Jubiläum

Siegerländer Weinkonvent feiert 40-jähriges Bestehen

Angestoßen wird immer — hier die Kreuztaler AG Weindorf mit Weinkonventspräsident Wolfgang Narjes (Mitte), Weinkönigin, Vertretern von Stadt und Werbering

Angestoßen wird immer — hier die Kreuztaler AG Weindorf mit Weinkonventspräsident Wolfgang Narjes (Mitte), Weinkönigin, Vertretern von Stadt und Werbering

Foto: WP

Kreuztal/Siegen.  Gründungsversammlung neben der Eichener Brauerei. Am Jubiläumswochenende geht es auch um den Klimawandel und um das Weltkulturerbe.

Oder Siegen/Kreuztal? Da fängt‘s schon an. „Nach Kreuztal kommen die Siegener nicht“, weiß Wolfgang Narjes, „und in die Siegerlandhalle kommen die Kreuztaler nicht.“ Narjes ist Präsident des Siegerländer Weinkonvents. Er und seine derzeit um die 120 Mitstreiter haben es in 40 Jahren geschafft, den Konflikt irgendwie zu lösen. Mit Gastspielen in Buschhütten, in Weidenau – und nun endlich angekommen in der Käner Weißtalhalle, wo auch Platz für das etwa 400 Flaschen große Lager für die Weinproben ist, die Domäne der beiden Kellermeister Michael Dickel und Marc Weber.

So fing es an

Nein, so furchtbar ernst ist das alles nicht. Auf dem Wappen in Gelb und Grün sind zu dem Sinnspruch „In Vite Vita“ („Im Weinstock das Leben“) eine Weinkelter und ein Mäckes abgebildet. Nicht der auf zwei Beinen, sondern die Siegerländer Kaffeekanne.

Um Fakten sprechen zu lassen: Kaan-Marienborn, nur gegen seinen Willen nach Siegen eingemeindet, ist eigentlich Teil des alten Amts Weidenau. Der Silberfuchs aber, wo der Weinkonvent den roten Regent und den weißen Solaris anbaut, ist eindeutig in Siegen. Gegründet aber wurde der Siegerländer Weinkonvent 1979 in Kreuztal, im Eichener Hamer, in Sicht- und Riechweite der (Bier-)Brauerei. Wolfram Reinders, damals Werbechef der Stadtsparkasse, war für die ersten vier Jahre Präsident, und der frisch im Siegerland angekommene Wolfgang Narjes wurde sein Kanzler. Reinders war es auch, der aus der Idee mit den zwei Weinfässern, die das neue Kreuztaler Einkaufszentrum ein wenig süffiger machen sollten, das Weindorf entwickelte. Das gibt es 2020 zum 40. Mal.

Worum es eigentlich geht

„Hinter jeder Flasche Wein stehen Menschen, Landschaften und Betriebe.“ Wolfgang Narjes hat in seinen Volkshochschulkursen Generationen von Weinkundigen ausgebildet – und sieht zuversichtlich in die Zukunft: „Die jungen Menschen haben großes Interesse und wollen viel wissen.“ Auch bei den Weinproben legt Narjes Wert auf das, „was hinter der Flasche steht“. So liegt es fast auf der Hand, dass über das Aufnahmeverfahren der Weinkultur für das Unesco-Weltkulturerbe bei der Tagung im Mai in Siegen gesprochen wird. Die Deutschen zuerst? „In Frankreich ist das nicht so ausgeprägt“, antwortet Wolfgang Narjes. Dort sei der Wein vor allem Ware. Anbauen, verkaufen, trinken.

Das andere Thema im Mai überrascht zunächst nicht: Es geht um den Klimawandel und die Folgen für den Wein. Neue Schädlinge – und ein neuer Zeitplan. Mittlerweile beginnt die Lese schon Ende August. Das könnte sogar für das Kreuztaler Weindorf kritisch werden, das von einem Termin vor Beginn der Arbeiten in den Weinbergen abhängt. Wolfgang Narjes mag gar nicht über ein Weindorf in den Sommerferien nachdenken – erst recht nicht nach all dem Streit mit der Konkurrenz vom Siegener Stadtfest. Gespürt haben sie das sogar auf dem Silberfuchs. „Mehr Sonne bedeutet mehr Zuckereinlagerung.“ Und höheren Alkoholgehalt und weniger Säure. „Zu einem Riesling passt das überhaupt nicht.“ Immerhin: Die Ernte ist reichlich. Von dem 2018er wird Bürgermeister Steffen Mues sicher mehr als 20 Flaschen bekommen - der Stadt steht ein Drittel als Pachtzins für ihr Grundstück zu, das der Konvent seit 2010 bewirtschaftet.

Wie Siegerland wichtig wird

1982 schon wird der Siegerländer Weinkonvent in den Dachverband der deutschsprachigen Weinbruderschaften aufgenommen. Wolfgang Narjes wird 1990 erstmals in den Vertrauensrat gewählt, von 2002 bis 2018 ist er auch dort Präsident, seither Ehrenpräsident.

„Innovation und Veränderung kommt nur durch den Generationenwechsel“, begründet Narjes seinen Rückzug. Seit 1991 gehört er der Jury an, die die deutsche Weinkönigin wählt, seit der Umstellung auf ein elektronisches, schnelleres und damit fernsehgerechteres Abstimmungsverfahren führt er die Wahlaufsicht: „Die Anbaugebiete akzeptieren mich alle – ich bin gebietsneutral.“ Soll heißen: Die 60 Flaschen vom Silberfuchs sind keine ernstzunehmende Konkurrenz für Mosel, Rhein, Franken und Co. Heißt aber auch: Bei so vielen Kontakten gehen Türen auf, wenn der Siegerländer Weinkonvent Prominenz aus den Weinbaugebieten zum Kreuztaler Weindorf einlädt.

In die Konventsgeschichte eingetragen ist das Jahr 2014, als die Siegerländer das Treffen der Weinbruderschaften ausrichteten. „Das war für uns eine besondere Herausforderung“, sagt Wolfgang Narjes. Denn allzu oft kommen die Bruderschaften nicht in die Diaspora – immerhin 32 Jahre waren seit dem letzten Treffen in Nordrhein-Westfalen vergangen. 1985 und 1990, bei der Weltmeisterschaft der Weinkenner, stellten die Siegerländer das WM-Team, Reinhold Währinger aus Ruckersfeld wurde Weltmeister, Ralf Heinrich aus Oberschelden deutscher Meister.

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