Porträt

Von Metzger bis Tänzer: Sprockhöveler arbeitete in 60 Jobs

Mehr als 60 Jobs hat Harald Primus aus Sprockhövel bereits in seinem Leben gehabt. Nichtstun ist nicht sein Ding.

Mehr als 60 Jobs hat Harald Primus aus Sprockhövel bereits in seinem Leben gehabt. Nichtstun ist nicht sein Ding.

Foto: Walter Fischer

Sprockhövel.   Harald Primus hat in Italien und auf Mallorca gelebt und mit Drafi Deutscher eine Platte aufgenommen. Sein Traum-Beruf: TV-Show-Moderator.

Urlaub, Entspannung, Nichtstun – für Harald „Harry“ Primus (50) aus Sprockhövel ist das eher ein Horrorszenario als eine Traumvorstellung. „Ich kann nicht ruhig herumsitzen, ich muss immer etwas machen“, sagt Primus. Und gemacht hat er schon vieles und eigentlich auch fast alles.

Mehr als 60 Jobs hat „Harry“ schon ausgeübt, seit seinem zehnten Lebensjahr hat er sein eigenes Geld verdient. Als Kind trug er Zeitungen aus, half auf dem Bau aus und leerte für den Straßenbau Sickergruben. „Dafür habe ich damals zehn Mark pro Stunde bekommen“, sagt Primus. „Und dann konnte ich mir mit 14 Jahren mein erstes Rennrad kaufen, das hatte 440 Mark gekostet und ich war furchtbar stolz darauf.“

Die erste Ausbildung beginnt Primus in einer Metzgerei

Seine erste Ausbildung begann Harald Primus in einer Metzgerei. Eigentlich wollte er Koch werden, doch nachdem er die Hauptschule abschloss, war er noch zu jung für die Kochlehre. Die Ausbildung zum Koch holte er anschließend nach, brach sie aber ab.

Von da an hatte er in den folgenden Jahren viele verschiedene Aushilfsjob, er war Müller in einer Mühle, half bei einer Landschaftsgärtnerei aus und deckte mit einem Bekannten Dächer – bis er 1990 nach Italien auswanderte. Seine Tante bot ihm an, in ihrem Restaurant zu arbeiten, und plötzlich war „Harry“ Primus Koch und Pizzabäcker, er bildete sich weiter und mixte professionell Cocktails.

In Florenz ist er als lokale Berühmtheit gefragt

„In dieser Zeit habe ich viele Leute kennengelernt“, sagt Primus. „Und irgendwie bin ich dann Showtänzer und Animateur geworden.“ Als lokale Berühmtheit war er in Florenz ein gefragter Mann. „Die Chefs der Diskotheken haben ein Wettbieten um mich veranstaltet, damit ich mit den Frauen in der Disko tanze. An einem Abend habe ich bis zu einer Millionen Lire bekommen“, erzählt Primus, der diese Phase als seine Lieblingszeit bezeichnet, da er sein Hobby zum Beruf machen konnte.

Ein paar Jahre später, als „Harry“ Primus schon wieder in Deutschland lebte, ergab sich für ihn die Möglichkeit, auf Mallorca zu leben und zu arbeiten. Er kümmerte sich um die Technik bei Auftritten verschiedener Künstler und legte als DJ auf. „Ich habe dann sogar Drafi Deutscher kennengelernt und mit ihm eine Platte aufgenommen. Das war ein unglaubliches Erlebnis.“

Erst restauriert er ein Restaurant, dann fährt er Lkw

Im Jahr 2000 kehrte er nach Deutschland zurück, restaurierte eine Gaststätte und arbeitete dort auch an der Theke. Im Anschluss fuhr er Lkw, baute Sonnenbänke und machte eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der Volksfürsorge. „Ich bin schnell in die Führungsetage aufgestiegen, aber da habe ich den Kontakt zu den Menschen verloren, das war nichts für mich“, so Primus. Also suchte sich der „Fast-Alleskönner“ eine andere Tätigkeit und wurde selbstständig, er eröffnete „Harrys Kiosk“ in Bredenscheid und führte dazu einen Getränkemarkt. Aufrund mehrerer Schicksalsschläge musste er beide Geschäfte wieder schließen.

Aktuell arbeitet „Harry“ bei einem Fischladen in Welper. „Da bin ich Mädchen für alles“, allerdings ist er nur für zwei Tage in der Woche dort beschäftigt. Mit seinem Lebenslauf und seinen Qualifikationen sei es sehr schwierig, in Deutschland einen Arbeitsplatz zu bekommen. Für manche seien seine vielen Jobs ein Problem, für andere Jobs sei er überqualifiziert. „Ich halte es aber nicht mehr aus, nur zu Hause zu sitzen. Wenn sich nichts ändert, werde ich in Österreich oder in den Niederlanden etwas suchen“, so Primus. Seine Frau sei mit diesem Vorhaben allerdings nicht einverstanden.

Sein Traum ist, eine TV-Show zu moderieren

Einen idealen Beruf gebe es für ihn nicht, aber einen Traum habe er noch, so Primus. „Es wäre das Größte, wenn ich noch einmal eine Show im Fernsehen moderieren könnte“, sagt er – mit dem Wissen, dass sich dieser Traum wohl nicht mehr erfüllen wird.

>>> INFO: Allein im Büro zu sitzen und mit Zahlen und Namen zu hantieren, das war nie das Ding von Harald Primus. Wohl fühlt er sich nur, wenn er in seinem Beruf Kontakt zu Menschen hat. Auch zu Kindern hat und hatte „Harry“ immer einen guten Draht und so ist es nicht verwunderlich, dass er eine Zeit lang auch Babysitter und Kinderbetreuer war.

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