Abfallwirtschaft

Hauchdünnes Ja der Sprockhöveler zum Gelben Sack

Von 350 befragten Sprockhövelern sprachen sich  in einer Befragung durch den Ennepe-Ruhr-Kreis 50,9 Prozent für die Beibehaltung der Sack-Sammlung aus.

Von 350 befragten Sprockhövelern sprachen sich in einer Befragung durch den Ennepe-Ruhr-Kreis 50,9 Prozent für die Beibehaltung der Sack-Sammlung aus.

Foto: Thomas Nitsche

Sprockhövel.   Folie oder Tonne? EN-Abfallwirtschafter fragten 2018 die Sprockhöveler nach ihren Wünschen. Kreis verhandelt mit Dualem System über Wahlfreiheit.

Fragt man die Sprockhöveler, ob sie ihren Verpackungsmüll lieber wie bislang im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne entsorgen wollen, bekommt man ein sauber geteiltes Meinungsbild – 50,9 Prozent von insgesamt 350 Befragten sprachen sich bei einer Befragung des Ennepe-Ruhr-Kreises für die Beibehaltung des bisherigen Sammelsystems aus, 49,1 Prozent bevorzugen dagegen die Tonne.

Verpackungsgesetz gibt Kommunen Mitspracherecht

„Der Zeitpunkt unserer Befragung hatte natürlich auch Einfluss aufs Ergebnis“, räumt Elisabeth Henne, zuständig für Abfallwirtschaft bei der Kreisverwaltung, ein. Beim Stadtfest in Niedersprockhövel im September baten Henne und ihre Mitarbeiter die Bürger um ihre Meinung, und während der warmen Jahreszeit fällt erfahrungsgemäß mehr Verpackung mit dem grünen Punkt an – klarer Vorteil für den Sack, der in beliebiger Anzahl besorgt und vor die Tür gestellt werden kann. Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat im vergangenen Jahr in allen angehörigen Städten nachgefragt und bis auf Breckerfeld, wo ein klares Votum für die Lösung in Folie abgegeben wurde, überwiegend ähnliche Patt-Ergebnisse wie in Sprockhövel bekommen. Hintergrund ist ein neues Verpackungsgesetz, das in diesem Jahr in Kraft getreten ist und das die alte Verpackungsordnung ablöst. Das Gesetz ermöglicht den Kreises und Städten mehr Mitspracherecht, die für die Entsorgung zuständigen Dualen Systeme auf Sammelsysteme gemäß den Vorgaben der Städte und Gemeinden zu verpflichten.

Arrogante Verhandlungsführung durch Duales System

Gelber Sack, Gelbe Tonne oder Tonne plus Sack – das sind die Modelle, die möglich sind. Und wie gesagt, ein einheitliches Wunschbild geben die EN-Bürger nach der Befragung durch die Henne-Truppe nicht ab. Eine eigens gebildete Arbeitsgruppe unter Leitung des Kreises hat ein erstes Gespräch mit Vertretern des Dualen Systems bereits absolviert; „die sind uns mit ausgeprägter Arroganz begegnet“, berichtet Elisabeth Henne. Das Verhandlungsziel der EN-Kommunen formuliert Henne so: „Wir möchten ein Mischsystem, in dem die Bürger individuell wählen können.“ Doch die Schwelmerin ist Realistin: „Das ist wie bei Tarifverhandlungen, man geht mit 180-Prozent-Forderungen hinein, um letztlich doch Abstriche machen zu müssen und am Ende ein immer noch gutes Ergebnis zu bekommen.“

Stadt will bessere Folienqualität und Wahlmöglichkeit

Susanne Görner, bei der Stadt mit dem Thema befasst, sagt: „Wir erkennen die Sacksammlung als Sammelsystem an, die Mehrheit hat da ja auch bestätigt. Aber wir wollen in den Verhandlungen mit den Systembetreibern erreichen, dass auf eine stabilere Qualität der Säcke hingearbeitet wird.“

Die Stadt wünscht sich als Verhandlungsergebnis zudem, dass in bestimmten Stadtbereichen wahlweise Gelber Sack oder Gelbe Tonne eingesetzt werden können.

In einer Befragung vor mehreren Jahren war die Ablehnung der Gelben Tonne in Sprockhövel noch größer gewesen. Besonders der Gestank des Gefäßes störte die befragten Bürger.

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