Bergbau

Entdeckungstour führt unter Tage im Stollen von Alte Haase

Oliver Pelczer berichtet im Stollen der Zeche Alte Haase von Sprockhövels Bergbau-Vergangenheit. Am Bergmannstag hatten Besucher die Gelegenheit, unter Tage zu gehen.

Oliver Pelczer berichtet im Stollen der Zeche Alte Haase von Sprockhövels Bergbau-Vergangenheit. Am Bergmannstag hatten Besucher die Gelegenheit, unter Tage zu gehen.

Foto: Carsten Klein

Sprockhövel.   Beim Bergmannstag erkunden die Besucher unter anderem einen Stollen der Zeche Alte Haase in Sprockhövel. Dabei finden sie viele Bergbau-Relikte.

In Gummistiefeln und Trekkingschuhen watet die Gruppe durch den Morast. Es ist stockdunkel, nur die Lampe am Helm wirft einen kreisförmigen Lichtpunkt an die Steinwände des Stollens. Auf den Spuren der eigenen Stadtgeschichte erkunden die Sprockhöveler den Zugang der Zeche Alte Haase am Industriepark. Anlässlich des 56. Bergmannstags öffnen die Organisatoren den Stollen für Besucher. „Es gibt auch Leute, die gucken sich Burgen an und wir wollen eben unsere Geschichte lebendig halten“, sagt Mitorganisator Ulrich Jordan. Und das heißt in Sprockhövel nun mal: Ab unter Tage.

Wolfgang und Gertrud Sellner freuen sich, dass sie endlich einen Blick in den Stollen werfen können. „Wir haben früher hier um die Ecke gewohnt und immer gesagt, das wäre doch toll da mal reinzukommen.“ Wolfgang Sellner hat früher Dampfloks repariert – sein Vater arbeitete in einer Eisengießerei. „Ich hatte zwar nur indirekt mit dem Bergbau zu tun, aber ganz drum rum kam hier in der Region einfach keiner.“

Alte Schuhe und Schnaps

Sprockhövel ist die Wiege des Ruhrbergbaus. „Ich kann mich noch daran erinnern, dass der Bauer früher mit einem Anhänger die Kohle abgeholt hat“, erzählt Heinz-Jürgen Hoffmann. Und nicht zuletzt der Malakowturm und die Zechengebäude erinnern bis heute an die Zechengeschichte.

Für die Besucher ein Grund mehr, etwas über den Kohleabbau zu erfahren. „Man wohnt ja quasi direkt drauf“, sagt Julia Fleischer. Und zwar genau genommen auf einem der größten Grubenfeldflächen Deutschlands: 46 Quadratkilometer erstreckte sich die Zeche Alte Haase unterirdisch.

Minitropfsteine aus Kalk

Vorsichtig tasten die Besucher sich weiter, vorbei an einem großen Erdhaufen, einer sogenannten Verfüllsäule, die aus einem Schacht schwappt. Sie sind immer darauf bedacht, nicht über die Lorenschienen auf dem Boden zu stolpern. Links und rechts davon haben sich Pfützen gebildet, von der Decke hängen Minitropfsteine aus Kalk. Wie haben sich die Bergmänner früher wohl gefühlt? Das kann man heute nur noch erahnen.

Andreas Fleischer ist unterhalb der Zeche groß geworden: „Ich habe damals mitgekriegt, wie die Ablasse gesprengt worden sind, da muss ich so 14 gewesen sein.“

Funde in einer Lore

Ein Stück weiter steht eine gelbe Lore auf den Gleisen. Darin stapeln sich alte Schuhe, Geröll und Papierschnipsel von alten Lieferscheinen – alles Relikte aus den Verfüllsäulen. Auch alte Schnapsflaschen, die einen ganzen Glascontainer gefüllt hätten, haben die Organisatoren darin gefunden. „Eine war sogar noch voll“, erzählt Uwe Peise.

Der Schacht endet an einem Lorenaufzug. Viel erkennen kann man allerdings nicht mehr – außer gelben Rollo-Resten. „Die Fensterbaufirma, die früher die Gebäude neben der Zeche besaß, hat ihren Müll einfach in den Stollen entsorgt“, erklärt Uwe Peise. Müllsäcke voll wurden schon aus dem Bergwerksgang geschafft und trotzdem sind die Bergbaubegeisterten noch nicht ganz fertig.

Sprachrohr aus dem Stollen

An der Wand hängt ein verrostetes Sprachrohr. Das ermöglichte den Bergleuten die störungsfreie Kommunikation, wenn eine Lore wieder nach oben sollte. Bis auf die oberste Etage des Malakowturms wurde die Kohle gefördert. Das ist mittlerweile lange Geschichte – aber die Stollen und die verbliebenen Zechengebäude erinnern die Sprockhöveler an ihre Geschichte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben