Bücherei

Sonja und Madeleine aus Sprockhövel lieben Bücher über alles

Sonja Ziegler, links, und Madeleine Schulz sitzen in der Bücherei in Haßlinghausen und lesen ihre Lieblingsbücher.

Sonja Ziegler, links, und Madeleine Schulz sitzen in der Bücherei in Haßlinghausen und lesen ihre Lieblingsbücher.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Es gibt sie auch in Sprockhövel, die bücherfressenden Leseratten. Die Gymnasiastinnen Sonja und Madeleine erzählen von ihren Lieblingsbüchern.

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Für Sonja Ziegler (11) und Madeleine Schulz (12) ist die Welt der Bücher ein Traum. Es kann gar nicht genug spannende Literatur geben. Beide nutzen die Bücherei in Haßlinghausen absolut intensiv, allerdings gibt es einen enormen Unterschied zwischen den beiden Bücherliebhaberinnen. Sonja liebt Pferdebücher über alles, Madeleine hasst Pferdebücher über alles.

Sonjas Mutter war in der Grundschule Lesemutter

Die Geschmäcker sind eben unterschiedlich. Aber ohne Buch geht gar nichts bei den beiden Gymnasiastinnen. „Bei uns hat es eigentlich die klassische Gute-Nacht-Geschichte vorm Schlafengehen nicht gegeben“, sagt Waltraud Ziegler. Aber sie liest nicht nur selbst viel, sie war in der Grundschule ihrer Tochter auch eine der Lesemütter, die einmal in der Woche mit vier Kindern Lesen trainiert hat.

Lesenlernen als Herausforderung fürs Elternhaus

Sonja gehörte schon in den ersten Schuljahren zu den besten Leserinnen. „Ich fand Lesen immer ganz toll, und unsere Lehrerin hat auch oft Scherze gemacht, das war schön“, sagt sie. Waltraud Ziegler ist der Überzeugung, dass Lesen in der Schule nicht mehr wirklich unterrichtet werden kann. „Dazu fehlt einfach die Zeit.“ Lesen muss den Kindern ihrer Meinung nach zu Hause beigebracht werden.

Leseprojekte in der Grundschule

„Bei uns in der Grundschule gab es den Lesestuhl“, erzählt Sonja. Da hatten die Schülerinnen und Schüler zwei bis drei Tage Zeit, durften sich ein Lieblingsbuch aussuchen, aus dem sie dann den anderen auf dem Lesestuhl in der Schule vorgelesen haben. Schon in der Grundschule hätten die Kinder projektbezogen lesen gelernt, schildert die Mutter. Das seien interessante Herangehensweisen gewesen. Was Sonja faszinierend findet, ist zum Beispiel „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“, aus der Fantasy-Romanreihe Warrior Cats „Geheimnis des Waldes“ und die Serie „Eulenzauber“. Dass Waltraud Ziegler dreimal rufen muss, bis die Tochter endlich zum Mittagessen kommt, ist schon fast der Normalfall. „Ich sag’ dann immer, ich les’ nur noch eine Seite, kann dann aber nicht mehr aufhören“, schildert die Elfjährige ihre Leidenschaft. Das Schöne am Lesen sei die eigene Vorstellung von dem, was im Buch gerade passiert. Darum seien verfilmte Bücher oft auch so enttäuschend, weil die Umsetzung der eigenen Fantasie überhaupt nicht entspreche. So erging es Sonja bei einem Harry-Potter-Film.

Madeleine gibt Taschengeld für Bücher aus

Madeleine ist ein richtiger Bücherfresser. „Ich hab’ hier in der Bücherei alle Kinder- und Jugendbücher gelesen. Weil dann nichts für mich mehr da war, habe ich schon mit der Literatur für Erwachsene angefangen“, schildert sie ihre Leidenschaft. Ihr Taschengeld gibt sie für Bücher aus und ohne einen Schmöker geht sie grundsätzlich nicht aus dem Haus.

Serien sind besonders beliebt

Die Zwölfjährige schreckt bei Literatur offenbar vor nichts zurück. „Am besten finde ich, wenn Leute umgebracht werden, das ist so spannend“, lacht sie. Faszinierend sei auch „Die Schule der Alyxa“. In einem Band geht es zum Beispiel um den Kampf gegen den sechsten Sinn. In der Schule der Alyxa werden Jugendliche ausgebildet, die übernatürlich gut hören, riechen, schmecken und fühlen können. Aber eine dunkle Macht droht in den Gemäuern der Schule... Diese Serien liebt das Mädchen mit den vielen kleinen Löckchen.

Erster Lesespaß morgens vor dem Wecker

Wenn Madeleine früh aufwacht und der Wecker hat noch nicht geklingelt, ist der Griff zum Buch eine Selbstverständlichkeit. „In sechs Wochen hat sie 52 Bücher gelesen“ sagt ihre Mutter Jeanette Schulz. Wie man im Bett Bücher lesen kann, um einzuschlafen, ist beiden jungen Mädchen ein absolutes Rätsel. „Wenn ich müde bin und ein Buch in die Hand nehme, bin auf auf der Stelle wieder hellwach“, schildert Madeleine. Nicht nur den Müttern, auch der Büchereileiterin Cornelia Wilberg geht bei so lesebegeisterten Kindern und Jugendlichen das Herz auf.

„Es wird nicht weniger gelesen als früher“

Die gute Nachricht zuerst: „Es wird nicht weniger gelesen als früher“, sagt die Leiterin der Sprockhöveler Bücherei Cornelia Wilberg. Allerdings sieht sie Unterschiede an den beiden Standorten. „Durch die Nähe der Grundschule in Haßlinghausen kommen sehr viele Grundschulkinder, um sich Bücher auszuleihen.“Das sei in Niedersprockhövel anders. Die Gemeinschaftsgrundschule Börgersbruch liege leider weit weg von der Bücherei. Auch der Förderverein „Lesezeichen“ ist sehr aktiv, um Kinder ans Lesen zu heranzuführen. „Jedes Jahr gibt es für Schulanfänger auch eine Lesetüte mit einem Buch und Stiften, die die Sparkasse sponsert.“ In Haßlinghausen gibt es zurzeit 12.500 Medien, in Niedersprockhövel 9000, darunter sind auch viele Online-Angebote. Hörbücher seien bei den Kindern ganz besonders beliebt, Angebot und Nachfrage bei den Büchern seit Jahren stabil. Die Gebühr für die Ausleihe beträgt für Erwachsene pro Jahr 18 Euro, Kinder bezahlen gar nichts.

INFO

Die beiden Standorte der Sprockhöveler Stadtbücherei haben unterschiedliche Öffnungszeiten.

Zweigstelle Haßlinghausen, Gevelsberger Straße 13, 02339/917152: mittwochs und freitags 10-13 Uhr und 14.30-18 Uhr.

Zweigstelle Niedersprockhövel, Hauptstraße 6, 02324/9705430: dienstags und donnerstags 10-13 Uhr und 14.30-18 Uhr. Mailadresse: stadtbuecherei@sprockhoevel.de

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