Sprockhövel setzt starkes Signal für Europa

Mehr als Dreiviertel der Sprockhöveler haben mit CDU, Grünen, SPD und FDP Parteien gewählt, die den Kurs der Europäischen Union befürworten.

Mehr als Dreiviertel der Sprockhöveler haben mit CDU, Grünen, SPD und FDP Parteien gewählt, die den Kurs der Europäischen Union befürworten.

Foto: Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Sprockhövel.   In Sprockhövel hat die CDU bei der Europawahl die meisten Stimmen errungen. Sieger sind jedoch die Grünen knapp hinter der Union mit 23 Prozent.

Mit einer Wahlbeteiligung von gut 70 Prozent und mehr als 75 Prozent Zustimmung für CDU, Grüne, SPD und FDP und haben die Wahlbürger in Sprockhövel bei der Europawahl am Sonntag ein starkes Signal für die Europäische Union gesetzt. Bis zuletzt hatte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen gegeben, das die Union letztlich knapp mit 25 Prozent für sich entscheiden konnte.

Sieger des Abends sind die Grünen

Um 19.45 Uhr waren alle 24 Wahlbezirke inklusive Briefwahl ausgezählt. Sieger des Abends waren in Sprockhövel die Grünen, die ihr letztes Europawahlergebnis auf jetzt 23 Prozent mehr als verdoppeln konnten. Die CDU verlor mehr als fünf Prozent, doch die größte Schlappe erlitten die Sozialdemokraten. 2014 hatten sie in der Stadt mit 38 Prozent noch das beste Resultat vorweisen können, jetzt verlieren sie 17 Prozentpunkte und ordnen sich auf Rang drei ein. Allein im Börgersbruch wird noch sichtbar die rote Fahne hochgehalten. „Dieses Ergebnis ist erschütternd, hier ist deutlich der Bundestrend durchgeschlagen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Wolfram Junge, der umgehend seine Bundespartei aufforderte, personelle Konsequenzen zu ziehen. CDU-Fraktionschef Torsten Schulte ist erfreut, stärkste Kraft geworden zu sein. „Wir haben nicht so viel Kredit bei den Wählern verloren wie die SPD.“

Grüne danken für Vertrauenszuwachs

Aufgeräumt und zufrieden kommentierte Thomas Schmitz, Fraktionschef der Grünen, das Abschneiden seiner Partei. „Ich danke den Wahlbürgern im ganzen Ennepe-Ruhr-Kreis für den großen Vertrauenszuwachs, den wir erhalten haben.“ Es habe sich der Erfolg aber bereits bei Bürgergesprächen an den Wahlkampfständen abgezeichnet. Schmitz: „Das Thema Klimaschutz hat jetzt den angemessenen Stellenwert in der Gesellschaft erreicht.“ Das sieht Christian Preuß von den Linken, die bei drei Prozent landeten, ganz anders: „Die Medien haben nur noch grüne Themen befördert. Wo sind die europäischen Debatten über Sozialpolitik, die Finanzen, die Kriege?“ Seit der Trennung von der Wählervereinigung MiS sind die Piraten in Sprockhövel vom Aufmerksamkeitsradar verschwunden, 0,75 Prozent gibt es aktuell nur noch für die Datenschützer.

FDP ordnet sich hinter der AfD auf Platz fünf

Zwar hat die FDP ihr Europawahlergebnis im Vergleich zu 2014 fast verdoppeln können, doch trennen sie spürbar Welten vom Höhenrausch der letzten Landtagswahl, wo sie sogar ihren Fraktionschef Bodo Middeldorf nach Düsseldorf schicken durfte. Fünftstärkste Europakraft ist sie nur noch in Sprockhövel – und machte damit Platz für die AfD, die wiederum ihre Position um über zwei Prozentpunkte steigern konnte.

KOMMENTAR

Die wichtigeste Erkenntnis aus dem Europawahl-Ergebnis Sprockhövels lautet: Mehr als Dreiviertel der abgegebenen Stimmen wurden für Parteien abgegeben, die den Kurs Europäische Union im Sinne der Offenheit und Integration weiter entwickeln will. Und das bei einer Wahlbeteiligung, die mit 67 Prozent deutlich gewachsen ist.

Die CDU ist zwar stärkste Kraft, aber das zentrale Wahlkampfthema Klimawandel hat die Grünen deutlich vor eine tief abgestürzte SPD und knapp hinter die Christenunion gehoben – die Differenz liegt bei schmalen eineinhalb Prozent­punkten.

Wohlgemerkt, das ist eine Wahl für Brüssel, nicht für Sprockhövel. Und doch sollten die Kommunalpolitiker eine Entwicklung nicht aus den Augen verlieren: Die AfD, bislang eine Phantompartei in Sprockhövel, baut ihr Ergebnis auch bei der Europawahl weiter aus. Nächstes Jahr könnte sie an die Tür des Rathauses klopfen.

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