Europa-Wahl

Sprockhöveler Schüler fordern von EU-Politikern Handeln ein

Interessiert befragten Schüler der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel Politiker zu ihren Ideen zu Europa und zur Wahl. Die Themen Flüchtlingskrise, Umwelt, Demokratie und Zukunft Europas sprachen die Interessierten an.

Interessiert befragten Schüler der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel Politiker zu ihren Ideen zu Europa und zur Wahl. Die Themen Flüchtlingskrise, Umwelt, Demokratie und Zukunft Europas sprachen die Interessierten an.

Foto: Walter Fischer

Sprockhövel.   Gesamtschüler stellen den Europapolitikern in Sprockhövel Fragen zur Flüchtlingskrise, Umwelt, zum Demokratiedefizit und zur Zukunft von Europa.

Flüchtlingskrise, Umwelt, Demokratiedefizit und Zukunft der EU – das waren die Themen, die am Donnerstagabend in der Gesamtschule Haßlinghausen diskutiert wurden. Eingeladen waren Vertreter von sechs Parteien, die alle zur Europawahl antreten. Der Vertreter der FDP war nicht gekommen.

Schülerinnen und Schüler der Stufen 11 und 12 nahmen teil, viele Jüngere kamen aus persönlichem politischem Interesse. Thorben und Paul, beide 14 Jahre alt und in der 8. Klasse, hatten sich auf den Weg zur Veranstaltung gemacht. Ebenso wie Matthes (13). Vor allem Klima- und Umweltthemen beschäftigen sie. „Die Politiker reden viel, getan wird aber nichts“, sagen sie. Da sind sie sich einig.

Schüler hoffen auf ein EU-Wahlrecht ab 16 Jahren

„Kein Mensch kümmert sich um die vielen Schiffe, die die Meere verseuchen. Wir wollen, dass sich endlich etwas ändert“, fordert Thorben. Nicht erst seit der Klimaaktivistin Greta sei sein Interesse an Politik geweckt. Alle drei Schüler hoffen, dass für die Europawahlen endlich das Wahlrecht mit 16 Jahren kommt. „Wenn es bei 18 Jahren bliebe, würde ich auch noch die übernächste Wahl verpassen“, ärgert sich Matthes. Das Trio verspricht sich von der Veranstaltung, die einzelnen Positionen der Parteien ganz direkt zu erfahren.

„In den Jahrgangsstufen 11 und 12 stand im Leistungskurs Sozialwissenschaften auch die Europawahl auf dem Plan. Die Schüler haben sich damit befasst und auch im Hinblick auf den Diskussionsabend heute Fragen vorbereitet“, erklärt Christoph Uessem, Leiter der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule.

Europa braucht einheitliche Antworten

Auf dem Podium sitzen Parteienvertreter aus dem Ruhrgebiet: Rainer Bovermann (SPD), Anette Bunse (CDU), Nils Kriegeskorte (Grüne), Michael Lippes (AfD) und Helmut Kanand (Linke). Kanand hat sich besonders gut vorbereitet und nimmt seinen Sitznachbarn von der AfD politisch ausein­ander.

Er führt ihn vor, indem er die schwammigen Aussagen von Michael Lippes – zum Beispiel zur Flüchtlingspolitik – mit Zitaten aus dem AfD-Parteiprogramm kontert. Sehr klar werden die unterschiedlichen Positionen nicht nur bei diesem Thema. Bovermann (SPD) betont, dass Europa endlich eine einheitliche Antwort auf die Flüchtlingsfrage geben muss, fordert einen Verteilungsschlüssel und legale Zuwanderung.

Flucht ist für Sprockhöveler ein bewegendes Thema

Anette Bunse (CDU) betont, dass man dauerhaft die Arbeit der Schlepper beenden und die Ursache von Flucht bekämpfen müsse. „Wir wollen, dass die Menschen in ihrem Land bleiben können, denn niemand verlässt ohne Grund seine Heimat“, sagt sie. Nils Kriegeskorte (Grüne): Den Nicht-Regierungs-Organisationen müsse die Menschenrettung im Mittelmeer weiter ermöglicht werden.

Michael Lippes (AfD) erklärt, auch er wolle nicht, dass Menschen bei ihrer Flucht sterben. Aber es gebe eben viele, die ausreisepflichtig seien und hier weiterhin auf Kosten des Staates lebten. Dagegen spricht er sich aus und erklärt, mit dem Geld könne man anderen Menschen deutlich besser helfen. „Man kann das Geld eben nur einmal ausgeben.“

Diskussion bringt Positionen für EU-Wahl ans Licht

Helmut Kanand von den Linken fordert einen „Neustart von Europa“. Er sei seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit aktiv. „Es gibt keine Flüchtlingskrise, es ist eine Krise der Demokratie und eine Krise der EU-Werte“, betont er. Die Veranstaltung ist durch die unterschiedlichen Partei-Positionen eine Möglichkeit, eine bessere Entscheidungsgrundlage für die kommende EU-Wahl zu bekommen.

>>> Kommentar: Sternstunde der Demokratie

Kompliment. Das war eine Sternstunde der Demokratie. Mitglieder von fünf Parteien (der FDP-Platz blieb leer), die alle zur Europawahl antreten, stellten sich in der Gesamtschule Haßlinghausen Fragen von Schülern der Stufen 11 und 12. Das war Pflicht für diese Jahrgänge. Es kamen aber auch viele Jüngere, deren Interesse an Politik überraschenderweise längst geweckt wurde. Was für eine positive Entwicklung! Bundestag und Talkshows können sich von dieser Veranstaltung eine große Scheibe abschneiden.

Respekt vor der Meinung Andersdenkender war oberstes Gebot. Eben auch – und gerade – wenn’s richtig schwer fällt. Kein Ausbuhen, weil Meinungen unerträglich erscheinen. Zuhören, nachdenken, analysieren, mit guten Argumenten Kontra geben. Das ist gelebte Demokratie in Reinformat. Und das haben die Schülerinnen und Schüler geschafft. Klasse.

Aber auch die Parteimitglieder hielten sich an beste demokratische Spielregeln. Nicht durchein­ander quatschen, zuhören, ausreden lassen. Auf der Basis lässt sich konstruktiv streiten. Nach zwei Minuten Redezeit ertönte ein akustisches Signal. Durch den Zeitdruck mussten die Parteien-Vertreter ihre Botschaft auf den Punkt bringen. Da wurden die Unterschiede in der politischen Ausrichtung schon sehr deutlich. Respekt vor der Leistung des Schulleiters, der diese Veranstaltung möglich machte. Eva Arndt

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