Schulpolitik

Gymnasium: Sprockhövel sucht Kontakt mit den Nachbarstädten

Sollte in Sprockhövel ein Gymnasium gebaut werden, könnte es auf der Ackerfläche neben der Mathilde-Anneke-Schule und der Grundschule Börgersbruch entstehen. Foto:

Sollte in Sprockhövel ein Gymnasium gebaut werden, könnte es auf der Ackerfläche neben der Mathilde-Anneke-Schule und der Grundschule Börgersbruch entstehen. Foto:

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Sprockhövel.  Die Verwaltung will im Gespräch mit Hattingen und Gevelsberg sondieren, ob das Gymnasial-Angebot für Sprockhöveler Kinder dauerhaft besteht.

Die Stadtverwaltung hat von der Politik den Auftrag erhalten, die Errichtung eines Gymnasiums in Sprockhövel zu prüfen. In einem Gespräch mit der Bezirksregierung war zu erfahren, dass eine wesentliche Bedingung – eine erforderliche Mindestschülerzahl von jeweils 81 Kindern in den nächsten fünf Jahren – erfüllt würde. Die Arnsberger betonten jedoch, Voraussetzung sei, dass alle in Frage kommenden Kinder aus dem gesamten Stadtgebiet das Sprockhöveler Gymnasium besuchen müssten.

774 Sprockhöveler besuchen Gymnasien in den Nachbarstädten

Eine weitere Hürde ist die von Arnsberg vorgeschriebene Abstimmung mit den Nachbarkommunen, denn von den 774 Sprockhöveler Gymnasiasten (Stichtag 31. Dezember 2017) besuchen 388 die beiden Hattinger Gymnasien und 254 die Einrichtung in Gevelsberg. In beiden Städten tragen die Sprockhöveler Schüler mengenmäßig dazu bei, jeweils vierzügige Gymnasien anbieten zu können – 39 Schüler aus Niedersprockhövel (1,5 Klassenzüge) in Hattingen, bis zu 30 Kinder aus Haßlinghausen (eine Klassenstärke) in Gevelsberg.

Hattingen und Gevelsberg fahren gut mit „Sprockhöveler Importen“

„Bei Gesprächen mit Verwaltungsvertretern beider Nachbarstädte wurde uns verdeutlicht, dass man aufgrund gewachsener Strukturen und der zweipoligen Ausrichtung Sprockhövels dauerhaft auf die ,Importe’ aus der Nachbarstadt eingestellt sei und gut damit fahre“, berichtet die Fachabteilungsleiterin Evelyn Müller. Weder Hattingen noch Gevelsberg beabsichtige, die jeweilige Vierzügigkeit zu verringern.

Hattinger Stadtverordnetenversammlung lehnt Gymnasium in Sprockhövel ab

Genau das wäre aber nötig: In der Gevelsberger Schule wie auch in den beiden Hattinger Gymnasien müsste jeweils ein Klassenzug wegfallen, um das Ziel der Mindestschülerzahl für ein Sprockhöveler Gymnasium bereitstellen zu können. Die Hattinger Stadtverordnetenversammlung hat da sogar ein Signal gesetzt und im April die Einrichtung eines Gymnasiums in Sprockhövel per Beschluss abgelehnt, weil negative Auswirkungen auf die Bildungsmöglichkeiten in beiden Städten gefürchtet werden.

SPD will Situation wie bei Gesamtschule Hardenstein in Witten verhindern

Im Schulausschuss verteidigte Klaus Knippschild (SPD) noch einmal die Initiative seiner Partei für ein Gymnasium, indem er auch auf abgewiesene Sprockhöveler Gesamtschüler in Witten verwies: „,Witten first’ möchte ich nicht mit unseren Gymnasiasten in Hattingen und Gevelsberg erleben. Wir müssen die gymnasiale Bildung für unsere Kinder sicherstellen, und das nicht als Bittsteller.“

Im Gespräch mit dieser Zeitung stellt Evelyn Müller klar, dass die Zurückweisung von Sprockhöveler Gymnasiasten nicht zu erwarten sei, weil es hier eben diese Schulform nicht gebe – im Gegensatz zur Hardenstein-Gesamtschule Witten, wo angesichts überstarker Nachfrage die Sprockhöveler Interessierten auf die eigene Wilhelm-Kraft-Gesamtschule verwiesen wurden.

„Konstrukte Gespräche“ mit Hattingen und Gevelsberg

Demnächst wird die Verwaltung erneut mit den Nachbarstädten „konstruktiv“ sprechen, um den Zugang Sprockhöveler Kinder zu deren Gymnasien sicherzustellen.

Tanja Kaschel (CDU) mochte keine großen Chancen mehr für ein Gymnasium in Sprockhövel erkennen: „So wie ich das sehe, gibt es keinen regionalen Konsens, also auch kein Gymnasium!“

KOMMENTAR

Bei allem Verständnis für die zahlreichen Politiker, die sich in Sprockhövel ein Gymnasium wünschen, es ist doch Skepsis angebracht.

Die Bezirksregierung als Genehmigungsinstanz hat die Latte in einigen Bereichen hoch gehängt: Es zeichnet sich ab, dass Hattingen und Gevelsberg kein grünes Licht für ein Gymnasium in Sprockhövel geben, das ihre eigenen Standorte schwächen würde. Und die freie Schulwahl ist Elternrecht – völlig abwegig anzunehmen, dass alle zum Gymnasium wechselnden Grundschüler aus patriotischer Motivation ausschließlich in Sprockhövel beschult werden wollen.

Worüber merkwürdigerweise gar nicht gesprochen wird, sind die Investitionskosten, die vor unsicherer Förderkulisse mehrheitlich von Sprockhövel zu schultern wären. Ralph Holtze von der ZGS hat sie mal – abhängig von der Schulgröße – zwischen 20 und 30 Millionen Euro taxiert. Und dabei schluckt die Kommunalpolitik schon heftig bei einer runden Million für einen (unbedingt notwendigen) neuen Kindergarten.

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