhövel hatte in den letzten Jahren deutlich weniger für seine EDV ausgegeben als NRW-Städte in vergleichbarer Größe: Im Mittel sind es bei diesen rund 940 000 Euro, in Sprockhövel lediglich um die 500 000 Euro.

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