Lesekultur

Öffentlicher Bücherschrank für Niedersprockhövel

Udo Andre Schäfer, Daniela Voigt und Brigitte Hausherr (v.l.) eröffneten am Donnerstag auf dem Gelände des Café Metamorphose am Busbahnhof einen Bücherschrank in der sanierten englischen Telefonzelle.

Udo Andre Schäfer, Daniela Voigt und Brigitte Hausherr (v.l.) eröffneten am Donnerstag auf dem Gelände des Café Metamorphose am Busbahnhof einen Bücherschrank in der sanierten englischen Telefonzelle.

Foto: Svenja Hanusch

Sprockhövel.   Förderverein Lesezeichen und Café Metamorphose stellen ihren öffentlichen Bücherschrank in einer umgebauten Telefonzelle in Sprockhövel vor.

Wer am Busbahnhof in Niedersprockhövel etwas länger auf seine Anschlussverbindung warten muss, könnte künftig zum sinnvollen Zeitvertreib ein Angebot nutzen, das der Förderverein Lesezeichen und das Café Metamorphose seit Donnerstag in greifbarer Nähe bereitstellen: Gleich neben dem Kiosk, hinter einer schmiedeeisernen Tür, steht eine ausgemusterte englische Telefonzelle, die angefüllt ist mit Büchern.

Angebot steht allen Bücherfreunden offen

„Das Motto ist: Reingehen, aussuchen, mitnehmen“, sagt Daniela Voigt, Inhaberin des Cafés, auf dessen Grundstück die Zelle stationiert ist. „Wer also Lesestoff haben möchte, sollte keine Hemmungen haben, hier einfach zuzugreifen“, bekräftigt Brigitte Hausherr, Vorsitzende des Vereins Lesezeichen. Eingeladen sind ausnahmslos alle Bücherfreunde.

Telefonzelle war Opfer von Vandalismus

Bis Juli vergangenen Jahres fristete die Telefonzelle, ein freundliches Geschenk von Sprockhövels englischer Partnerstadt South Kirkby, eine eher traurige Existenz neben der Verwaltungsstelle in Niedersprockhövel; die Folgen von Vandalismus waren für jeden sichtbar. „Quasi gleichzeitig hatten wir vom Verein und das Café dann die Idee, etwas aus der Zelle zu machen“, berichtet Udo Andre Schäfer, der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Mit Hilfe der Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr und eines Krans wurde das rote Objekt zu seinem neuen Standort neben das Café gehievt und auf einem Fundament verankert.

Stadtbücherei hat Bücher zur Verfügung gestellt

Hans Rudolf Voigt, der gute Geist des Café Metamorphose, machte sich über die Zelle her, entrostete den Korpus, lackierte nach, setzte neue Scheiben ein, sorgte für Lüftung. „Als alles fertig war, sorgten wir für die Füllung“, erzählt Brigitte Hausherr. Die Stadtbücherei, die den Bücherschrank in Sichtweite keineswegs als Konkurrenz betrachtet, stellt großzügig Bücher aus ihrem Bestand zur Verfügung. Mehrere Meter Karl May fallen ins Auge, Werke von Cornelia Funke und Michael Ende, Krimis, Reiseführer, Kinderbücher, Sachliteratur – „hochwertige Bücher, für jeden Geschmack ist etwas dabei“, ist Daniela Voigt überzeugt.

Starttag ist der „Verschenk-ein-Buch-Tag“

Während die meisten Menschen Valentinstag feiern, verweist der Förderverein auf den etwas kuriosen „Verschenk-ein-Buch-Tag“, der ebenfalls am Donnerstag gefeiert wurde. „Der passt zu unserem Projekt“, finden Hausherr, Schäfer und Voigt, und so haben sie Luftballons an der Zelle und am Zaun verknotet und zusätzliche Regale mit Literatur rundum aufgestellt. Überdies strahlt die Sonne, schöner kann man mit so einem Gratis-Projekt gar nicht starten.

Ein paar Minuten ohne Smartphone

Zugang zum Bücherschrank haben alle Leseratten während der Öffnungszeiten des Cafés sieben Tage die Woche von 9 bis 20 Uhr. Dazwischen wird das Tor geschlossen, um die Zelle nicht wieder Vandalismus auszusetzen. Eine baldige Leerung des Bücherschranks wegen großer Nachfrage ist nicht zu befürchten, sowohl die Stadtbücherei wie auch der Verein haben Nachschub zugesagt. „Wir würden uns freuen, wenn auch Kinder von dem Angebot Gebrauch machen“, betont Brigitte Hausherr. Ein paar Minuten ohne Smartphone wären doch auch mal schön.

Verein und Café planen nun Veranstaltungen

Der Förderverein der Stadtbücherei Sprockhövel Lesezeichen und Daniela Voigt vom Café Metamorphose planen Veranstaltungen rund um den neuen Bücherschrank.

So wären in der wärmeren Jahreszeit öffentliche Lesungen denkbar, der Verein möchte gerne auch Jugendliteratur-Projekte anbieten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben