Fettexplosion

Explosion in Alchen: Weitere Frau noch in Lebensgefahr

Spezialisten transportieren die Pfanne ab, um sie eingehender untersuchen zu können. Den Erkenntnissen des Brandsachverständigen zufolge hielt die Konstruktion der Hitze nicht stand.

Spezialisten transportieren die Pfanne ab, um sie eingehender untersuchen zu können. Den Erkenntnissen des Brandsachverständigen zufolge hielt die Konstruktion der Hitze nicht stand.

Foto: Hendrik Schulz

Alchen.  Nach der Explosion einer Bratpfanne beim Backesfest in Alchen schwebt eine Frau noch in Lebensgefahr. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Der Schock sitzt tief nach der Explosion einer Bratpfanne beim Alcher Backesfest am Sonntag: Eines der sechs schwer verletzten Opfer, eine 67-Jährige Frau, ist am Montag in einer Dortmunder Klinik den schweren Verletzungen erlegen. Wie ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen mitteilte, schwebt eine weitere Frau noch in Lebensgefahr. Die beiden Frauen hatten bei dem Backesfest gemeinsam Kartoffeln gebraten.

Insgesamt 14 Menschen waren verletzt worden, sechs davon schwer, als es in der gasbetriebenen, übergroßen Bratkartoffel-Pfanne zu einer Verpuffung gekommen war. Die gewaltige Stichflamme unter dem robusten Unterstand hatte sich nicht nach oben ausbreiten können.

Die Untersuchungen: Handwerklich sehr gute Schweißarbeit

Die Ermittlungen zur Ursache der verheerenden Explosion ergaben, dass die selbst konstruierte Pfanne der Hitze nicht standhielt. Die Pfanne ist aufgebaut wie eine Thermoskanne, erläutert Polizeipressesprecher Michael Zell: Eine innere, ebene Schale zum Kartoffeln braten, drum herum eine Wanne. Im Zwischenraum: Öl, das über die Gasflammen erhitzt wird – so kann die Hitze gleichmäßig verteilt werden.

„Das ist sehr gute handwerkliche Schweißerarbeit“, betont Michael Zell, nachdem Spezialisten die Pfanne untersucht haben. Jahrelang habe die Konstruktion gut funktioniert, auch einen Probelauf vor dem Unglück überstand die Pfanne unbeschadet. Am Sonntag allerdings dehnte sich das Material aus, wie ein Luftballon. Die Ursache dafür wird noch untersucht. Jedenfalls entstanden Risse in der Wanne, das Öl wurde Richtung der Gasflamme darunter zerstäubt, bildete mit der Luft ein explosionsfähiges Gemisch.

„Eine Verkettung von tragischen Umständen“, sagt Michael Zell – ob es an Materialermüdung lag, ob ein Überdruckventil nicht richtig geschlossen war oder der Gasdruck zu hoch eingestellt war müssen die weiteren Analysen zeigen. Sorge macht der Polizei, dass es weitere Pfannen dieser Bauart geben könnte.

Die nächsten Backesfeste: Auf Gefühlslage der Menschen Rücksicht nehmen

Die kommenden Freudenberger Backesfeste sind zunächst zur Disposition gestellt. „Wir möchten auf die Gefühlslage der Menschen Rücksicht nehmen“, sagt Bernd Brandemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine: Samstag sollte eine Ortsbegehung zur Vorbereitung der Freudenberger Backestour stattfinden, damit Sonntag, 29. September, acht Backhäuser öffnen.

„Der Vorstand wird am Donnerstag tagen, um über das das weitere Vorgehen zu entscheiden“, sagt Brandemann. Man werde das Thema gemeinsam mit allen Beteiligten besprechen. „Wir denken besonders an die Verletzten und wünschen ihnen eine schnelle und nachhaltige Genesung. Auch deren Familien wünschen wir alle Kraft“, so die Vereine. „Wir danken allen Rettungskräften, die in Alchen zu Hilfe kamen. Wir sind in Gedanken bei den Mitgliedern des Heimatvereins Alchen und ihrer Besucher, die durch das tragische Unfallgeschehen schockiert und erschüttert sind.“

Der Knall der Explosion unter dem bedachten Grillstand war bis in umliegende Dörfer zu hören. Zwischen 100 und 150 Menschen seien zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem ehrenamtlich organisierten Fest gewesen. Notfallseelsorger waren im Einsatz, die Polizei sprach von einer „furchtbaren Tragödie“.

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