Kriminalität

Sprockhöveler Schulhausmeister greift in die Schulkasse

Im Februar diesen Jahres schlug der diebische Hausmeister wieder zu – und wurde dabei heimlich gefilmt.

Foto: Volker Speckenwirth

Im Februar diesen Jahres schlug der diebische Hausmeister wieder zu – und wurde dabei heimlich gefilmt. Foto: Volker Speckenwirth

Sprockhövel.   Nach mehreren Gelddiebstählen in der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule überführte eine Kamera den Täter. Seine Taten bleiben nicht ohne Strafe.

Nachdem es an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel mehrfach zu Gelddiebstählen, sogar aus dem Tresor des Sekretariats, gekommen war, griff Direktor Christoph Uessem (62) zu einer List: Er installierte heimlich eine Überwachungskamera. Überführt wurde ein Schulhausmeister – und jetzt verurteilt.

Obwohl die Gesamtschule in großen Bereichen mit einer Alarmanlage ausgestattet ist, verschwand dort immer mal wieder Geld. Oft waren es eher Kleckerbeträge wie 20 Euro aus der Toilettenkasse. Doch im November letzten Jahres fehlte plötzlich eine Kassette mit 400 Euro, die die Oberstufenleiterin im Tresor des Verwaltungstraktes deponiert hatte. Da es auch im Dezember und Januar „merkwürdige Fehlbeträge gab“, so Schulleiter Uessem, hätte er eine Überwachung beschlossen, „in völlig einsamer Entscheidung. Wenn ich es ans schwarze Brett gehängt hätte, hätte es ja auch keinen Sinn gemacht.“

Am Karnevalswochenende wurde der Täter erwischt

Die Bilder aus der Kamera führten zum Erfolg: Am 25. und 26. Februar, es war das Karnevalswochende, betrat jeweils ein Täter morgens um 8.44 Uhr und um 9.18 Uhr das Schulbüro, öffnete den Stahlschrank und entnahm daraus einen Umschlag mit 40 Euro und einen mit 50 Euro: Aufbewahrtes Geld vom Drachenboot-Rennen und aus der Bücher-Mahn-Kasse.

Gesichtsgutachten erstellt

Tatsächlich ist der Gelddieb, der eine schwarze Jacke trägt und sich eine Baseballkappe ins Gesicht gezogen hat, auf den Beweisaufnahmen nicht leicht zu identifizieren. Er ist lediglich von der Seite zu sehen. Doch spontan glaubten der Schulleiter und zwei Sekretärinnen, auf dem Video einen der beiden Schulhausmeister erkannt zu haben. Die Kreisverwaltung wurde eingeschaltet und der in Verdacht geratene Hausmeister dorthin einbestellt. Man konfrontierte ihn mit dem schweren Vorwurf, bot ihm sogar einen Auflösungsvertrag an. Noch vor Ort mussten alle Beteiligten schließlich einen peinlichen Fehler eingestehen: Sie hatten im Übereifer den falschen Hausmeister beschuldigt. Der 41-Jährige wurde wieder arbeiten geschickt.

Dann war sein 30-jähriger Hausmeister-Kollege dran. Er wurde entlassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Gestern musste er sich vor dem Amtsgericht Hattingen wegen Diebstahls im besonders schweren Fall verantworten. „Ich habe es nicht getan. Das war ich nicht.“ Bis zuletzt leugnete der Angeklagte, brachte erneut den anderen Hausmeister als eigentlichen Verdächtigen ins Spiel.

Gesichtsgutachten klärt Schuldfrage

Doch Sachverständiger Dr. Peter Gabriel (50) konnte Licht ins Dunkel bringen: In seinem anthropologisches Gesichtsgutachten konnte er 29 Merkmale nachweisen, die den Angeklagten Hausmeister eindeutig als den Gelddieb aus dem Video identifizierten.

Amtsrichter Johannes Kimmeskamp verhängte 2400 Euro Geldstrafe. „Trotz geschickt ausgestreuter Verdachtsmomente gegen den Kollegen. Es spricht hier nichts für ihn, aber 29 Punkte gegen ihn."

>>> Info: Anthropologisches Gesichtsgutachten

  • Ein anthropologisches Gesichtsgutachten wird häufig auch eingesetzt, wenn Autofahrer geblitzt wurden und später behaupten, das Bild aus dem Starenkasten zeige sie nicht.
  • Anhand von Merkmalen wie „deutlich eingezogene Nasenwurzel“ oder „nicht ausgeprägte Zwischenhöckerrinne“ wird ein Beschuldigter überführt.
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