Nachwuchs

Jugend meldet sich in Sprockhövels Politik zurück

Jakob Neuhaus und Ioanna Ioannidou, die stellvertretenden Vorsitzenden der Jusos in Sprockhövel.

Jakob Neuhaus und Ioanna Ioannidou, die stellvertretenden Vorsitzenden der Jusos in Sprockhövel.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  In Sprockhövel wird die Jugend wieder politisch. Die Jusos und Julis melden sich zurück, Fehlanzeige jedoch bei CDU und Grünen.

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Seit den Fridays-for-Future-Demonstrationen ist klar: Die Jugend interessiert sich wieder für Politik. Das zeigt sich auch bei den Parteien in Sprockhövel: Seit Anfang 2018 gibt es wieder eine Jugendorganisation der Freien Demokraten und seit Ende 2018 mischt die nachfolgende Generation der SPD wieder mit.

Luc Stahlhut setzte in Sprockhövel die Bewegung in Gang

Juso Luc Stahlhut, der schon während seiner Schulzeit im Jugendparlament in Hattingen saß, wollte die Jugendlichen in seiner Heimatstadt endlich vor Ort für Politik begeistern. Er gründete mit einigen Mitstreitern den Sprockhöveler Juso-Stadtverband, um vor allem Themen in die Öffentlichkeit und die politischen Gremien zu bringen, die für die junge Generation wichtig sind. Zum Beispiel eine bessere Anbindung verschiedener Stadtteile an den öffentlichen Nahverkehr, damit die Jugendlichen ohne Führerschein mobiler werden.

Jakob Neuhaus will keine Neubauten

Auch für Jakob Neuhaus (20) eine gute Gelegenheit, sich politisch zu betätigen. Er wurde vor kurzem bei der Wahl zum Juso-Stadtverband Stellvertreter von Luc Stahlhut und macht sich stark für ein anderes Wohnen in Zukunft. „Wir wollen die Mehrgenerationenhäuser nach vorne bringen. Wir plädieren nicht für Neubauten, sondern wollen bestehende Häuser umwidmen. Da sind wir bei jungen Familien und Senioren auf großes Interesse gestoßen“, sagt er. Auf die Frage, warum er sich für die SPD entschieden hat, hat Neuhaus, der eine Ausbildung zum Erzieher macht, eine klar Antwort: „Die Sozialdemokratie hat es verdient, gerettet zu werden.“

Ioanna Ioannidou liegt die Natur am Herzen

Ebenfalls Stellvertreterin ist Ioanna Ioannidou (33), eine Biologin, die gerade ihre Doktorarbeit schreibt. Sie hat noch zwei Jahre, bis sie durch ihr Alter die Jusos verlassen muss. Bis dahin will sich die junge Frau, die im Sauerland aufwuchs und dort schon immer politische Arbeit gemacht hat, bei den Jusos für viele Themen einsetzen, die ihr wichtig sind. „Das ist naturgemäß die Umwelt, die mir am Herzen liegt. Das Schöne ist, dass auf lokaler Ebene eine schnelle Umsetzung von guten Ideen möglich ist, die Nachhaltigkeit versprechen, zum Beispiel Streuobstwiesen anzulegen.“

Lucas Kemna will mehr Jugendbeteiligung

Auch die FDP-Jugend hat sich wieder neu aufgestellt. Jan Lukas Syring gründete Anfang 2018 die Jungen Liberalen (Julis) in Sprockhövel. Es dauerte aber nicht einmal ein Jahr, bis er den übrigen Mitgliedern durch einen Studienortwechsel „abhanden“ kam. Also mussten auf einem außerordentlichen Ortskongress frühzeitig Neuwahlen durchgeführt werden, die sonst im Jahresrhythmus vorgeschrieben sind. Lucas Kemna (21) wurde zum Vorsitzenden gewählt, Nico Droste zum Stellvertreter und Hannes Schmitz zum Schatzmeister. „Diese Stadt wird ein großes Altenheim, die Menschen werden immer älter. Wir möchten aber, dass auch weiterhin junge Menschen und Familien nach Sprockhövel kommen und wollen aus dem Grunde mehr Jugendbeteiligung“, sagt Kemna. Von den beiden Projekten, die die Julis in Angriff genommen haben, konnte das Projekt „Refill“ in sehr kurzer Zeit umgesetzt werden. Es geht darum, Plastik zu vermeiden.

Überall dort - zum Beispiel an Geschäften - wo ein blauer Refill-Aufkleber zu sehen ist, kann man kostenlos Leitungswasser bekommen, wenn man sein eigenes Gefäß mitbringt. Ähnliches will Kemna jetzt mit Mehrweg Coffee-to-go-Bechern machen. Acht Aktive haben die Julis jetzt, insgesamt sind es 16 zurzeit.

Keine Jugendorganisationen bei CDU und Grünen

Eine Jugendorganisation der CDU, die Junge Union (JU), aber sucht man in Sprockhövel vergeblich. CDU-Fraktionsvorsitzender Torsten Schulte (40), der selber vor Jahren Vorsitzender der JU in Sprockhövel war, hält im speziellen Fall dieser Stadt eine direkte Einbindung der jungen Menschen in die politische und vor allem Ratsarbeit für effektiver. Seit 2014 ist Felix Steindorf zum Beispiel schon CDU-Ratsmitglied.

„Gerade Torsten Schulte bindet mich immer mit ein, ich kann dadurch sehr schnell sehr viel lernen. Im Jahr 2014 hatte die Sprockhöveler CDU gleich drei Ratsmitglieder unter 30 Jahren“, sagt der 28-Jährige. Er halte auch immer engen Kontakt zur JU im Kreis, so dass man gut vernetzt sei.

Die Grünen gehen einen ganz anderen Weg. „Wir schicken die jungen politisch Interessierten, die bei den Grünen mitarbeiten wollen, immer nach Hattingen oder Witten. Denn da gibt es die Jugendorganisationen. Wir sind überzeugt, dass es jungen Leuten mehr Spaß macht, in ihrer eigenen Altersklasse zu arbeiten als mit den Älteren“, sagt Fraktionsvorsitzender Thomas Schmitz.

INFO

Für die politische Parteiarbeit von jungen Menschen bietet nach Meinung aller Parteien die Stadt nicht gerade beste Voraussetzungen. Denn Sprockhövel hat kein eigenes Gymnasium, also gehen die Jugendlichen auf Gymnasien in umliegenden Städten.

„Da organisiert man sich dann zu Schulzeiten im gewohnten Umfeld“, sagt Felix Steindorf (CDU). „Für mich war Hattingen nachher genauso Heimatstadt wie Sprockhövel.“ Und sehr viele junge Leute, die aus Sprockhövel kommen, zieht es nach dem Abitur in große Städte.

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