Repair Café

Rostige Räder rollen wieder

Foto: Funke Foto Services

Sprockhövel.   Die Flüchtlingshilfe Sprockhövel setzt im Repair Café auf die Mithilfe von Flüchtlingen bei der Reparatur von Fahrrädern und Elektrogeräten.

Das Spielzeug brach beim Toben entzwei, das lange genutzte Bügeleisen hat den Geist aufgegeben, die Toastertaste klemmt. Gut möglich, dass im Repair Café geholfen werden kann. Zum ersten Mal öffnete das Café, dessen Konzept bereits in vielen Städten aufgeht, im Jugendzentrum Niedersprockhövel an der Eickerstraße seine Türen.

Die Idee: „Bürger helfen Bürgern“, sagt Lasse Lemm von der Flüchtlingshilfe Sprockhövel, die die Werkstatt ins Leben rief. Unter den ehrenamtlichen Helfern seien auch geflüchtete Männer, die in ihrer Heimat beruflich mit der Reparatur von elektronischen Geräten zu tun hatten. Bei der kostenlosen Instandsetzung vom Föhn bis zur Nachttischlampe ist die Mithilfe der Besitzer erwünscht.

Kommunikation ist wichtig

„Hier steht die Kommunikation im Vordergrund“, so Lemm. In Konkurrenz zum örtlichen Fachhandel stünde man nicht. „Wir können keine Garantie geben, alle Fehler beheben zu können.“ Auch würden hier Dinge aufgeschraubt, die im Geschäft mit freundlichem Lächeln abgelehnt werden, da sich die Reparatur nicht mehr lohnt.

Sabine Schürmann hat einen schwarzen Mixer dabei. „Der tut es trotz seltener Benutzung länger nicht mehr“, erklärt sie bei der Anmeldung. „Ohne Stecker“, „Elektro“ und „Fahrrad“ heißen die Stationen. „Der Mixer wird aufgeschraubt und systematisch schauen wir uns mögliche Fehlerpunkte an“, so Helfer Thomas Wippermann. Oft reiche eine kleine Schraube hier, ein neuer Draht da, um ein Gerät in Gang zu bringen.

Da sitzt das geballte Technikwissen, vier gestandene Männer, mit rauchenden Köpfen vor zwei rosaroten Plüschhasen mit Trommeln in den Pfoten. „Das erste Duracellhäschen habe ich vom Flohmarkt“, erzählt Eigentümerin Anja Nessler. Schon damals hätte es nicht funktioniert. Ein zweites wurde ersteigert, um den Plüschmusikanten in Aktion sehen zu können. „Doch auch das ging kaputt.“ Nach kurzer Zeit beginnt der erste Hase musizierend umherzulaufen. „Hier war nur der Schalter nicht in Ordnung, bei seinem Kollegen sieht es etwas kniffeliger aus“, so Peter Minko.

Eine Etage tiefer werden gespendete Fahrräder auf Vordermann gebracht. Jörg Mai und Dieter Baumann lernen Flüchtlinge an, damit sie künftig mit anpacken können. „Wir haben teils Räder ohne Sattel. Reifen, Bremse, Lichtanlage sind nicht mehr intakt“, sagt Mai und zeigt auf ein rostiges Modell, an dem Osama Alesaa arbeitet. „Ich bin zuhause viel Fahrrad gefahren und habe auch hier ein eigenes“, erzählt der Syrer. „Ich habe hier viel Zeit und bin froh, wenn ich eine Aufgabe habe und helfen kann.“

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