E-Mobilität

Von Grund auf die Welt verändern

„Udo Schimski, Rentner und gelernter Kfz-Mechaniker, verwaltet während der Pilotphase das Grunder E-Auto.. Beim Mobilitätsmarkt steigt eraufs Segway um. Fotos:Steffen Schwab

„Udo Schimski, Rentner und gelernter Kfz-Mechaniker, verwaltet während der Pilotphase das Grunder E-Auto.. Beim Mobilitätsmarkt steigt eraufs Segway um. Fotos:Steffen Schwab

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Grund. Nach dem Proberollen mit dem Segway kehrt Udo Schimski zu dem Nissan Leaf zurück, dem Elektroauto, das er seit Mai für die Grunder als Dorfauto verwaltet. Voller Respekt spricht der Kfz-Mechaniker, der zu Beginn seiner Berufslaufbahn an den Autos die Winker abbaute und mit Blinkern ausstattete, von der technischen Entwicklung: „Ich bin froh, dass ich das noch erleben kann.“

Grund probiert E-Mobilität aus, noch bis zum Ende dieses Monats. Am Montag haben Südwestfalen-Agentur und Energieagentur Gäste in das „energiekluge“ Dorf eingeladen: Autohändler und Fahrradclub, Bürgerbusverein und Touristikverband, Klimawelten und RWE sind auf dem E-Mobilitätsmarkt in der Dorfmitte dabei. Europa- und Landtagsabgeordnete geben sich die Ehre, der Landrat und der Bürgermeister. Grund, so sagt es Bürgermeister Hans-Peter Hasenstab zur Begrüßung, stehe nicht nur für E-Mobilität, sondern beweise, „dass Car-Sharing auch auf dem Lande gut funktionieren kann.“ Was das Dorf endgültig für höhere Weihen qualifiziert: Immerhin hat Hilchenbach sich vorgenommen, bis 2025 einen seiner Stadtteile CO2-neutral zu machen.

„Sie haben sich dafür engagiert, dass hier im Kleinen ein Stück Energiewende stattfinden kann“, lobt Horst Becker, Parlamentarischer Staatssekretär im Umweltministerium, die Grunder, denen er auch noch ein Wortspiel mit auf den Weg gibt: „Auch wenn Grund nicht die ganze Welt verändern kann — von Grund auf kann man die ganze Welt verändern.“ Der Grünen-Politiker weist auf die „stille Revolution“ hin, die mit der Verbreitung der elektrisch betriebenen Fahrräder, der Pedelecs, längst begonnen hat — sie macht den Radwegebau in Topografien interessant, die vor zehn Jahren dafür noch nicht in Frage gekommen wären. Becker sagt aber auch, dass zur Mobilitätspolitik noch mehr gehört: an die Bedürfnisse des ländlichen Raums angepasster öffentlicher Verkehr, zum Beispiel. Und er sagt, was nicht dazugehört: „Ich glaube, dass Zukunft nicht gestaltet wird, indem man weiter Schneisen in die Landschaft schlägt.“ Vorhandene Straßen müssten saniert und ertüchtigt werden, sagt Becker, ohne das Route-57-Projekt zu nennen.

Themen: Car-Sharing und ÖPNV

Nichts anderes sagt Jürgen Daub vom Projektbüro remonet, das für die Stadt Siegen arbeitet: „Je mehr Straßen wir bauen, desto mehr Mobilität produzieren wir.“ Da helfe es auch nicht, Autos mit Verbrennungsmotor zu verschrotten und durch E-Autos zu ersetzen: „Ökologisch gesehen ein Desaster.“ Daub spricht von Anforderungen an die Stadtplanung, von Car-Sharing, von öffentlichem Verkehr: „Den hat Ihr Vorgänger leider verkauft.“ Da kann Landrat Andreas Müller, Zuhörer in der ersten Reihe, nicht widersprechen.

Das E-Forum nimmt seinen Lauf. Lars-Ole Daub, Projektmanager bei der Südwestfalen-Agentur, nennt das Ziel, „Dorfgemeinschaften bei energieklugen Ideen zu unterstützen“. Jörg-Heiner Stein blickt in die Grunder Zukunft. Car-Sharing, sagt er, „ist eine Herausforderung.“ Wie man die meistert, schildert Sylvia Fahle. Genau zwischen Köln und Aachen liegt das Eifel-Dorf Gey, das sich ein E-Auto teilt und die Anschaffung mit Werbeeinnahmen finanziert hat. „Ein spannender Weg, der noch nicht zu Ende ist.“

Draußen entwickelt sich so etwas wie Markttreiben, bewirtet von der Dorfjugend. Udo Schimski ist bei den Autos. Ob für ihn selbst so ein E-Mobil in Frage komme? Der Nissan nicht, sagt der Fachmann. „Aber den Zoe“, zeigt er auf das Kleinstauto der nächsten Generation von Renault, dessen Akku binnen einer halben Stunde wieder voll ist, „den könnte ich mir vorstellen.“ Bis zum Wochenende können die Grunder ihn ausprobieren.

Sonnenstrom und Geothermie 

Klimaschutzmanagerin Birgit Frerig-Liekhues hat Ideen, wie das energiekluge Grund weiterarbeiten kann: Geothermie könnte ein Thema werden.

Wenn es das Dorf-E-Auto gibt, so Projektmanager Lars Ole Daub, könnte der Strom dafür über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Ladestation genauso gut selbst erzeugt werden.

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