Amtsgericht

Kita-Leiterin in Sprockhövel hat Geldunterschlagen

Ein Stapel Prozessakten liegt auf einem Tisch im Gericht. Zu der Verhandlung brachten die Zeugen auch die Kontoauszüge der beiden Konten mit, die bei der Volksbank Sprockhövel geführt wurden. Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Ein Stapel Prozessakten liegt auf einem Tisch im Gericht. Zu der Verhandlung brachten die Zeugen auch die Kontoauszüge der beiden Konten mit, die bei der Volksbank Sprockhövel geführt wurden. Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

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Für „gewerbsmäßige Untreue“ wird eine ehemalige Kita-Leiterin aus Sprockhövel zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt.

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Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 28 Fällen wurde am Mittwoch die ehemalige Leiterin einer Sprockhöveler Kindertagesstätte zu einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss die Frau, die zwei Kinder hat, 7805 Euro zurückzahlen. Bis zum Schluss leugnete die Mittvierzigerin, immer wieder in die Kasse der Kita gegriffen zu haben und erklärte, auch andere, zum Beispiel die Tochter des Geschäftsführers, hätten über die Karten zum Abheben von Geld zeitweise verfügt.

Staatsanwältin wollte höhere Strafe

„Sie haben ja zuletzt gestanden, in 28 Fällen Geld genommen und für eigene Zwecke verwendet zu haben. Aber, was gar nicht geht, ist, andere zu beschuldigen und zu behaupten, sie hätten die Karten ebenfalls genutzt“, erklärte Richter Johannes Kimmeskamp. Er war bei dem Urteil noch einige Monate unter der Forderung der Staatsanwältin geblieben, die ein Jahr und acht Monate gefordert hatte, weil es nicht irgendjemand, sondern eine gemeinnützige Einrichtung war, der sie Schaden zugefügt hatte.


Innerhalb eines Jahres immer wieder Beträge abgehoben

Die Angeklagte war 2015 in der Einrichtung angestellt worden. Da kurze Zeit später die Stelle der bisherigen Leiterin frei wurde, konnte sie den Sprung in die Leitungsfunktion machen. Damit erhielt sie auch zwei Scheckkarten, mit denen sie Geld abheben konnte. Eine Karte wurde zur Anschaffung von Möbeln, Spielsachen und zur Finanzierung von Festen benutzt, auf das andere Konto zahlten die Eltern Beiträge für das Essen ein. Zwischen September 2015 und Sommer 2016 wurden immer wieder Beiträge abgehoben, meist im dreistelligen Bereich. Einmal waren es 1000 Euro. Wo dieses Geld hinfloss, konnte das Gericht nicht klären. Darum wurde dieser Fall unter insgesamt 29 Vorkommnissen fallen gelassen.

Mitarbeiterin des Geschäftsführers sagt als Zeugin aus

Die Angeklagte behauptete, der Geschäftsführer selbst habe angeordnet, die Pin-Nummer auf die Karte zu schreiben, so dass jeder, der die Karte in den Händen hatte, Zugriff auf das Konto gehabt hätte. Schon wenige Monate nachdem die Angeklagte die Leitungsfunktion übernommen hatte, fiel auf, dass Geld abgehoben wurde, für das es keine Belege gab. Unter anderem war die Mitarbeiterin des Steuerbüros des Geschäftsführers als Zeugin geladen worden. Sie beschrieb nachvollziehbar, was ihre Aufgabe sei.

Richter schätzt Buchführung als „chaotisch“ ein

„Ich brauche für jede Kontobewegung Belege. Bei Barabhebungen muss ich Quittungen bekommen, die nachweisen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Da ich die aber nie vollständig hatte, hab ich immer wieder nachgehakt, wo die Belege blieben. Ich muss ja bei der Buchhaltung einen Gegenwert für die Ausgaben nachweisen.“

Wie auch andere Zeugen betonten, sei die Leiterin immer wieder gefragt worden, wo die Quittungen blieben. Es gab ständig unterschiedliche Begründungen. Mal habe sie gesagt, die seien bei ihr zu Hause, mal wollte sie die Belege mit der Post geschickt haben. Klar wurde, dass die Buchführung zum damaligen Zeitpunkt „eher chaotisch war und die Leine zu lang“, wie Richter Kimmeskamp bemerkte. „Aber das entlastet den Täter nicht“, betonte er.

„Ich habe da auch Fehler gemacht“, räumte der Geschäftsführer ein. Er habe zu viel vertraut und zu wenig kontrolliert. „Als ich von den Unregelmäßigkeiten wusste, habe ich verfügt, dass kein Bargeld mehr abgehoben werden darf“, räumte er ein.

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