Wasserpfeife

Warum der Shisha-Hype noch lange nicht vorbei ist

Ein Mann raucht vor einer Shisha-Bar. Laut einer aktuellen Umfrage sind Wasserpfeifen vor allem bei Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren hoch im Kurs.

Ein Mann raucht vor einer Shisha-Bar. Laut einer aktuellen Umfrage sind Wasserpfeifen vor allem bei Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren hoch im Kurs.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Siegen.  Seit Jahren liegen Wasserpfeifen im Trend – auch in Siegen. Ein Chefarzt für Pneumologie warnt allerdings vor den Risiken des Shisha-Rauchens.

Sie gilt als die süße Versuchung unter den Tabakwaren: die orientalische Wasserpfeife. Vornehmlich junge Leute versammeln sich gegen Abend in kleinen Gruppen in Siegens Shisha-Bars, um gemeinsam zu einer Tasse Tee oder einem Glas Cola an der beliebten „Friedenspfeife“ zu ziehen. Und der Boom lässt noch lange nicht nach.

Laut einer aktuellen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rauchen vor allem junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren Shisha. Angaben des statistischen Bundesamts zeigen, dass sich der Verbrauch von Pfeifentabak, zu dem auch der Shisha-Tabak zählt, zwischen 2014 und 2018 mehr als verdoppelt hat. Der Zigarettenkonsum ist derweil stark rückläufig: Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich die Anzahl verkaufter Zigaretten in Deutschland nahezu halbiert.

Nicht überall erlaubt

Viele Konsumentinnen und Konsumenten besitzen mittlerweile eigene Wasserpfeifen und bevorzugen Shisha-Rauchen in den eigenen vier Wänden, anstatt eine doch eher kostspielige Shisha-Bar zu besuchen. Vor allem im Sommer kann die transportable Wasserpfeife auch mal auf den Balkon, in den Garten oder sogar an den Badesee mitgenommen werden. Viele Siegerländer Shisha-Raucher suchen auch den Schlosspark oder andere öffentliche Plätze auf. Für den Konsum in der Öffentlichkeit gelten bisher kaum gesetzliche Regelungen.

Grundsätzlich heißt es: Die Ordnungsbehörde kann erst dann ein Verbot erteilen, wenn durch Shisharauchen ein Schaden von Schutzgütern der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu erwarten wäre, wie die Stadt Siegen auf Anfrage mitteilt. Die Stufenanlage des Siegufers sowie der Kunstweg bis zur Apollobrücke sind bereits seit Juni 2017 für Wasserpfeifenraucher tabu.

Einerseits hatte es in der Anfangszeit nach Öffnung der Stufenanlage Probleme mit Verunreinigungen infolge von Shisha-Treffs an der Sieg gegeben, andererseits fühlten sich nichtrauchende Besucher gestört. Ansonsten dürfen Shishas unter anderem auf öffentlichen Spiel- und Parkplätzen, an Badeseen und grundsätzlich auch in Schwimmbädern geraucht werden, sofern kein offizielles Shishaverbot in der Hausordnung aufgeführt ist und die Konsumenten auf andere Besucherinnen und Besucher Rücksicht nehmen. Streng untersagt ist hingegen laut Jugendschutzgesetz das Abgeben von Tabakerzeugnissen an Minderjährige in Gaststätten, Verkaufsstellen und anderen öffentlichen Räumen.

Risiko nicht zu unterschätzen

Dr. Jörg Hinrichs, Chefarzt für Pneumologie am Kreisklinikum Siegen, verweist auf die Risiken des regelmäßigen Shishakonsums: „Über das Rauchen von Wasserpfeifen werden mehr als 82 verschiedene Schadstoffe aufgenommen. Hierzu zählen außer Nikotin auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine, Benzole und Schwermetalle.“ Von diesen 82 Stoffen seien 22 krebserregend: „Zigaretten und Shishas nehmen sich von ihrem Schadstoffgehalt nicht viel. Beides kann bei regelmäßigen Konsum das Lungenkrebsrisiko um das 1,3- bis 1,4-fache erhöhen. Außerdem kann es zu Tumoren im Mundbereich kommen.“

Chefarzt entlarvt Mythos

Der Mythos, dass durch das Wasser im Glasbehälter der Pfeife Gifte gefiltert werden können, stimmt nicht: „Durch das Wasser wird der Rauch lediglich gekühlt – weniger schädlich ist die Wasserpfeife dadurch nicht“, erklärt der Chefarzt. Es gelte deshalb, Shishas wie auch Zigaretten und andere Tabakerzeugnisse nur in Maßen zu genießen. Und ganz besonders wichtig: beim Rauchen in geschlossenen Räumen Fenster öffnen! Dr. Hinrichs warnt: „Durch eine Sitzung Shisha-Rauchen nimmt die Lunge so viel Kohlenstoffmonoxid auf wie durch acht Zigaretten. Das kann zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen, wenn nicht richtig gelüftet wird.“

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