Sprockhövel

Prozess: Motorradsturz durch AfD-Wahlplakat auf Fahrbahn?

Ein AfD-Wahlplakat, das am Busbahnhof in Niedersprockhövel auf der Straße lag, soll den Unfall verursacht haben.

Ein AfD-Wahlplakat, das am Busbahnhof in Niedersprockhövel auf der Straße lag, soll den Unfall verursacht haben.

Foto: Ulrich von Born

Sprockhövel.   Bei der ersten Verhandlung konnte nicht nachgewiesen werden, dass es ein AfD-Plakat war. Beim nächsten Mal sollen Polizisten aussagen.

Wer haftet, wenn ein Motorradfahrer auf einem AfD-Wahlplakat ausrutscht und stürzt? Um die Frage ging es am Mittwoch in einem Zivilprozess vorm Amtsgericht. Eine Klärung konnte bei der ersten Verhandlung nicht vorgenommen werden. Darum wird es einen weiteren Termin geben.

Der heute 25-jährige P. war am 15. Mai 2017 am Busbahnhof unterwegs. Wegen sehr starken Verkehrsaufkommens wurde sehr langsam gefahren. „Ich fuhr in mäßigem Tempo mit meinem Motorrad hinter einem anderen Wagen die Hauptstraße hinunter. Im nächsten Moment habe ich gemerkt, ich falle ja. Ich hab noch den Not-Aus-Schalter gedrückt und schon lag ich auf der Straße“, schildert P..

Ihm kamen Menschen zu Hilfe, von denen einige als Zeugen geladen waren. P. konnte sich selbst den Helm abnehmen, stand mit Hilfe anderer auf. Es wurde diskutiert, warum er bei so langsamer Geschwindigkeit stürzen konnte. Zeugen wiesen auf das Wahlplakat, das auf der Fahrbahn lag. „Ich bin auf dem AfD-Wahlplakat ausgerutscht“, stellte P. fest.

Krankenwagen wurde gerufen

Es kamen Feuerwehr und Polizei, ein Krankenwagen wurde gerufen. P. kam zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus, hatte sich den Fuß unter dem Motorrad verdreht, klagte über Schmerzen im Nackenbereich, war zwei Tage krank geschrieben.

Die Richterin wollte vom Kläger wissen, aus welchem Material das Plakat beschaffen war: „Es war ein Schild aus Wellpappe, ich hab es selbst in der Hand gehabt“. Das bestätigte eine Zeugin, wusste aber nicht, ob es ein AfD-Plakat war.

Zum Aufhängen, Anbringen und Kontrollieren der Plakate wurde der Sprecher des AfD-Kreisvorstands Ennepe-Ruhr, Matthias Renkel, befragt. Man habe 2500 Doppelplakate angebracht, die in großer Höhe mit langen, dicken Kabelbindern fixiert würden. „Ungefähr 750 habe ich selbst aufgehängt“, sagt er.

33 Plakate in Sprockhövel genehmigt

Es würde so sorgfältig gemacht, weil immer wieder Plakate oder Teile davon zerstört würden. Manche würden auch ganz entfernt oder woanders wieder aufgestellt. Im übrigen seien die Plakate aus Plastik, aus Wellpappe gebe es keine.

Alle ein bis zwei Tage würden AfD-Mitglieder die Plakate kontrollieren, weil sie sie dort aufhängen, wo sie wohnen. Für Sprockhövel hätte die Stadt 33 genehmigt. Weil andere Teams sie nach der Wahl abnähmen, habe die AfD jeden Standort dokumentiert. Auf der Hauptstraße sei kein Plakat aufgehängt worden. Zum nächsten Termin werden die Polizisten als Zeugen bestellt, die den Unfall aufnahmen.

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