Dschihadisten

Polizei nimmt neun mutmaßliche Dschihad-Unterstützer fest

Die Polizei hat mutmaßliche Unterstützer von islamistischen Kämpfern festgenommen.

Die Polizei hat mutmaßliche Unterstützer von islamistischen Kämpfern festgenommen.

Foto: Archiv: dpa

Siegen.   Der Polizei ist ein Schlag gegen ein mutmaßliches Dschihadisten-Netzwerk gelungen. In einem Großeinsatz haben die Beamten in Siegen, Köln, Kreuztal und Netphen mehrere Männer festgenommen. Sie sollen in Kirchen und Schulen eingebrochen sein und mit der Beute Kämpfer in Syrien unterstützt haben.

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Deutsche Sicherheitsbehörden haben in Nordrhein-Westfalen zum bisher massivsten Schlag gegen Anhänger des terroristischen „Islamischen Staates“ (IS) ausgeholt. Am frühen Morgen stürmten 240 Polizeibeamte und Staatsanwälte der „Ermittlungsgruppe Reise“ Wohnungen in Köln, Siegen, Bergisch-Gladbach, Kreuztal und Netphen.

Sie nahmen acht Verdächtige im Alter zwischen 22 und 58 Jahren fest. Gegen 20 weitere IS-Anhänger, offenbar Helfer, laufen Ermittlungsverfahren. Auch ihre Wohnungen wurden durchsucht.

Einbrüche in Schulen und Kirchen

Nach Angaben des Generalbundesanwalts und der Staatsanwaltschaft in Köln galt die Aktion einem breit angelegtes „dschihadistischen Unterstützernetzwerk“ mit salafistischem Hintergrund, dem nicht nur die Schleusung junger Menschen in die Kriegsgebiete in Nordsyrien und Nordirak vorgeworfen werden. Es soll vor allem Geld beschafft haben. Auffallend: Auf das Konto der Beschuldigten sollen Einbrüche in Schulen und sogar Kirchen in Siegen und Köln gehen.

Tatsächlich hatte es in den letzten Monaten im Kölner Raum zahlreiche, genau durchgeplante Raubzüge gegen Kirchen gegeben, bei denen die unbekannten Diebe sich zunächst in Pastoralbüros Schlüssel besorgt und anschließend Tresore geplündert haben. Ob diese Vorgänge mit den Festnahmen von heute morgen in Zusammenhang stehen, ist noch unklar.

Mehr als 400 "Kämpfer" aus Deutschland

Die Beute aus den Überfällen auf Schulen und Kirchen sollen die Täter unmittelbar zur Finanzierung der IS-Angriffe im nahen Osten verwendet haben, wie es in den Erklärungen der Staatsanwaltschaft Köln und der Bundesanwaltschaft heißt.

Ein weiterer Teil diente der Finanzierung der Ausreise von „Kämpfern“, die unter jungen Islamisten in Deutschland seit Monaten rekrutiert werden und deren Zahl inzwischen bundesweit bei mehr als 400 liegt, 140 davon aus NRW. Mit dem Raubgut wurden unter anderem gefälschte Pässe für die Ausreisewilligen beschafft. Die Fahnder sicherten bei der Durchsuchung der Wohnungen Beweismittel.

Beschuldigte sollen Kämpfer nach Syrien geschleust haben

Die Festgenommenen sind mit einer Ausnahme deutsche Staatsbürger, den Namen nach alle mit Migrationshintergrund. Der jüngste, Lazhar B., ist 22 Jahre alt, der älteste Mirza Tamoor B., 58 Jahre.

Der Pakistani Mirza Tamoor B. und der 31-jJährige Kais B. O. sind im Großraum Köln durch einen Haftbefehl des Generalbundesanwalts festgenommen worden. Der Vorwurf gegen die beiden: Schon seit 2013 zwei bzw. drei Kämpfer nach Syrien geschleust und den Terrororganisationen „islamischer Staat in Irak und Großsyrien“, „Arar al Sham“ und „Junud al Sham“ Geld zur Verfügung gestellt zu haben und auch ein Transportfahrzeug.

Betrugsmaschen im Internet

Alle Festgenommenen werden im Laufe des heutigen Tages in Köln und beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe dem Haftrichter vorgeführt.

Schon seit mehreren Monaten geht die Bundesanwaltschaft massiv gegen die Netzwerke des IS in Deutschland vor. In einigen Fällen ist bereits Anklage vor den Staatsschutzsenaten der Oberlandesgerichte erhoben worden. Auch mit der Aktion von heute morgen wir klar, dass die islamistischen Terrorbanden die Bundesrepublik vor allem als Rekrutierungsterrain, dann aber auch zur Finanzierung der Kämpfe nutzen. Zur Beschaffung von Geld werden nicht nur Raubüberfälle genutzt, sondern auch Betrugsmaschen im Internet, die sich gegen Banken richten.

De Maizière: Bewachung von Islamisten eine enorme Belastung 

Die Überwachung der rund 230 bekannten gefährlichen Islamisten in Deutschland stellt laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) eine enorme Belastung dar. Der Aufwand, diese 230 sogenannten Gefährder immer im Blick zu halten, "geht an die Grenzen dessen, was die Sicherheitsbehörden imstande sind zu leisten", sagte de Maizière am Mittwoch in Berlin.

Positiv erwähnte er die Razzia in Köln, bei der am Morgen mehrere Verdächtige verhaftet worden waren, die mit Einbrüchen in Kirchen und Schulen Geld für die Ausreise von Dschihadisten beschafft haben sollen. Die aktuellen Ermittlungsverfahren seien auch Ergebnis des Verbotes der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) in Deutschland, sagte der Innenminister. Er betonte, die deutschen Behörden hätten seit den Anschlägen vom 11. September 2001, die zum Teil in Deutschland vorbereitet worden waren, viel über die Szene der radikalen Islamisten dazugelernt.

Als "Gefährder" bezeichnet das Innenministerium Menschen, bei denen die Möglichkeit besteht, dass sie Anschläge planen. Die Behörden schätzen, dass dem weiteren Umfeld dieser Gruppe gefährlicher Islamisten noch 1000 weitere Terror-Sympathisanten angehören. (mit dpa)

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