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Sicherheitstraining für Straßenwärter in Sprockhövel

Dirk Kretzer simuliert den Ausstieg aus dem Transporter auf einer Landstraße im laufenden Verkehr. Er muss dabei die Geschwindigkeit und Entfernung der nahenden Fahrzeuge korrekt einschätzen.

Dirk Kretzer simuliert den Ausstieg aus dem Transporter auf einer Landstraße im laufenden Verkehr. Er muss dabei die Geschwindigkeit und Entfernung der nahenden Fahrzeuge korrekt einschätzen.

Foto: Svenja Hanusch

Sprockhövel.   Ein Risikoparcours auf dem Areal der Straßenmeisterei Schwelm soll Teilnehmern die Gefahren ihres Berufs vor Augen führen. Denn die sind groß.

Ein Lastwagen donnert auf der Landstraße an einem Transporter der Straßenmeisterei vorbei, der am Fahrbahnrand hält und ein Schlagloch beseitigen will. Dirk Kretzer beobachtet im Seitenspiegel den rückwärtigen Verkehr und wartet auf die passende Gelegenheit die Fahrertür zu öffnen, um sicher auszusteigen. Diese Situation ist für Straßenwärter Teil des Arbeitsalltags - und Teil des Risikoparcours in der Straßenmeisterei Schwelm, der den Teilnehmern die Gefahren ihres Jobs nochmals bewusst machen soll.

Simulation in der Halle der Straßenmeisterei

Der Lkw überholt allerdings nur virtuell das orangefarbene Fahrzeug. Denn das Ausstiegsszenario wird auf insgesamt drei Monitore in einer Halle der Straßenmeisterei simuliert. Einer davon ist mit einem Spanngurt auf Höhe des linken Außenspiegels befestigt. Abgespielt werden verschiedene Sequenzen, bei denen die Straßenwärter die Geschwindigkeit und Entfernung der nahenden Fahrzeuge im verkappten Spiegel einschätzen müssen.

Die Gruppe soll dem Prüfling Druck machen

Dirk Kretzer steigt unter den Kommentaren seiner zuschauenden Kollegen aus. „Mach voran“ oder „Dem kann man ja die Schuhe besohlen“ rufen einige, nachdem Sebastian Rabe von der Unfallkasse NRW die Gruppe auffordert, Kretzer Druck zu machen. Rabe weist an diesem Beispiel direkt darauf hin, dass man auch bei Zeitdruck nicht ungeduldig werden darf und im Sinne der eigenen Sicherheit auf die passende Lücke warten soll. Nicht lang genug gewartet hat bei dieser Übung Martin Thiemt, jedenfalls in den Augen seiner Kollegen. Er steigt aus, als ein Lkw sich hinter dem Transporter gerade in Bewegung setzt. Bei der Besprechung der Situation meint einer der Beobachter, dass es ungünstig sei in Richtung des anfahrenden Lkw zu laufen. Thiemt führt dagegen an: „Bis so ein schweres Gespann anfährt, das dauert.“

Nichts ist gefährlicher als Routine

Thiemt ist vom Sinn der zur sicherheitstechnischen Unterweisung gehörenden Pflichtveranstaltung für Straßenwärter überzeugt: „Wir kennen zwar die Risiken unseres Berufes. Aber man gewöhnt sich mit der Zeit natürlich an die Gefahren. Mir hat mal jemand gesagt, dass nichts gefährlicher ist als Routine. Deshalb ist dieses Training gut“, erzählt Thiemt, der seit 19 Jahren den Job ausübt und froh darüber ist, dass er bislang immer unversehrt wieder zu Hause angekommen ist.

Den Blick immer auf den Verkehr richten

Bei der abschließenden Übung geht es neben dem korrekten Aussteigen zudem um das Absichern der Arbeitsstelle. Ein Schlagloch vor dem Transporter soll dabei mit Split aufgefüllt werden. Sebastian Rabe, der durch die Schulung führt, betont nochmals, dass beim Aufstellen der Pylonen und während der eigentlichen Arbeit der Blick immer wieder auf den Verkehr gehen soll: „Es kommt oft vor, dass einer Split auffüllt und der andere nur zuschaut. Man konzentriert sich nur auf die Aufgabe und nimmt nicht wahr, was drumherum passiert.“

Drei-Punkt-Regel hilft bei Hindernis

Themastisiert wurde auch der Aspekt Gesundheit. Die Straßenwärter probten, wie man eine Leitplanke oder Betonschutzwand möglichst einfach und gesundheitsschonend übersteigen kann. Dabei bekamen sie die Drei-Punkt-Regel an die Hand gegeben, die besagt, dass möglichst drei Gliedmaßen Kontakt zum Hindernis haben sollten.

INFO

Straßenwärter kontrollieren die Landstraßen, führen Reparaturen durch, pflegen die Grünstreifen oder sammeln verlorene Ladung ein.

Laut Angaben von Straßen.NRW wurden 19 Straßenwärter seit 1993 getötet. Zudem wurden rund 500 schwer verletzt.

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