Projektwoche

Schwungvolle Woche für Grundschüler in Sprockhövel

Luana und Nele räumen ihre Schultaschen auf beim Projekt „Schule mit Schwung“ in der Grundschule in Haßlinghausen.

Luana und Nele räumen ihre Schultaschen auf beim Projekt „Schule mit Schwung“ in der Grundschule in Haßlinghausen.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Die Grundschule Haßlinghausen ist Pilotschule für das Projekt „Schule mit Schwung“. Gefördert werden sollen exekutive Funktionen.

Bei den Kindern ist es um die Merkfähigkeit, die Ausdauer bei Problemlösungen und das strukturierte Vorgehen auch bei alltäglichen Aufgaben nicht mehr so gut bestellt wie früher, stellen Hirnforscher fest. Die Grundschule Haßlinghausen ist eine von fünf Einrichtungen im Regierungsbezirk Arnsberg, die bei der Verbesserung exekutiver Funktionen im Primarbereich ansetzen will und eine Projektwoche unter dem Titel „Schule mit Schwung! Es bewegt sich was“ anbietet.

Spezielle Hirnregion soll trainiert werden

Es gibt Kinder, die kaum noch mit der Schere hantieren können. Andere steigen frühzeitig beim Kettenrechnen aus, weil ihre Aufmerksamkeitsspanne nicht reicht. Und dann gibt es etwa jene, die nicht in der Lage sind, ihren Schulranzen so einzuräumen, dass sie später gesuchte Bücher oder Schreibgeräte wieder finden. Trainiert werden soll zur Förderung der bei vielen Kindern schlecht ausgebildeten Fähigkeiten eine spezielle Hirnregion hinter der Stirn, erläutert Sandra Hautzenröder. Die Konrektorin der Schule in Haßlinghausen hat sich eigens für das Projekt weitergebildet. Das Sprockhöveler Kollegium wurde mit Hilfe der Wissenschaftlerin Sabine Kubesch zur Förderung der exekutiven Funktionen qualifiziert. Für das Projekt wurden Ehrenamtliche insbesondere aus Vereinen und der Elternschaft ins Boot geholt, um die Projektwoche für alle Schüler umsetzen zu können.

Methodentraining in den Klassenräumen

Es sind Veranstaltungen in zwei Blöcken, die die Haßlinghauser Schüler an vier Tagen in dieser Woche durchlaufen. „Der eine findet in den Klassenzimmern statt und ist ein Methodenlernen“, sagt Hautzenröder. Das Methodentraining bringt die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren in Kontakt mit Schere, Klebestift oder Schultasche, und es sind neben den jeweiligen Klassenlehrern insgesamt 40 freiwillige Eltern, die die intensive Betreuung leisten. Für den zweiten Block durften die Grundschüler unter diversen Sportangeboten wählen – Tennis, Handball, Zirkus, Schwimmen, Taekwondo, Tanzen und Inlinern. „Wir können von Glück sagen, dass wir von der Sparkassenstiftung, Förderverein und dem Lions Club Herbede Sprockhövel unterstützt werden“, betont Sandra Hautzenröder. Für den sachkompetenten Einsatz, ergänzt Schulleiter Benedikt Heufken, haben Vereine wie die TSG Sprockhövel, der TC Silschede oder der Taekwondo-Verein Ennepetal ihre Leute geschickt, um die Kinder gezielt einzuweisen. „Natürlich hoffen die Vereine auch so, junge Menschen für ihren Sport zu interessieren“, sagt Hautzenröder.

Zirkuspädagoge aus Haltern im Einsatz

Im großflächigen Eingangsbereich der Schule und den angrenzenden Klassenräumen hat Zirkuspädagoge Michael Held, der für das Projekt täglich aus Haltern anreist, seine Stationen aufgebaut. Mit verbundenen Augen über ein Drahtseil oder auf einem großen Gummiball balancieren, auf Stelzen laufen, Menschenpyramiden bauen – zwischendurch wird gefilmt, am Freitag sollen alle Aktionen für Interessierte präsentiert werden. Trainiert werden in den sportlichen Bereichen das Zusammenspiel, die Selbstkontrolle, die Aufmerksamkeit, Sicherheitsaspekte. „Die aufwändige Projektwoche wird es planmäßig erst wieder in vier Jahren geben“, sagt die Konrektorin. So kommt jeder Jahrgang einmal in der Grundschulzeit in den Genuss. Um die Effekte jedoch nach Abschluss nicht verpuffen zu lassen, sollen Bestandteile des Methodentrainings in den Unterrichtsalltag integriert werden.

INFO

Für den Förderbedarf der Kinder ist nach Auskunft von Sandra Hautzenröder auch die Freizeitgestaltung verantwortlich.

In der heutigen Zeit würden viele Kinder ihren Nachmittag mit Computerspielen verbringen. Andere wiederum, sagt die Pädagogin, würden infolge lückenloser Terminpläne ebenso am sehr wichtigen freie Spielen gehindert, so dass exekutive Funktionen weniger ausgebildet werden könnten.

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